Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2016/17

Hier finden Sie die kommentierten Veranstaltungshinweise von Herrn Prof. Dr. Wolfram Drews, Herrn Dr. Christian Scholl, Herrn Dr. des. Colin Arnaud und Herrn Marcel Bubert, M.A.

Prof. Dr. Wolfram Drews

086274 Masterseminar: Welt- und Globalgeschichte im Mittelalter

Mo., 16-18, Raum: F 33 (F-Haus); Beginn: 17.10.2016
Neuere Ansätze der Globalgeschichte konzentrieren sich häufig auf die Neuzeit; nur manchmal werden gewissen Vorstufen in der Antike oder im Mittelalter eingeräumt. Ist eine solche Herangehendweise berechtigt? Gibt es eigene, mittelalterliche Ansätze zur Konzeptualisierung einer „weltumspannenden“ Perspektive auf die Geschichte? Welche Unterschiede bestehen zwischen Welt-, Global- und Universalgeschichte? Im Seminar werden einige Ansätze zum Entwurf von Welt- oder Globalgeschichten diskutiert; daneben finden auch Fallstudien Berücksichtigung, die eine transkulturelle Perspektive einnehmen und als Beitrag zu einer Globalgeschichte des Mittelalters aufgefaßt werden können. Themenvorschläge der Studierenden zur thematischen Gestaltung werden gerne berücksichtigt.
Literaturempfehlungen:  Kedar, Benjamin Z. / Merry E. Wiesner-Hanks (eds.), The Cambridge world history, V: Expanding webs of exchange and conflict, 500 CE - 1500 CE, Cambridge 2015; Borgolte, Michael, Wie Weltgeschichte erforscht werden kann. Ein Projekt zum interkulturellen Vergleich im mittelalterlichen Jahrtausend, Zeitschrift für Historische Forschung 43 (2016), 1-27; Darwin, John, After Tamerlane. The Global History of Empire since 1405, London 2007; Drews, Wolfram, Transkulturelle Perspektiven in der mittelalterlichen Historiographie. Zur Diskussion welt- und globalgeschichtlicher Entwürfe in der aktuellen Geschichtswissenschaft, Historische Zeitschrift 292 (2011), 31-59; Flüchter, Antje / Michael Jucker, Wie globalisiert war die Vormoderne? Ein Plädoyer für einen neuen Blick in den asiatischen Raum, Traverse 14 (2007), 97-111.

Prof. Dr. Wolfram Drews

086226 Hauptseminar: Imperien des Mittelalters im globalen Vergleich

Di., 16-18, Raum: F 102 (F-Haus); Beginn: 18.10.2016
Seit dem Aufschwung der postcolonial studies ist das Interesse der Forschung für Imperien gewachsen, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln analysiert werden: Unter dem Aspekt des Verhältnisses von Zentren und Peripherien, der imperialen Eliten, der imperialen Ressourcen oder auch der imperialen „Mission“. Diesen neueren Ansätzen steht die traditionelle Reichsgeschichte gegenüber, die zu den etablierten Kerngebieten der deutschen Mediävistik zählt. Die Ergebnisse der älteren Reichsgeschichte können heute mit den Postulaten neuerer Ansätze konfrontiert werden und erscheinen so in einem ganz anderen Licht: Das römisch-deutsche Kaisertum kann nicht nur mit dem byzantinischen Reich verglichen werden, sondern auch mit anderen regionalen Kaisertiteln, die nicht auf Rom bezogen waren (etwa bei den Angelsachsen und in Spanien); das Interesse der Forschung richtet sich aber auch auf den außereuropäischen Bereich, wo nicht nur das islamische Kalifat in den Blick genommen wird (zeitweise gab es drei rivalisierende Kalifate, die auch mit christlichen Imperien konkurrierten), sondern auch das chinesische Kaisertum, manchmal ergänzt um andere ostasiatische Kaisertümer wie in Japan. Nicht zuletzt findet auch das mongolische Weltreich Berücksichtigung, das – neben dem byzantinischen Kaisertum – eine Legitimationsquelle für das Moskauer Imperium des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit darstellte. Das Seminar thematisiert unterschiedliche Kaisertümer und berücksichtigt dabei insbesondere die Frage der möglichen Vergleichbarkeit.
Literaturempfehlungen: Gehler, Michael (ed.), Imperien und Reiche in der Weltgeschichte. Epochenübergreifende und globalhistorische Vergleiche, I: Imperien des Altertums, mittelalterliche und frühneuzeitliche Imperien, Wiesbaden 2014; Drews, Wolfram, Antje Flüchter u.a., Monarchische Herrschaftsformen der Vormoderne in transkultureller Perspektive (Europa im Mittelalter. Abhandlungen und Beiträge zur historischen Komparatistik 26), Berlin 2015; Drews, Wolfram, Imperiale Herrschaft an der Peripherie? Hegemonialstreben und politische Konkurrenz zwischen christlichen und islamischen Herrschern im früh- und hochmittelalterlichen ‛Westen’, Frühmittelalterliche Studien 46 (2012), 1-3; Höfert, Almut, Kaisertum und Kalifat. Der imperiale Monotheismus im Früh- und Hochmittelalter (Globalgeschichte 21), Frankfurt/M. 2015

Prof. Dr. Wolfram Drews

086211 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte:
Die Entstehung des Kreuzzugsgedankens

Mi., 10-14, Raum: F 102 (F-Haus); Beginn: 26.10.2016
1935 veröffentlichte der Historiker Carl Erdmann sein Standardwerk zur Entstehung des Kreuzzugsgedankens, das die Forschung bis heute nachhaltig prägt. Als einer von wenigen deutschen Mediävisten bewahrte der Autor Distanz zum nationalsozialistischen Regime, weshalb der Historikerverband seinen seit 2011 verliehenen Preis für neu Habilitierte nach ihm benannt hat; bekanntlich war es schwierig, politisch unbelastete Historiker zu finden, die noch dazu wegweisende Forschungsarbeiten vorgelegt hatten, nach denen ein Preis zur Förderung des sogenannten wissenschaftlichen Nachwuchses benannt werden konnte. Das Seminar führt anhand von Erdmann und seinem Werk in die Geschichte des Faches und in das historische Arbeiten ein. Thematisch behandelt werden die Frage nach „heiligen Kriegen“, nach der Sakralisierung der Kriegführung, nach dem Verhältnis von Klerus und Krieg, nach dem Verhältnis des Papsttums zum Einsatz militärischer Gewalt und zuletzt die konkreten historischen Voraussetzungen für den Aufruf Papst Urbans II. in Clermont von 1095, der den Anstoß zum ersten Kreuzzug lieferte.
Literaturempfehlungen: Erdmann, Carl, Die Entstehung des Kreuzugsgedankens (Forschungen zur Kirchen- und Geistesgeschichte 6), Stuttgart 1935; Riley-Smith, Jonathan, The First Crusade and the Idea of Crusading, London 1986; Harnack, Adolf v., Militia Christi. Die christliche Religion und der Soldatenstand in den ersten drei Jahrhunderten, Tübingen 1905, ND Darmstadt 1963.


dr. christian scholl

086207 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte:
England im Mittelalter

Di., 10-14, Raum: F 042 (F-Haus); Beginn: 25.10.2016
Aufgrund seiner Insellage nahm die Geschichte Englands im Mittelalter in vielerlei Hinsicht einen anderen Verlauf als die Geschichte auf dem Kontinent, auch wenn das Land während der gesamten mittelalterlichen Jahrhunderten in engen Kontakten zum Festland stand. Die ungleiche Entwicklung begann schon bald nach dem Rückzug der Römer aus Britannien, als die römischen Traditionen und „Einflüsse“ auf der Insel in ungleich schnellerem Maße verschwanden als auf dem Kontinent. Im Proseminar soll zunächst die politische Geschichte Englands vom Ende der römischen Herrschaft und dem Beginn der angelsächsischen Besiedlung im 5. bis zum Beginn der Tudor-Herrschaft im späten 15. Jahrhundert behandelt werden. Schwerpunkte sollen dabei u.a. auf der Zeit der Wikingereinfälle, der normannischen Eroberung im Jahre 1066 sowie den Auseinandersetzungen zwischen der Krone und den Baronen, die in der 1215 verabschiedeten Magna Carta mündeten, liegen. Neben der politischen Geschichte sollen auch sozial-, wirtschafts- und kulturgeschichtliche Themen im Seminar besprochen werden. Vor dem Hintergrund dieser Thematik gibt der propädeutische Teil des Proseminars einen Einblick in die Arbeitsweisen, Hilfsmittel und Methoden des Fachs Mittelalterliche Geschichte. Als Leistungsnachweise sind neben regelmäßiger und aktiver Teilnahme die Beteiligung an einer Stundengestaltung, eine Abschlussklausur und eine Hausarbeit erforderlich.
Da mehrere im Proseminar besprochene Quellen und Sekundärwerke nur in englischer Übersetzung bzw. Sprache vorliegen, sind gute Englischkenntnisse Voraussetzung für den Besuch des Seminars.
Literaturempfehlungen: Michael Maurer, Geschichte Englands, Stuttgart 2014; Jürgen Sarnowsky, England im Mittelalter, Darmstadt 2002; Hanna Vollrath, Natalie Fryde (Hg.), Die englischen Könige im Mittelalter. Von Wilhelm dem Eroberer bis Richard III., München 2004; Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter, Stuttgart 42014; Martina Hartmann, Mittelalterliche Geschichte studieren, Konstanz 32011.

