Dissertation Kristian Mennen

ABSTRACT

Katholische und sozialdemokratische zivilgesellschaftliche Organisationen in der Debatte um ihr Repertoire



Bis heute werden die nationalsozialistischen und kommunistischen Bewegungen immer noch zu sehr als von den ’normalen’, demokratischen Parteien in den 20er und 30er Jahren abweichend betrachtet. Dabei wird aber oft übersehen, dass der spezifische organisatorische Aufbau und politische Sprachgebrauch dieser Bewegungen, vor allem ihr öffentlicher Auftritt mit neuen Stilmitteln wie Massenkundgebungen, Demonstrationen und Uniformen, von den Zeitgenossen kaum als ’abstoßend’, ’verwerflich’ oder überhaupt ’abnormal’ angeschaut wurden. Offensichtlich passten diese Parteien sehr gut in das politische Repertoire der zwanziger Jahre, das seit der Einführung des allgemeinen Wahlrechtes 1918 eine neue politische Kultur mitprägte und an dem alle politischen Strömungen sich beteiligten. Alle Bewegungen in der Zwischenkriegszeit versuchten sich mit Kundgebungen, Fackelzügen und Symbolik auf der Straße sichtbar zu machen.
In diesem Promotionsprojekt werden diese Aspekte sowohl zwischen Deutschland und den Niederlande, als auch zwischen verschiedenen politischen Richtungen miteinander verglichen. Die Haltungen zivilgesellschaftlicher Akteure in Deutschland und den Niederlanden, die das katholische oder sozialdemokratische Repertoire entscheidend mitgeprägt haben, werden als repräsentativ für ihre jeweiligen Milieus betrachtet. Die zentrale Frage ist die, wie die Zeitgenossen ihr eigenes Repertoire und öffentlichen Aufritt im Hinblick auf die faschistische Herausforderung evaluierten, interpretierten und weiterentwickelten. Ähnelten die Repertoires sich? Wurden die anscheinend so besonders erfolgreichen äußeren Formen, die die Nationalsozialisten verwendeten, in das eigene Repertoire übernommen, oder wurden sie grundsätzlich abgelehnt, gerade weil sie mit den Nationalsozialisten assoziiert wurden? Das extremste Formelement, die Anwendung politischer Gewalt, hat damals jedenfalls die meisten Debatten ausgelöst.
Öffentlicher Raum wird in diesem Zusammenhang als die geographische und physische Dimension der Öffentlichkeit aufgefasst, also buchstäblich als die Straße, auf der marschiert wurde. Die Öffentlichkeit war keineswegs auf ihre räumliche Komponente beschränkt, wurde aber in der Zwischenkriegszeit mehr als danach vom öffentlichen Raum und der Beherrschung desselben bestimmt. Der deutsch-niederländische Vergleich stellt eine zusätzliche analytische Schicht dar: Auch die niederländischen zivilgesellschaftlichen Organisationen hatten sich zu überlegen, ob sie die deutschen Formen des Repertoires nur so kopieren und importieren durften, oder diese Methoden dann sofort als "unniederländisch" diffamiert wurden.


Video: Niederlande-Deutschland Studien screenshot video


Veranstaltungen

28.05.2013, 19 Uhr
Vortrag: Patrick van Schie: Niederländische Parteien stellen sich vor – VVD

29.05.2013, 10 Uhr - 26.06.2013, 18 Uhr
Ausstellung: Bibelfliesen

05.06.2013 - 30.06.2013
Ausstellung: Augen des Krieges


Buch des Monats

Mai 2013


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