Der Beckumer Prudentia-Schrein

Herausragende Exponate der Ausstellung „Goldene Pracht“ - Teil 3

Der Beckumer Prudentia Schrein

Prudentia-Schrein aus Beckum, Goldschmiede Renfridus, Hermannus und Sifridus, um 1230/40, © Bistum Münster

© Stephan Kube

Der Prudentia-Schrein erstrahlt in der Ausstellung „Goldene Pracht“ neben dem berühmten Marienschrein aus Tournai, der aus der Werkstatt des Nikolaus von Verdun stammt, dem Erbauer des Dreikönigsschreins im Kölner Dom. Im Vergleich mit dem internationalen Spitzenwerk kann sich dem Publikum das hohe Niveau dieses westfälischen Schatzes erschließen.

Für die Goldschmiedekunst des 13. Jahrhunderts in Westfalen stellt der Prudentia-Schrein einen ersten Höhepunkt dar. Er ist ein wichtiges Beispiel für die hausförmigen Reliquienschreine des 12. und frühen 13. Jahrhunderts – es handelt sich um das einzige Beispiel dieses Typs in Westfalen. Ursprünglich war der Schrein mit hochrangigen Reliquien frühchristlicher Heiliger ausgestattet. Besonders bemerkenswert ist, dass am Schrein die drei Goldschmiede genannt werden, die ihn gefertigt haben: Renfridus, Hermannus und Sifridus.

Die Ausstellung „Goldene Pracht“ vermittelt, warum und zu welchen Anlässen Menschen des Mittelalters Goldschmiedewerke stifteten. Sie zeigt zugleich, dass sich die Gruppen der Stifter goldglänzender Kreuze, Schreine und Statuetten veränderten: Zunächst traten in Westfalen geistliche und weltliche Eliten als Stifter in Erscheinung, im Spätmittelalter auch ein zunehmend selbstbewusstes Bürgertum. Der Prudentia-Schrein aus Beckum verdeutlicht dies im Ausstellungsraum „Neue Zentren, neue Träger, neue Formen“: Mit der Inschrift „Diesen Schrein stiftete das Volk von Beckum“ ist erstmals nachweisbar, dass der Auftrag zur Ausführung eines aufwendigen Schreins von einer Stadtgemeinde ausging.

Die heute übliche Bezeichnung „Prudentia-Schrein“ erhielt er erst 1881, als dem damals leer vorgefundenen Gehäuse nach einer gründlichen Renovierung durch Goldschmied Joseph Osthues in Münster Reliquien der Märtyrerin Prudentia eingefügt wurden. Zum Zeitpunkt seiner Entstehung barg er ebenfalls Reliquien von Heiligen der Urkirche, der Beckumer Kirchenpatrone Stephanus und Sebastian sowie des Märtyrerpapstes Fabian. (exc)