dr. christian scholl

086210 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte:
Kirchenreform und Investiturstreit

Mo., 14-18, Raum: F 072 (F-Haus); Beginn: 24.10.2016
Kaum ein Ereignis hat die mittelalterliche Welt so sehr erschüttert wie der in der Kirchenreform des 11. Jahrhunderts wurzelnde sog. Investiturstreit, dessen dramatischer Höhepunkt ohne Zweifel der berühmt-berüchtigte Gang Kaiser Heinrichs IV. nach Canossa im Januar 1077 war. Im Proseminar soll danach gefragt werden, aus welchen Gründen es ab der Mitte des 11. Jahrhunderts zunehmend zu Konflikten zwischen den beiden mittelalterlichen Universalgewalten Kaisertum und Papsttum kam, die schließlich in der Auseinandersetzung zwischen Papst Gregor VII. und Kaiser Heinrich IV. eskalierten. Zu diesem Zweck werden zunächst die ursprünglich vom Kloster Cluny ausgehenden innerkirchlichen Reformen des 10./11. Jahrhunderts unter der Fragestellung in den Blick genommen, inwiefern diese den Investiturstreit mitverursachten. Daran anschließend werden der Weg in den Konflikt, der letztlich über die von Heinrich III. einberufene Synode von Sutri vom salischen Kaiserhaus selbst eingeleitet wurde, der Verlauf des Investiturstreits sowie dessen Beendigung durch das Wormser Konkordat von 1122 thematisiert. Ein letzter Schwerpunkt liegt auf der Rezeption des Investiturstreits, der gerade die deutschsprachige Mediävistik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts entscheidend prägte und der noch heute heftige Kontroversen unter Historikern auslöst.
Vor dem Hintergrund dieser Thematik gibt der propädeutische Teil des Proseminars einen Einblick in die Arbeitsweisen, Hilfsmittel und Methoden des Fachs Mittelalterliche Geschichte. Als Leistungsnachweise sind neben regelmäßiger und aktiver Teilnahme die Beteiligung an einer Stundengestaltung, eine Abschlussklausur und eine Hausarbeit erforderlich.
Literaturempfehlungen: Gerd Althoff, Heinrich IV. Darmstadt 2006; Werner Goez, Kirchenreform und Investiturstreit 910-1122, Stuttgart 22008; Wilfried Hartmann, Der Investiturstreit (Enzyklopädie deutscher Geschichte 21), München 32007; Johannes Laudage, Der Investiturstreit. Quellen und Materialien (lateinisch-deutsch), Köln 22006; Stefan Weinfurter, Canossa. Die Entzauberung der Welt, München 2006; Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter, Stuttgart 42014; Martina Hartmann, Mittelalterliche Geschichte studieren, Konstanz 32011.


dr. des. colin arnaud

086215 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte:
Natural- und Geldwirtschaft im frühen Mittelalter

Mi., 08-12, Raum: SRZ 105 (Orléans-Ring 12); Beginn: 26.10.2016
Bis zum Spätmittelalter war der Geldgebrauch relativ gering. Gerade deswegen aber ist es interessant, die An- und Abwesenheit des Geldes im Wirtschaftsleben des frühen Mittelalters als Fokus für ein tieferes Verständnis der damaligen Wirtschafts- und Sozialstrukturen zu untersuchen. Im Seminar werden wir versuchen zu verstehen, welche konkrete Funktion das Geld einnnahm. Dabei ist das fiktive Geld als rein theoretische Rechnungseinheit vom praktischen Umgang mit Münzen zu unterscheiden.
Wir werden die Sekundärliteratur über Domanial- und Villikationsbetriebe, über Grundherrschaft und über die sogenannte Feudalgesellschaft mit den Dokumenten der Zeit konfrontieren. Urkunden und Urbare (Besitzungenverzeichnisse) der karolingischen Zeit werden deswegen im Mittelpunkt des Seminars stehen. Die Quellenanalyse wird uns auch die Gelegenheit geben, Grundlagen der historischen Mediävistik zu thematisieren, wie etwa Paläographie, Diplomatik, Chronologie.
Die Studenten werden an dem Seminar aktiv und regelmäßig teilnehmen, ein Referat halten und abschließend eine Klausur sowie eine Hausarbeit schreiben.


marcel bubert, M.a.

086248 Übung: Irland und Europa im Mittelalter

Mi., 14-16, Raum: F 029 (F-Haus); Beginn: 19.10.2016
Irland nimmt im europäischen Mittelalter nicht nur geographisch eine exzentrische Position ein. In vieler Hinsicht lässt sich Irland als eigener kultureller Raum begreifen, der spezielle politische Strukturen, kirchliche Organisationsformen sowie literarische und gelehrte Traditionen aufweist. Die besonderen Charakteristika Irlands, die mit der starken Kontinuität vorchristlicher ("keltischer") Traditionen zusammenhängen, sollen in der Übung im Vergleich mit den Verhältnissen auf dem europäischen Festland herausgearbeitet werden. Besonderes Augenmerk soll, neben der politischen Geschichte, der Klosterkultur des irischen Mittelalters geschenkt werden, in der sich ein in Europa singuläres Gelehrtentum entwickelte, das etwa für die Bewahrung und Verschriftung des weltlichen (keltischsprachigen) Rechts sowie der archaischen irischen Dichtung verantwortlich ist. In einem zweiten Schritt nimmt die Übung die vielfältigen Austausch und Transferprozesse zwischen Irland und dem europäischen Festland in den Blick. Dabei wird es etwa um die irischen Klostergründungen auf dem Kontinent gehen, um irische Gelehrte an den karolingischen Höfen, sowie um die damit verbundene Vermittlung von Büchern und Texten. Bezogen auf diese Thematik werden auch kulturtheoretische Fragen aufgeworfen und diskutiert.
Literaturempfehlungen: Thomas Charles-Edwards, Early Christian Ireland, Cambridge 2000; Michael Richter, Irland im Mittelalter. Kultur und Geschichte, München 1996; Próinséas NíChatháin/Michael Richter (Hgg.), Irland und Europa im frühen Mittelalter. Bildung und Literatur/Ireland and Europe in the Early Middle Ages. Learning and Literature, Stuttgart 1996; Dáibhí Ó Cróinín, Early Medieval Ireland, 400-1200, London 1995; Próinséas NíChatháin/Michael Richter (Hgg.), Irland und Europa. Die Kirche im Frühmittelalter/Ireland and Europe. The Early Church, Stuttgart 1984; Heinz Löwe (Hrsg.), Die Iren und Europa im früheren Mittelalter, 2 Bde., Stuttgart 1982.



Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2016

Hier finden Sie die kommentierten Veranstaltungshinweise von Frau Prof. Dr. Almut Höfert, Herrn Dr. Christian Scholl, Herrn Tobias Hoffmann, M.A. und Herrn Nadeem Khan, M.A.

Prof. Dr. almut höfert

084229 Hauptseminar: Märtyrer im Mittelalter

Mi., 16-18, Raum: F 33 (F-Haus); Beginn: 13.04.2016
Märtyrer und Märtyrerinnen waren im Mittelalter omnipräsent. Als älteste und größte Gruppe unter den Heiligen veränderte sich ihr Kult fortwährend, neue Märtyrer kamen – in geringerer Zeit – hinzu. Auch in den Kirchen in und um Münster ist die Gruppe der Märtyrer unter anderem mit Paulus, Petrus, Stephanus, Clemens, Sebastian, Agathe, Margarete und Lambert gut vertreten. Dieses Seminar wird einen Bogen von den spätantik-frühmittelalterlichen Märtyrern über christliche und islamische Märtyrer während der Kreuzzüge bis in die Heiligenkulte von Märtyrern ins Spätmittelalter schlagen und dabei unterschiedliche Analysemethoden anwenden.
Literaturempfehlungen: Beat Näf: Städte und ihre Märtyrer. Fribourg 2011; Diana Wood (Hg.): Martyrs and martyrologies. Oxford 1993; Robert Bartlett: Why Can the Dead Do Such Great Things? Saints and Worshippers from the Martyrs to the Reformation. Princeton, Oxford 2013.

Prof. Dr. almut höfert

084228 Hauptseminar: Männlichkeiten im Mittelalter

Do., 10-12, Raum: F 33 (F-Haus); Beginn: 14.04.2016
Als sich die Geschlechtergeschichte in den 1980er Jahren aus der Frauengeschichte entwickelte, kamen auch Männer und männliche Geschlechterrollen in den Blick historischer Forschungen. In diesem Seminar werden wir uns mit den methodischen Grundlagen der historischen Männlichkeitsforschung befassen und fragen, wie unterschiedliche Gruppen von Männern – vom Adligen über den Bettelordensmönch hin zum Handwerker – in ihrem Selbstverständnis und ihren Praktiken im Mittelalter die Frage beantworteten: Wann ist der Mann ein Mann?
Literaturempfehlungen: Hadley, D. M. (Hg.): Masculinity in Medieval Europe. London, New York 1999; Karras, Ruth Mazo: From Boys to Men. Formations of Masculinity in Late Medieval Europe. Philadelphia 2003; Schmale, Wolfgang: Geschichte der Männlichkeit in Europa (1450-2000). Wien 2003; Martschukat, Jürgen / Stieglitz, Olaf: Geschichte der Männlichkeiten. Frankfurt am Main 2008.

Prof. Dr. almut höfert

084250 Übung: Jenseits des Eurozentrismus: Ansätze der transkulturellen Geschichte

Do., 16-18, Raum: F 3 (F-Haus); Beginn: 14.04.2016
Was ist eigentlich Globalgeschichte? Ist es die Summe aller großen weltgeschichtlichen Entwicklungen, die entweder additiv oder mit der Suche nach Strukturmustern zusammengebracht werden? Oder sollten Phänomene mit einer globalen Verbreitungsrate in den Blick genommen werden? Läßt sich in diesem Fall dann eine Globalgeschichte vor der Globalisierung schreiben? In dieser Übung werden wir unterschiedliche Ansätze von der Universalgeschichte der Aufklärung über die Weltgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts bis zu den jüngeren Arbeiten der neueren Globalgeschichte kennenlernen. Neben theoretischen Diskussionen werden dabei auch praktische Beispiele behandelt werden.
Literaturempfehlungen: Bayly, Christopher: Die Geburt der modernen Welt. Eine Globalgeschichte 1780–1914. Frankfurt am Main 2006 (engl. Original Oxford 2004); Mintz, Sidney: Die süße Macht. Kulturgeschichte des Zuckers. Frankfurt am Main 2007 (eng. Erstausgabe New York 1985); Osterhammel, Jürgen (Hg.): Weltgeschichte (Basistexte Geschichte 4). Stuttgart 2008; Bang, Peter (Hg.): Universal Empire. A Comparative Approach to Imperial Culture and Representation in Eurasian History. Cambridge 2012; Osterhammel Jürgen: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts. München 2011; Conrad, Sebastian: Globalgeschichte. Eine Einführung. München 2013.

Prof. Dr. almut höfert

084250 Übung: Einführung in die Globalgeschichte

Fr., 10-12, Raum: F 104 (F-Haus); Beginn: 15.04.2016
Seit einiger Zeit wird die Tatsache, daß die Geschichtswissenschaft in großen Teilen auf Europa und „den Westen“ ausgerichtet ist, in der Forschung thematisiert. Auch wenn die meisten HistorikerInnen darin übereinstimmen, daß eurozentristische Zugriffe und Analysemethoden zu vermeiden sind, erweist sich diese Vorgabe in der Praxis schwieriger, als es auf den ersten Blick scheint. Die Diskussionen, wie der Eurozentrismus überwunden werden kann, sind gleichzeitig mit grundsätzlichen methodischen Fragen der Geschichte verknüpft. In dieser Übung werden wir unterschiedliche Ansätze wie den Zivilisationsvergleich der historischen Soziologie, die Postcolonial Studies, „transnationale“ und „verflochtene“ Geschichte kennenlernen und diskutieren. Falls die Teilnehmenden in überwiegender Zahl wünschen, kann das Programm der Übung auch Methoden und beispielhafte Studien aus der Globalgeschichte umfassen.
Literaturempfehlungen: Eisenstadt, Shmuel: “Multiple Modernities.” In: Daedalus 129 (2000), S. 1-29; Chakrabarty, Dipesh: Provincializing Europe. Postcolonial Thought and Historical Difference. Princeton 2000 (2. Aufl. 2008); Conrad, Sebastian / Randeria, Shalini (eds.): Jenseits des Eurozentrismus. Postkoloniale Perspektiven in den Geschichts- und Kulturwissenschaften. Frankfurt/Main 2002 (2. Aufl. 2012); Pernau, Margrit: Transnationale Geschichte (Grundkurs Neue Geschichte). Göttingen 2011.


Dr. Christian Scholl

084210 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte:
Kriminalität im Mittelalter

Di., 10-14, Raum: F 042 (F-Haus); Beginn: 12.04.2016
Wohl „kaum etwas charakterisiert eine Gesellschaft anschaulicher als das, was sie als abweichendes Verhalten definiert“ (Gerd Schwerhoff). Aus diesem Grund fragt das Proseminar aus einer dezidiert sozialgeschichtlichen Perspektive, welche Taten in den mittelalterlichen Jahrhunderten als „kriminelle“ Vergehen (Diebstahl, Mord, Totschlag, Sexual- bzw. Sittenvergehen etc.) definiert und unter welche Strafen (Bußen, Geld-, Kerker-, Schand- und Körperstrafen, Hinrichtungen etc.) diese gestellt wurden. Ebenso werden Wege der Rechtsfindung (Gottesurteile, Akkusations- vs. Inquisitionsverfahren etc.) sowie nicht zuletzt die rituelle Inszenierung von Urteilsverkündung und -vollstreckung thematisiert. Dabei findet eine Vielzahl von Quellentypen aus den mittelalterlichen Teilepochen, von den frühmittelalterlichen leges und Bußbüchern über die hochmittelalterlichen Rechtsbücher bis hin zu chronikalischen Erzählungen und Gerichtsprotokollen aus dem späten Mittelalter, Berücksichtigung. Vor dem Hintergrund dieser Thematik gibt der propädeutische Teil des Proseminars einen Einblick in die Arbeitsweisen, Hilfsmittel und Methoden des Fachs Mittelalterliche Geschichte. Als Leistungsnachweise sind neben regelmäßiger und aktiver Teilnahme die Beteiligung an einer Stundengestaltung, eine Abschlussklausur und eine Hausarbeit erforderlich.
Literaturempfehlungen: Andreas Blauert, Gerd Schwerhoff (Hg.), Kriminalitätsgeschichte. Beiträge zur Sozial- und Kulturgeschichte der Vormoderne, Konstanz 2000; Ernst Schubert, Räuber, Henker, arme Sünder. Verbrechen und Strafe im Mittelalter, Darmstadt 2007; Peter Schuster, Eine Stadt vor Gericht. Recht und Alltag im spätmittelalterlichen Konstanz, Paderborn u.a. 2000; Gerd Schwerhoff, Historische Kriminalitätsforschung (Historische Einführungen 9), Frankfurt, New York 2011; Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter, Stuttgart 42014; Martina Hartmann, Mittelalterliche Geschichte studieren, Konstanz 32011.


Tobias hoffmann, m.a. / Nadeem Khan, M.a.

084253 Übung: Heiligkeit, Heilige und Heiligtümer im muslimisch-christlichen Vergleich

Di., 14-16, Raum: SRZ 150 (Orléans-Ring 12); Beginn: 19.04.2016
In Islam und Christentum lebt die Vorstellung von „heiligen“ Männern und Frauen, Personen, die eine besondere Gottesnähe auszeichnet, die sie zu Lebzeiten und nach ihrem Tod als Medien und Vermittler göttlicher Gnade, als Gefäße göttlichen Wirkens und Willens kennzeichnen. Mit diesem Konzept verbunden sind kultische Praktiken, die etwa die Verehrung dinglicher Überreste (Reliquien) und Orte, die Ziel von Pilgerreisen sind, einschließen. In der Übung sollen unterschiedliche Konzepte von Heiligkeit anhand von Beispielen aus dem muslimischen respektive christlichen Kulturkreis vergleichend betrachtet werden.
Literaturempfehlungen: Arnold Angenendt, Heilige und Reliquien. Die Geschichte ihres Kultes vom frühen Christentum bis zur Gegenwart, München ²1997; Joseph Chelhod, Les structures du sacré chez les arabes, Paris 1964; James Howard-Johnston, The Cult of Saints in Late Antiquity and the Middle Ages, Oxford 1999; Dieter von der Nahmer, Die lateinische Heiligenvita. Eine Einführung in die lateinische Hagiographie, Darmstadt 1994; Ludwig Zoepf, Das Heiligenleben im 10. Jahrhundert, Leipzig/Berlin 1908.



Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2015/16

Hier finden Sie die kommentierten Veranstaltungshinweise von Frau Prof. Dr. Almut Höfert, Herrn Dr. Christian Scholl und Herrn Torben Gebhardt, M.A..

Prof. Dr. almut höfert

082201 Vorlesung: Der Mittelmeerraum im Mittelalter

Mi., 16-18, Raum: F 4 (F-Haus); Beginn: 28.10.2015
Der Mittelmeerraum ist seit dem berühmten Buch von Fernand Braudel ein Raum für historische Forschungen, der in der Antike das Römische Reich und im Mittelalter christliche und islamische Reiche, Fürstentümer und Stadtrepubliken umfasst. Ausgehend von der spätantiken Einheit bietet diese Vorlesung einen Überblick über die mittelalterlichen Mächte, die den Mittelmeerraum von der iberischen Halbinsel bis nach Kleinasien prägten und geht dabei auf gesamtmediterrane Kontaktzonen im Rahmen von Pilgerwesen, Handel und den Kreuzzügen ein.
Literaturempfehlungen: Fernand Braudel: Das Mittelmeer und die mediterrane Welt in der Epoche Philipps II. Darmstadt 2001; David Abulafia: Das Mittelmeer. Eine Biographie. Frankfurt am Main 2013.

Prof. Dr. almut höfert

082230 Hauptseminar: Körper und Geschlecht im Mittelalter

Do., 10-12, Raum: F 33 (F-Haus); Beginn: 29.10.2015
Wenn es eine Konstante in der Menschheitsgeschichte gibt, so ist es der Körper des homo sapiens, der sich aus evolutionsgeschichtlicher Sicht in den letzten 5000 Jahren kaum verändert hat, so könnte man meinen. In diesem Seminar werden wir jedoch sehen, dass Körper, Körperlichkeiten und Geschlecht im Mittelalter ganz anders aufgefasst wurden als in der Moderne: Dieses Spektrum umfasst unter anderem die antike Vier-Säfte-Lehre, fließende Geschlechtergrenzen, Monstren, körperliche Strafen (anstelle des modernen Gefängnisses), die Gegenwart des Todes und den Reliquienkult und die große Frage, was Männer und Frauen im Mittelalter eigentlich ausmacht. Um dieses weite Thema zu strukturieren, werden wir auch einige theoretische Texte zur Geschlechter- und Körpergeschichte lesen.
Literaturempfehlungen: LeGoff, Jacques / Truong, Nicolas: Die Geschichte des Körpers im Mittelalter (frz. Erstausgabe 2003). Stuttgart 2003; Claudia Opitz: Geschlechtergeschichte (Campus Historische Einführungen). Frankfurt am Main 2011; Cordula Nolte: Frauen und Männer in der Gesellschaft des Mittelalters. Eine Kultur- und Sozialgeschichte (Geschichte Kompakt). Darmstadt 2011; Jürgen Martschukat / Olaf Stieglitz: Geschichte der Männlichkeiten (Campus Historische Einführungen). Frankfurt am Main 2009; Maren Lorenz: Leibhaftige Vergangenheit. Einführung in die Körpergeschichte. Tübingen 2000.

Prof. Dr. almut höfert

082249 Übung: Einführung in die Geschichte des Islams

Do., 14-16, Raum: SRZ 203 (Orléans-Ring 12) / Do., 16-18, Raum: F 33 (F-Haus); Beginn: 29.10.2015
In der gesellschaftlichen Debatte um Minarett- und Burkaverbot, die „kulturellen“ Verschiedenheiten zwischen Europa und Islam nehmen historische Argumente einen zentralen Platz ein: Im Gegensatz zu Europa sei der Islam aufgrund seiner Geschichte nicht in der Lage, Religion und Staat von einander zu trennen, weil der Prophet Muhammad die islamische umma als religiöse und politische Gemeinschaft zugleich geschaffen habe. Die politisch-gesellschaftliche Relevanz von bestimmten Geschichtsbildern ist derzeit in Bezug auf den Islam besonders brisant. In diesem Kolloquium werden wir uns zum einen die Frage behandeln, wie in Teilen der islamwissenschaftlichen und historischen Forschung das Islambild konstruiert wird, mit dem in der aktuellen gesellschaftlichen Debatte historisch argumentiert wird. Dabei werden wir uns mit aktuellen geschichtstheoretischen Ansätzen zur Überwindung eurozentristischer Sichtweisen auseinander setzen. Zum anderen werden wir uns mit ausgewählten Themen der islamischen Geschichte im Nahen Osten bis ins 21. Jahrhundert beschäftigen (wobei der Schwerpunkt auf der Vormoderne liegen wird) und dabei den Islam nicht als mit dem Propheten vom Himmel gefallene, exotische und abgeschottete Kultur, sondern als Teil allgemeiner historischer Entwicklungen betrachten.
Literaturempfehlungen: Al-Azmeh, Aziz: Die Islamisierung des Islams. Imaginäre Welten einer politischen Theologie. Frankfurt 1996; Berkey, Jonathan: The Formation of Islam. Religion and Society in the Near East, 600-1800. Cambridge 2003; Heinz Halm: Die Araber. Von der vorislamischen Zeit bis zur Gegenwart (Reihe Beck Wissen). München 3. Aufl. 2010; Ders.: Der Islam. Geschichte und Gegenwart (Reihe Beck Wissen). München 8. Aufl. 2011.

Prof. Dr. almut höfert

082229 Hauptseminar: Sizilien im Mittelalter

Fr., 10-12, Raum: F 102 (F-Haus); Beginn: 30.10.2015
Sizilien lag im Mittelalter im Kreuzungspunkt byzantinischer, islamischer und lateinischer Einflüsse. Vor allem die Herrschaft der Normannenkönige (1061/1130–1194), unter denen weiterhin arabische Muslime auf Sizilien lebten, ist als Epoche der Toleranz und hybrider Kultur, aber auch einzigartig zentralisierte Herrschaft mit ungewöhnlicher Strenge beschrieben worden. In diesem Seminar werden wir anhand verschiedener Zugänge die unterschiedlichen Aspekte der sizilianischen Geschichte diskutieren und auch fragen, inwiefern es einen „sizilianischen Sonderweg“ gab.
Literaturempfehlungen: Alex Metcalfe: Muslims and Christians in Norman Sicily. Arabic speakers and the end of Islam. London 2003; Thomas Dittelbach: Geschichte Siziliens. Von der Antike bis heute. München 2010 (Reihe Beck Wissen); Theo Broekmann: Rigor iustitiae. Herrschaft, Recht und Terror im normannisch-staufischen Süden (1050–1250). Darmstadt 2005; Graham A. Loud: Roger II. and the Making of the Kingdom of Sicily. Selected sources translated and annotated. New York 2012


Dr. Christian Scholl

082210 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte:
Von der Einheit zur Vielfalt: Der Mittelmeerraum im frühen Mittelalter

Mo., 14-18, Raum: F 102 (F-Haus); Beginn: 26.10.2015
Im Zuge des Spatial Turn ist der geographische Raum in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus der historischen Forschung gerückt. Besondere Aufmerksamkeit wurde dabei dem Mittelmeerraum als Kontaktzone zwischen den drei Kontinenten Asien, Afrika und Europa zuteil. Im thematischen Teil des Proseminars werden die vielschichtigen Transformationsprozesse untersucht, die zwischen ca. 400 und 900 nach Christus dazu geführt haben, dass die politische, wirtschaftliche und kulturelle Einheit des Mittelmeerraums unter römischer Herrschaft zunehmend zersplitterte, was schließlich in einer Dreiteilung der Mittelmeerwelt in westeuropäisches ‚Abendland‘, Byzanz und islamischen Machtbereich mündete. In diesem Zusammenhang werden auch einflussreiche historische Kontroversen wie die um die sog. Pirenne-These vorgestellt und diskutiert. Vor dem Hintergrund dieser Thematik gibt der propädeutische Teil des Proseminars einen Einblick in die Arbeitsweisen, Hilfsmittel und Methoden des Fachs Mittelalterliche Geschichte. Als Leistungsnachweise sind neben regelmäßiger und aktiver Teilnahme die Beteiligung an einer Stundengestaltung, eine Abschlussklausur und eine Hausarbeit erforderlich.
Literaturempfehlungen: David Abulafia, Das Mittelmeer. Eine Biographie, Frankfurt am Main 32013; Michael McCormick, Origins of the European Economy. Communications and Commerce, A.D. 300-900, Cambridge 2001; Ernst Pitz, Die griechisch-römische Ökumene und die drei Kulturen des Mittelalters. Geschichte des mediterranen Weltteils zwischen Atlantik und Indischem Ozean 270-812 (Europa im Mittelalter 3), Berlin 2001; Henri Pirenne, Mohammed und Karl der Große. Die Geburt des Abendlandes, Stuttgart 1987 (Originaltitel: Mahomet et Charlemagne, Paris 1937); Chris Wickham, Framing the Early Middle Ages. Europe and the Mediterranean, 400-800, Oxford, New York 2005; Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter, Stuttgart 42014; Martina Hartmann, Mittelalterliche Geschichte studieren, Konstanz 32011.


Torben Gebhardt, M.a.

082251 Übung: Money makes the (medieval) world go around - Wirtschaftsgeschichte des Mittelalter

Mi., 16-18, Raum: F 042 (F-Haus); Beginn: 21.10.2015
Dass Geld die Welt regiert, denkt man meistens nur von unserer heutigen Zeit. Dabei galt dies für die Vormoderne nicht weniger. Zölle, Handel, landwirtschaftliche  oder handwerkliche Erträge prägten die mittelalterliche Welt. Die Übung hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Aspekt der mittelalterlichen Geschichte, der in letzter Zeit eine größere Aufmerksamkeit genossen hat, in den Mittelpunkt zu stellen. Entsprechend sollen weniger die häufig beleuchteten Großereignisse der Geschichte unter die Lupe genommen werden, sondern die Maschinerie hinter dem System. So werden mikrokosmische Fragen, wie die finanzielle Abhängigkeit des Landherrn vom Bauer, ebenso ein Thema sein wie makrokosmische Bereiche, beispielsweise der Fernhandel. Die Facetten des Themas reichen dabei von Wettereinflüssen auf Ernten bis zu kulturellen Unterschieden bei Handelspartnern.
Einführende Literatur: Gilomen, Hans-Jörg: Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters (C.H.Beck Wissen 2781), München 2014. Malanima, Paolo: Europäische Wirtschaftsgeschichte. 10. Bis 19. Jahrhundert (UTB P3377), Stuttgart 2010. Niemann, Hans-Werner: Europäische Wirtschaftsgeschichte. Vom Mittelalter bis heute (Geschichte Kompakt), Darmstadt 2009.



Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2015

Hier finden Sie die kommentierten Veranstaltungshinweise von Herrn Prof. Dr. Wolfram Drews, Herrn Dr. Christian Scholl und Herrn Torben Gebhardt, M.A..

Prof. Dr. Wolfram Drews

082231 Lektüreübung: Mittelalterliche Pilgerberichte

Mo., 16-18, Raum: F 104 (F-Haus); Beginn: 13.04.2015
Muslimische, jüdische und christliche Reisende des Mittelalters haben Berichte hinterlassen, die allgemein als Reiseberichte, aber auch spezieller als Pilgerberichte charakterisiert werden können. Während manche Autoren durchaus erzählfreudig über Details ihrer Reisen unterrichten, konzentrieren sich andere mehr auf die Beschreibung heiliger Stätten und das dortige Geschenken, das in vielfältiger Weise religiöse Praktiken spiegelt. Für die historische Forschung ergeben sich aus der Auswertung derartiger Quellen Aufschlüsse im Hinblick auf die Konstruktion religiöser und sozialer Grenzen, auf Selbst-und Fremdwahrnehmung, auf kultische Praktiken von Klerus und Laien, aber auch auf diverse Phänomene der Alltagsgeschichte.
Literaturempfehlungen: Benjamin von Tudela, Syrien und Palästina nach dem Reisebericht des Benjamin von Tudela (Abhandlungen des Deutschen Palästina-Vereins 12), Wiesbaden 1990; Egeria’s travels, Warminster 3
2006; Fabri, Felix, Galeere und Karawane. Pilgerreise ins Heilige Land, zum Sinai und nach Ägypten 1483, Stuttgart 5 1996; Ibn Battuta, Die Reisen des Ibn Battuta, München 2007; Ibn Gubair, Tagebuch eines Mekkapilgers, Lenningen 2004; Meshullam da Volterra, Von der Toskana in den Orient. Ein Renaissance-Kaufmann auf Reisen, Göttingen 2012

Prof. Dr. Wolfram Drews

081713 Einführungsvorlesung: Mittelalterliche Geschichte

Di., 14-16, Raum: H 4 (Schlossplatz 46); Beginn: 14.04.2015
Die Vorlesung bietet einen Überblick über die Geschichte des mittelalterlichen Jahrtausends von der Spätantike bis zur beginnenden Renaissancezeit. Ausgehend von einer Problematisierung von Versuchen, Beginn und Ende des Mittelalters zu datieren, werden Grundzüge der Forschungsgeschichte überblicksartig vorgestellt. Thematisiert werden nicht nur Grundzüge der Geschichte des lateinischen Europa, sondern ebenso auch Grundlinien der Entwicklung des Byzantinischen Reiches, des Islams und des Judentums, sowohl im sephardischen als auch im aschkenasischen Bereich. Bei der Gegenüberstellung der Geschichten von  lateinischem und griechischem Christentum sowie von unterschiedlichen jüdischen und islamischen Gemeinschaften werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede verständlich gemacht; darüber hinaus werden
Phänomene der Interaktion, der Verflechtung und der Hybridisierung der „Kulturen“ thematisiert, die in jüngerer Zeit verstärkt die Aufmerksamkeit der Forschung erregt haben. Die Vorlesung stellt wesentliche Etappen der
Geschichte unterschiedlicher „Zivilisationen“ oder „Kulturen“ im mittelalterlichen Europa sowie im – geographisch weit gefaßten – Mittelmeergebiet vor, vermittelt einen Überblick über einige grundlegende Perioden der Forschungsgeschichte und thematisiert darüber hinaus ausgewählte Phänomene von Kontinuität und Wandel zwischen Spätantike undFrüher Neuzeit auf den Gebieten der Verfassungs-, Rechts-, Sozial-, Religions- und Kulturgeschichte.
Literaturempfehlungen: Borgolte, Michael, Christen, Juden, Muselmanen. Die Erben der Antike und der Aufstieg des Abendlandes 300 bis 1400 n. Chr., München 2006; Mitterauer, Michael, Warum Europa? Mittelalterliche Grundlagen eines Sonderwegs, München 2003.

Prof. Dr. Wolfram Drews

081838 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte:
Bernhard von Clairvaux - Zisterzienser, Prediger, Kirchenpolitiker

Mi., 10-14, Raum: F 33 (F-Haus); Beginn: 08.04.2015
Bernhard war einer der bedeutendsten Intellektuellen und Kirchenpolitiker des 12. Jahrhunderts; manchen gilt er als der eigentliche Begründer des Zisterzienserordens, des ersten Mönchsordens im strikten Sinne, der im lateinischen Mittelalter entstand. Das Proseminar behandelt den sozialen, politischen und kirchengeschichtlichen Hintergrund des Wirkens Bernhards; das Augenmerk liegt dabei u.a. auf seiner Rolle im entstehenden Zisterzienserorden sowie auf seinem Engagement gegen vermeintliche Häretiker sowie als Kreuzzugsprediger und als Förderer der Entstehung des Templerordens. Zeit seines Lebens war Bernhard in Auseinandersetzungen verwickelt, sei es mit dem bedeutenden Philosophen Abälard, sein es mit dem abtrünnigen Mönch Radulf, der im Rheinland zur Judenverfolgung aufrief. Doch Bernhard war auch geschätzter Briefpartner und Berater, etwa seines vormaligen Schülers, Papst Eugens III. Berühmtheit erlangte er nicht zuletzt auch als Bibelexeget und
als Vertreter einer Spielart mystischer Gotteserkenntnis. Anhand der Beschäftigung mit Bernhard von Clairvaux lassen sich verschiedene Teilbereiche der mittelalterlichen Gesellschaft exemplarisch darstellen und in ihrer gegenseitigen Bedingtheit verstehen.
Literaturempfehlungen: Bulst-Thiele, Marie Luise, The Influence of St. Bernard of Clairvaux on the Formation of the Order of the Knights Templar, in: Michael Gervers (ed.), The Second Crusade and the Cistercians, New York 1992, 57-65; Dinzelbacher, Peter, Bernhard von Clairvaux. Leben und Werk des berühmtesten Zisterziensers, Darmstadt 2012; Evans, Gillian R., Bernard of Clairvaux (Great Medieval Thinkers), Oxford 2000;
Fleckenstein, Josef, Die Rechtfertigung der geistlichen Ritterorden nach der Schrift De laude novae militiae
Bernhards von Clairvaux, in: id., Ordnungen und formende Kräfte des Mittelalters, Göttingen 1989, 377-392;
Köpf, Ulrich, Bernhard von Clairvaux. Monastische Theologie, in: id. (ed.), Theologen des Mittelalters. Eine Einführung, Darmstadt 2002, 79-95.


dr. christian scholl

081819 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte:
Globalisierung im Mittelalter/ Introduction to Medieval Studies: Globalization in the Middle Ages

Mo., 14-18, Raum: F 33 (F-Haus); Beginn: 13.04.2015
Gerade im öffentlichen Bewusstsein Westeuropas herrscht nach wie vor die Auffassung vor, dass die Verflechtung der Welt, die heute im Allgemeinen als „Globalisierung“ bezeichnet wird, monodirektional vom europäischen Kontinent ausging und erst durch die Entdeckungsfahrten eines Christoph Kolumbus und anderer Europäer in der Neuzeit ermöglicht worden sei. Im Mittelalter dagegen hätten die Menschen auf den einzelnen Kontinenten nahezu völlig isoliert voneinander gelebt. Wenn überhaupt, dann seien sie in Form von Kriegen wie den Kreuzzügen oder den „Mongolenstürmen“ mit den Einwohnern anderer Kontinente in Kontakt gekommen. Dieser Sichtweise möchte das Proseminar entgegenwirken, indem es anhand verschiedener Bereiche
(Reisen, Verkehr, Handel, Religion, Wissens- bzw. Technologietransfer etc.) herausstellt, dass gerade die drei Kontinente Europa, Asien und Afrika bereits im Mittelalter auf vielfältige Art und Weise miteinander verknüpft waren. Vor dem Hintergrund dieser Thematik gibt der propädeutische Teil des Proseminars einen Einblick in
die Arbeitsweisen, Hilfsmittel und Methoden des Fachs Mittelalterliche Geschichte. Als Leistungsnachweise sind neben regelmäßiger und aktiver Teilnahme die Beteiligung an einer Stundengestaltung, eine Abschlussklausur und eine Hausarbeit erforderlich.
Literatur: Jerry H. Bentley, Old World Encounters. Cross-Cultural Contacts and Exchanges in Pre-Modern Times, New York 1993; Wolfram Drews, Transkulturelle Perspektiven in der mittelalterlichen Historiographie. Zur  Diskussion welt- und globalgeschichtlicher Entwürfe in der aktuellen Geschichtswissenschaft, in: Historische Zeitschrift 292 (2010), S. 31-59; Thomas Ertl, Seide, Pfeffer und Kanonen. Globalisierung im Mittelalter (Geschichte erzählt), Darmstadt 2008; Thomas Ertl/Michael Limberger (Hg.), Die Welt 1250-1500 (Globalgeschichte. Die Welt 1000-2000), Wien 2009; Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter, Stuttgart 4 2014; Martina Hartmann, Mittelalterliche Geschichte studieren, Konstanz 3 2011.


torben gebhardt, m.a.

082270 Übung: 1066: Die normannische Eroberung Englands

Mo., 12-14, Raum: F 042 (F-Haus); Beginn: 13.04.2015
Selten sind Epochengrenzen so klar umrissen wie bei Englands Wechsel vom Früh- ins Hochmittelalter. 1066 eroberte der normannische Herzog Wilhelm, später „der Eroberer“ genannt, das englische Königreich und bereitete damit der angelsächsischen Herrschaft endgültig ein Ende. Nicht nur wurde bei dem Herrscherwechsel die englische Elite gegen normannische Adlige ausgetauscht, mit dem Domesday Book wurde noch in der Zeit Wilhelm des Eroberers auch ein beispielloses Werk über die Eigentumsverhältnisse im Königreich geschaffen. Die Übung setzt bereits vor dem „epochalen“ Jahr an und hat zum Ziel die Umstände der Eroberung zu beleuchten, bevor dann die Ereignisse des Jahres 1066 und die Auswirkungen in den folgenden Jahren in den Fokus
gerückt werden. Gute Fähigkeiten in Englisch sind eine Voraussetzung um die Texte in dieser Übung
verstehen und bearbeiten zu können. Studierende müssen sich vor Beginn der Veranstaltung per E-Mail  anmelden (torben.gebhardt@uni-muenster.de). Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt.
Einführende Literatur: Garnett, George: The Norman Conquest: A Very Short Introduction (A Very Short Introductions 216), Oxford 2010. Thomas, Hugh M.: The Norman Conquest. England after William the Conqueror, Lanham, Md. 2008.



Lehrveranstaltungen im wintersemester 2014/15

Hier finden Sie die kommentierten Veranstaltungshinweise von Herrn Prof. Dr. Wolfram Drews, Herrn Dr. Christian Scholl, Herrn Torben Gebhardt und Herrn Jan Clauß.

Prof. Dr. Wolfram Drews

082271 Lektüreübung: Karolingische Herrscherbiographien

Mo., 16-18, Raum: Übungsraum IStG (Königsstr. 46); Beginn: 06.10.2014
Mehrere Jahrzehnte nach Etablierung des karolingischen Großreiches begannen einzelne Autoren, nach spätantikem Vorbild Herrscherbiographien zu verfassen, in denen sie zum einen bestimmte Herrscher priesen, zum anderen jedoch auch auf subtile Weise Kritik an anderen Machthabern zum Ausdruck bringen konnten. Das bekannteste Werk ist sicherlich Einhards Vita Karoli Magni, doch auch die zwei Lebensbeschreibungen seines Sohnes, Ludwigs des Frommen, verfaßt vom sogenannten Astronomus sowie von Thegan, sind in diesem Zusammenhang zu nennen. In der Übung werden ausgewählte Kapitel aus den Texten gelesen, kontextualisiert und miteinander verglichen.
Literatur: Matthias M. Tischler, Einharts Vita Karoli. Studien zur Entstehung, Überlieferung und Rezeption (MGH Schriften 48/1-2), Hannover 2001; Ernst Tremp, Studien zu den Gesta Hludowici imperatoris des Trierer Chorbischofs Thegan (MGH Schriften 32), Hannover 1988.

Prof. Dr. Wolfram Drews

082047 Hauptseminar: Die frühmittelalterlichen Barbarenreiche: "Völkerwanderung", "Untergang Roms" oder "Transformation der römischen Welt"?

Di., 14-16, Raum: F 3 (F-Haus); Beginn: 07.10.2014
Populäre Geschichtsbilder assoziieren das „Ende der Antike“ häufig noch immer mit der sogenannten
Völkerwanderung („age of migrations“) oder mit dem vermeintlichen Untergang des Römischen Reiches. Modernere Interpretationen sprechen allerdings eher von der Transformation der römischen Welt, aber auch von der Spätantike oder dem Frühmittelalter als einer eigenen, spezifisch charakterisierten historischen Epoche. Das Seminar behandelt sowohl einige grundlegende Etappen der Forschungsgeschichte seit dem 18. Jahrhundert als auch die wichtigsten Barbarenreiche, die auf römischem Gebiet gegründet wurden und mit der provinzialrömischen Bevölkerungen auf dem jeweiligen eigenen Territorium, aber auch mit dem fortbestehenden byzantinischen Reich in widerspruchsreichen Wechselbeziehungen standen, die mit den modernen Begriffen Inklusion und Exklusion, Akkulturation, Verflechtung, Hybridität und Migration bezeichnet werden können. Das Seminar wird zeigen, welchen Sinn die Anwendung moderner Terminologie auf die Epoche des Frühmittelalters haben kann.
Literatur: Peter Heather, Invasion der Barbaren. Die Entstehung Europas im ersten Jahrtausend nach
Christus, Darmstadt 2011; Hans-Werner Goetz (ed.), Regna and gentes. The relationship between
late antique and early medieval peoples and kingdoms in the transformation of the Roman world
(The transformation of the Roman world 13), Leiden 2003; Richard Corradini (ed.), The construction
of communities in the early Middle Ages . Texts, resources and artefacts (The transformation of the
Roman world 12), Leiden 2003

Prof. Dr. Wolfram Drews

081916 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Isabella und Ferdinand: Das Zeitalter der "Katholischen Könige" im spätmittelalterlichen Spanien

Mi., 10-14, Raum: F 33 (F-Haus); Beginn: 15.10.2014
Die Eheleute Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragón, in der Geschichte meist mit dem ihnen
1496 verliehenen Titel „Katholische Könige“ bezeichnet, regierten in einer Umbruchszeit, die mit
dem angeblichen Beginn eines „einheitlichen“, „national“ geeinten Spaniens, mit der Errichtung
eines „modernen“ Staates, mit dem Übergang von „Reconquista“ zu Conquista, aber auch mit dem
Ende des multikulturell geprägten Spaniens des Mittelalters in Verbindung gebracht wird. Unabhängig davon, ob die Verwendung dieser Begriffe sinnvoll ist, wird man konstatieren können, daß in dieser Umbruchszeit zahlreiche Weichenstellungen erfolgten, die für die weitere Geschichte Spaniens, Europas und Amerikas von nicht zu unterschätzender Bedeutung waren. Als einschneidende Ereignisse seien hier nur die Errichtung der monarchischen Inquisition, die Vertreibung der Juden, die Eroberung des letzten islamischen Reiches auf der Iberischen Halbinsel, die Zwangsbekehrung der Muslime Kastiliens und die „Entdeckung“ Amerikas genannt. Das Seminar problematisiert die angesprochenen Politikbereiche sowie ausgewählte Aspekte des kulturellen Lebens und fragt danach, welche mittelalterlichen und neuzeitlichen Züge die spanische Gesellschaft in der Regierungszeit der Katholischen Könige aufwies.
Literatur: Miguel Angel Ladero Quesada, .Das Spanien der katholischen Könige. Ferdinand von Aragon und Isabella von Kastilien, 1469–1516, Innsbruck 1992; Joseph Pérez, Ferdinand und Isabella. Spanien zur Zeit der katholischen Könige, München 1989; Klaus Herbers, „Das kommt mir spanisch vor“ Zum Spanienbild von Reisenden aus Nürnberg und dem Reich an der Schwelle zur Neuzeit, in: „Das kommt mir spanisch vor“– Eigenes und Fremdes in den deutsch-spanischen Beziehungen des späten Mittelalters, ed. Klaus Herbers / Nikolas Jaspert, Münster 2004, 1-30; Klaus Herbers, Pilgerfahrten und Nürnberger Pilger auf der Iberischen Halbinsel in der Zeit um 1500, in: Pirckheimer Jahrbuch für Renaissance-und Humanismusforschung 17 (2002), 53-78; Henry Kamen, Die spanische Inquisition, München 1967; ders., The Spanish Inquisition. A Historical Revision. New Haven 1997.


Dr. Christian Scholl

081897 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte:
Häresie und Inquisition im Mittelalter

Mo., 14-18, Raum: F 153 (F-Haus); Beginn: 13.10.2014
Seit den ersten Jahrhunderten seines Bestehens hatte sich das Christentum mit Ansichten und Bewegungen auseinanderzusetzen, die von der „offiziell“ vertretenen Lehrmeinung abwichen. Das
Proseminar beschäftigt sich mit diesen Gruppen von den spätantiken Donatisten und Arianern über
die hochmittelalterlichen Waldenser und Katharer bis zu den spätmittelalterlichen Hussiten. Dabei
wird den Fragen nachgegangen, unter welchen Voraussetzungen diese Bewegungen entstanden und
warum sie von „der Kirche“ als „häretisch“ eingestuft und bekämpft wurden. In diesem Zusammenhang liegt ein weiterer Schwerpunkt des Seminars auf der unter Papst Gregor IX. (1227-1241) eingerichteten Inquisition, die gegen Häretiker und ihre Anhänger vorgehen sollte. Vor dem Hintergrund dieser Thematik gibt der propädeutische Teil des Proseminars einen Einblick in die Arbeitsweisen, Hilfsmittel und Methoden des Fachs Mittelalterliche Geschichte. Als Leistungsnachweise sind neben regelmäßiger und aktiver Teilnahme die Beteiligung an einer Stundengestaltung, eine Abschlussklausur und eine Hausarbeit erforderlich. Bitte beachten: Im Rahmen des Seminars wird eine Exkursion angeboten. Der Termin wird mit den Studierenden vereinbart.
Literatur: Arnold Angenendt, Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert, Münster 2006; Christoph Auffarth, Die Ketzer. Katharer, Waldenser und andere religiöse Bewegungen, München 2005; Herbert Grundmann, Religiöse Bewegungen im Mittelalter, Berlin 1935; Malcolm Lambert, Häresie im Mittelalter. Von den Katharern bis zu den Hussiten, Darmstadt 2001; Jörg Oberste, Ketzerei und Inquisition im Mittelalter, Darmstadt 2007; Gerd Schwerhoff, Die Inquisition. Ketzerverfolgung in Mittelalter und Neuzeit, München 2004; Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter, Stuttgart ³2006; Martina Hartmann, Mittelalterliche Geschichte studieren, Konstanz 32011.


Torben gebhardt, m.a.

082927 Lektüreübung: Altenglische Quellen der christlichen Literatur

Fr., 12-14, Raum: F 153 (F-Haus); Beginn: 10.10.2014
Altenglisch ist für eine Vernakularsprache vergleichsweise gut erhalten und zeichnet sich durch ihre relative Nähe zur deutschen Sprache aus. Den überdurchschnittlich großen Korpus verdanken wir vor allem Alfred dem Großen, der weite Teile der christlich lateinischen Literatur ins altenglische übersetzen ließ, um sie einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die Übung hat zum Ziel den Studierenden einen Einstieg in die altenglische Sprache zu vermitteln. Dafür wird zuerst die Sprache selbst in ihren Grundzügen vermittelt, um dann anhand ausgesuchter Beispiele eigene Übersetzungen anzufertigen.
Empfohlene Literatur: Mitchell, Bruce und Fred C. Robinson: A Guide to Old English, 8. Aufl., Oxford 2011. Clark Hall, J.R.: A Concise Anglo-Saxon Dictionary, 4. Aufl., Cambridge 1960. Lapidge, Michael et. al. : The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England Oxford 1999.


jan clauß, m.ED.

082912 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte:
Die Teile und das Ganze - das Reich der Staufer die Staufer und das Reich

Fr., 12-16, Raum: F 042 (F-Haus); Beginn: 17.10.2014
Mit der Dynastie der Staufer bringt man gemeinhin die Namen vermeintlich großer Einzelpersönlichkeiten wie Kaiser Friedrich I. „Barbarossas“ und seinen Enkel Friedrich II. in Verbindung. Ob als Kreuzfahrer, erbitterter Gegner des lombardischen Städtebundes, (wiederholt) exkommunizierte Kontrahenten des Papstes oder als Staunen der Welt als stupor mundi haben die beiden Staufer sowohl unter ihren Zeitgenossen als auch bei späteren Generationen von Historikern bewundernde Anhänger und entschiedene Kritiker gefunden. Die schnell einsetzende Legendenbildung trug dazu bei, dass sie auch heute zu den bekanntesten Herrscherfiguren des (deutschen) Mittelalters gehören. Damit erscheinen die beiden Friedriche gewissermaßen als Fluch und Segen ihres Adelsgeschlechts und ihrer Zeit; einerseits regen sie zur Beschäftigung mit sich und ihrer Lebenswelt an. Gleichzeitig drohen sie den Blick auf die komplexen, dynamischen Konstellationen, in denen sie agierten, zu verstellen. Das Proseminar möchte daher besonders auf die weiteren strukturellen Bedingungsfaktoren staufischen König- und Kaisertums eingehen und damit Gelegenheit bieten, verschiedene politische und kulturelle Horizonte und Handlungsspielräume im ausgehenden Hochmittelalter zu thematisieren. Für den zu thematisierenden Ausschnitt des ausgehenden Hochmittelalters liegt eine große Anzahl von Quellen verschiedener Gattungen vor. Anhand einer thematisch relevanten Auswahl erfolgen im propädeutischen Teil des Seminars Einleitung und Einübung in die für das mediävistische Arbeiten erforderlichen Methoden, Hilfsmittel und -Wissenschaften. Für den Erwerb eines Leistungsnachweises sind regelmäßige und aktive
Teilnahme am Seminar, worunter die Vor- und Nachbereitung der Sitzungen in Form kleinerer (schriftlicher) Hausarbeiten fallen können, erforderlich. Zudem sind als Einzelleistungen Referat, Abschlussklausur und eine Seminararbeit erfolgreich zu absolvieren.
Literatur: Engels, Odilo: Die Staufer, 9. erg. Aufl., Stuttgart 2010. Goez, Werner: Lebensbilder aus dem
Mittelalter. Die Zeit der Ottonen, Salier und Staufer, 3. Aufl., Darmstadt 2010. Keller, Hagen: Zwischen regionaler Begrenzung und universalem Horizont. Deutschland im Imperium der Salier und Staufer 1024 bis 1250, Frankfurt a.M. 1990. Kölzer, Theo (Hrsg.): Die Staufer im Süden. Sizilien und das Reich, Stuttgart 2000.



Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2014

Hier finden Sie die kommentierten Veranstaltungshinweise von Herrn Prof. Dr. Wolfram Drews, Herrn Dr. Christian Scholl und Herrn Torben Gebhardt.

Prof. Dr. Wolfram Drews

081730 Vorlesung: Die Kreuzzüge

Mi., 16-18, Raum: F 4 (F-Haus); Beginn: 09.04.2014
Bis heute werden die Kreuzzüge als einschneidendes Ereignis wahrgenommen, das die Beziehungen zwischen lateinischen Christen auf der einen sowie griechisch-orthodoxen Christen sowie Muslimen auf der anderen Seite belastet. Manchmal werden sie gar als ein frühes Phänomen des europäischen Kolonialismus betrachtet, als Beispiel für die europäische Expansion oder als Beleg für die Herausbildung einer „Verfolgungsgesellschaft“ (persecuting society). Die Vorlesung ordnet die Kreuzzüge in die  hochmittelalterliche Religions- und Sozialgeschichte ein und analysiert die Voraussetzungen, die zur Entstehung des „Kreuzzugsgedankens“ führten. Ein Akzent liegt auf der Veränderung der Beziehungen von Christen zu Juden und Muslimen während des Hochmittelalters.
Literatur: C. Erdmann, Die Entstehung des Kreuzugsgedankens (Forschungen zur Kirchen- und Geistesgeschichte 6), Stuttgart 1935, ND Darmstadt 1965; N. Jaspert, Die Kreuzzüge, Darmstadt
2003; A. Haverkamp (ed.), Juden und Christen zur Zeit der Kreuzzüge (Vorträge und Forschungen 47), Sigmaringen 1999; J. Cohen, Sanctifying the Name of God. Jewish Martyrs and Jewish Memories of the First Crusade, Philadelphia 2004; P. J. Cole, The Preaching of the Crusades to the Holy Land. 1095-1270, Cambridge/Mass. 1991

Prof. Dr. Wolfram Drews

081999 Hauptseminar: Die Karolinger, der Mittelmeerraum und die islamische Welt

Di., 14-16, Raum: F 102 (F-Haus); Beginn: 08.04.2014
Schon der erste karolingische König Pippin hatte sporadisch Kontakt zur byzantinischen und islamischen Welt. Diese Verbindungen intensivierten sich unter Karl dem Großen ganz erheblich: Dieser baute nicht nur seine Beziehungen zum römischen Papsttum aus, sondern er rivalisierte auch mit dem byzantinischen Kaisertum, gegenüber dessen Exponenten er nach Gleichrangigkeit strebte. Von besonderem Interesse sind nicht zuletzt seine Gesandtschaften an den Hof des Kalifen von Bagdad und zum christlichen Patriarchen von Jerusalem. Bei diesen Kontakten in den Orient stand nicht etwa der berühmte Elefant im Zentrum des Interesses, den Karl vom Kalifen Harun al-Raschid als Geschenk erhielt, sondern Karls Anspruch auf Schutzherrschaft über alle rechtgläubigen Christen im Heiligen Land, dem Ursprungsgebiet des Christentums: Fränkische Königsboten erstellten dementsprechend im Auftrag des Kaisers eine Bestandsaufnahme des gesamten Besitzes der Kirchen im Heiligen Land. Das Hauptseminar analysiert die Beziehungen Karls zum römischen Papsttum, zu byzantinischen und nahöstlichen Christen sowie zu Muslimen im Osten sowie im Westen der Mittelmeerwelt und fragt nach deren Bedeutung für seine Herrschaftskonzeption und sein Selbstverständnis. Einbezogen wird auch die Wirkungsgeschichte dieser Kontakte: Die Rolle Karls bei der Öffnung des Pilgerwegs nach Santiago de Compostela, die Legende von seinem Kreuzzug ins Heilige Land sowie ausgewählte literarische Karlstraditionen, die sich etwa in den Legenden um Roland und die Schlacht in den Pyrenäen niedergeschlagen haben.
Literatur: P. Classen, Karl der Große, das Papsttum und Byzanz. Die Begründung des karolingischen Kaisertums (Beiträge zur Geschichte und Quellenkunde des Mittelalters 9), Sigmaringen 1965,
2 1988; M. Borgolte, Der Gesandtenaustausch der Karolinger mit den Abbasiden und mit den Patriarchen von Jerusalem (Münchner Beiträge zur Mediävistik und Renaissance-Forschung 25), München 1976; M. McCormick, Charlemagne’s Survey 26f the Holy Land. Wealth, Personnel, and Buidlings of a Mediterranean Church between Antiquity and the Middle Ages, Washington 2011; H. G. Thümmel, Karl der Große, Byzanz und Rom. Eine Positionsbestimmung am Beispiel des Bilderstreits, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 120 (2009), 58-70; W. Berschin, Die Ost-West-Gesandtschaften am Hof Karls des Großen und Ludwigs des Frommen (768-840), in: Karl der Große und sein Nachwirken. 1200 Jahre Kultur und Wissenschaft in Europa, ed. Paul Leo Butzer / Max Kerner / Walter Oberschelp, Turnhout 1997, I, 157-172

Prof. Dr. Wolfram Drews / Prof. dr. johannes hahn

081491 Hauptseminar: Juden und Judentum in Spätantike und Frühmittelalter

Mi., 10-12, Raum: F 234 (F-Haus, Klassische Philologie); Beginn: 09.04.2014
Das im Römischen Reich privilegierte und blühende Judentum musste sich als religiöse und soziale Gemeinschaft in Spätantike und Frühmittelalter, angesichts des Triumphes zunächst des Christentums, später auch des Islam, und zugleich vor dem Hintergrund einer politisch und kulturell zerbrechenden Mittelmeerwelt unter immer schwieriger werdenden äußeren Rahmenbedingungen behaupten. Zugleich entstand mit den Hauptwerken Mischna und Talmud der rabbinische Kanon, der die jüdische Identität fortan nachhaltig prägen sollte. Das Seminar wird die religiösen, politischen, sozialen und ökonomischen Entwicklungen und Kräfte in den Blick nehmen, welche die Geschichte des Judentums in dieser Epoche bestimmten und tief in Mittelalter und Neuzeit hinein reichende Wirkungen zur Folge haben sollten. Teilnahmevoraussetzung: Ausreichende Grundkenntnisse des Lateinischen
Literatur: G. Stemberger, Juden und Christen im Heiligen Land. Palästina unter Konstantin und Theodosius. München 1987; T.S. Katz (ed.), The Late Roman-Rabbinic Period (The Cambridge History of Judaism IV), Cambridge 2006; W. Drews, The Unknown Neighbour. The Jew in the Thought of Isidore of Seville (The Medieval Mediterranean 59), Leiden/Boston 2006; M.R. Cohen, Unter Kreuz und Halbmond. Die Juden im Mittelalter, München 2005 (orig. engl. 1994); J. Heil, „Deep enmity“ and/or „Close ties“? Jews and Christians before 1096: Sources, Hermeneutics, and Writing History in1996, Jewish Studies Quarterly 9 (2002), 259-306; ders., Kompilation oder Konstruktion? Die Juden in den Pauluskommentaren des 9. Jahrhunderts (Forschungen zur Geschichte der Juden A 6), Hannover 1998; M. Toch, „Dunkle Jahrhunderte“. Gab es ein jüdisches Frühmittelalter? (Kleine Schriften des Arye-Maimon-Instituts 4), Trier 2001; ders., The Economic History of European Jews. Late Antiquity and Early Middle Ages (Etudes sur le Judaïsme Médiéval 56), Leiden/Boston 2013

Prof. Dr. Wolfram Drews / jan clauss, m.ed.

082904 Übung: Exkursion nach Spanien: Der Jakobsweg, Europas Weg nach Spanien - oder Spaniens Weg nach Europa?

1. Vorbesprechung: Di., 15.04.2014, 16-18, Raum: S 6 (Schloss) / 2. Vorbesprechung: Di., 29.04.2014, 16-18, Raum: S 062 (Schloss); Exkursion nach Nordspanien: 07.06. - 20.06.2014
In der Zeit vom 07.06. bis 20.06.2014 findet eine Exkursion per Bus nach Nordspanien statt. Der Camino de Santiago fasziniert nicht nur Menschen der heutigen Zeit, wie der Erfolg von Hape Kerkelings "Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg" und andere Zeugnisse moderner Popkultur zeigen. Das (vermeintliche) Apostelgrab im galicischen Santiago de Compostela war neben Jerusalem und Rom eines der drei wichtigsten Pilgerziele im europäischen Mittelalter. Im Zuge der Selbstbehauptung des asturischen Königreichs einerseits gegenüber den kirchenpolitischen Bestrebungen des im islamischen Spanien gelegenen alten kirchlichen  Zentrums Toledo sowie andererseits gegenüber dem expandierenden Karolingerreich erfand man sehr geschickt eine eigene „apostolische“ Tradition, die geeignet war, die politische und kirchliche Unabhängigkeit unter Beweis
zu stellen bzw. zu untermauern. Im Zuge der Exkursion werden wesentliche Stationen auf dem Pilgerweg (camino francés) in Frankreich, vor allem aber in Nordspanien besucht (voraussichtliche Reiseroute: Tours, Saint-Jean-Pied-de-Port, Logroño, Burgos, León, Ponferrada, Lugo, Santiago de Compostela, Oviedo, Bilbao, Poitiers). Neben der mittelalterlichen werden auch einige wichtige Aspekte der neuzeitlichen Geschichte in den Blick genommen; voraussichtlich wird auch ein Besuch bei einer spanischen Partneruniversität auf dem Programm stehen. Um verbindliche Anmeldung bis zum Beginn des Sommersemesters wird gebeten; vor Exkursionsbeginn finden zur Klärung organisatorischer und inhaltlicher Details zwei Vorbesprechungen statt.
Im Rahmen der Exkursion besteht die Möglichkeit, an ausgewählten Stationen vor Ort Dokumentationen und Interviews zu drehen, die anschließend im Rahmen einer kleineren Ausstellung in Münster präsentiert und/oder in geeigneter Form ins Netz gestellt werden können, um ausgewählte Ergebnisse festzuhalten.
Literatur: K. Herbers, Apostelgrab im Westen Europas. Die großen Pilgerziele: Santiago de Compostela, in: Pilgerwege im Mittelalter, ed. K. Herbers u.a., Stuttgart 2005, 75-100; ders., Karl der Große und Santiago. Zwei europäische Mythen, in: ders (ed.), Jakobus und Karl der Große. Von Einhards Karlsvita zum Pseudo-Turpin (Jakobus-Studien 14), Tübingen 2003, 173-194


dr. christian scholl

081821 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte:
Karl der Große und seine Zeit

Mo., 14-18, Raum: F 102 (F-Haus); Beginn: 07.04.2014
Im Jahr 2014 jährt sich der Todestag Karls des Großen zum zwölfhundertsten Mal. Karl ist ohne Zweifel einer der bekanntesten Herrscher des Mittelalters. So gilt er heute nicht nur gleich zwei Nationen als vermeintlicher Stammvater – die Franzosen verehren ihn als Charlemagne, in Deutschland trägt er den Beinamen „der Große“ –, sondern er wird auch als Gründer bzw. Vater Europas gesehen, was in der jährlichen Verleihung des Karlspreises zum Ausdruck kommt. Unter Karls Herrschaft (768-814) führten die Franken eine Reihe von blutigen Kriegen gegen ihre Nachbarn, darunter die Sachsen und die Langobarden, und schufen sich auf diese Weise ein Großreich, dem weite Teile Mittel- und Westeuropas angehörten. Neben seinen Kriegen und der an Weihnachten 800 erfolgten Kaiserkrönung, die die Erneuerung des römischen Kaisertums bedeutete, ist Karl außerdem für eine Reihe von Reformen bekannt geworden, die etwa im Bereich der Bildung oder des Kirchenwesens weit über das Mittelalter hinaus wirkten. Der inhaltliche Teil des Proseminar befasst sich mit dem Leben und Wirken Karls, geht darüber hinaus aber auch auf die weiteren Strukturen und die Geschichte des Frankenreichs ein. Vor dem Hintergrund dieser Thematik gibt der propädeutische Teil des Proseminars einen Einblick in die Arbeitsweisen, Hilfsmittel und Methoden des Fachs Mittelalterliche Geschichte. Als Leistungsnachweise sind neben regelmäßiger und aktiver Teilnahme die Beteiligung an einer Stundengestaltung, eine Abschlussklausur und eine Hausarbeit erforderlich.
Im Rahmen des Proseminars wird eine Exkursion zur Ausstellung „Karl der Große. Charlemagne“ in Aachen (20.06.-21.09.2014) angeboten. Der Termin wird in Abstimmung mit den Studierenden
vereinbart.
Literatur: Matthias Becher, Karl der Große, München 5 2007; Matthias Becher, Merowinger und Karolinger, Darmstadt 2009; Johannes Fried, Karl der Große. Gewalt und Glaube, München 2013; Wilfried Hartmann, Karl der Große, Stuttgart 2010; Stefan Weinfurter, Karl der Große. Der heilige Barbar, München 2013; Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter, Stuttgart ³2006; Martina Hartmann, Mittelalterliche Geschichte studieren, Konstanz 3 2011.


torben gebhardt, m.a.

081817 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte:
Verwandtschaft im Mittelalter

Fr., 12-16, Raum: F 102 (F-Haus); Beginn: 11.04.2014
Blut ist dicker als Wasser. Eine Aussage die wohl mit kaum einer anderen Epoche so verbunden wird, wie mit dem Mittelalter. Aber wenn das Mittelalter wirklich so viel Wert auf Verwandtschaft legte, warum sperrten die merowingischen Könige viele ihrer Verwandten mit geschorenen Haaren in Klöster? Oder warum entzog die Kaiserin Gisela ihrem Sohn Ernst jeglichen Schutz als dieser im Konflikt mit Kaiser Konrad II. stand? Mittelalterliche Verwandtschaftsgeflechte sind komplizierter als es auf den ersten Blick den Anschein macht. Das beginnt mit der Frage was im Mittelalter überhaupt „Verwandtschaft“ bedeutete und berührt unter anderem Felder der Herrschaft, Ehe und Religion. Das Proseminar soll Studierenden einen Einblick darin geben was Verwandtschaft im Mittelalter bedeutete und den Blick dafür schärfen, dass moderne Konzepte nicht ohne weiteres auf das Mittelalter übertragbar sind. Dafür werden neben historischen auch literarische Quellen herangezogen. Des Weiteren werden den Studierenden die methodischen Grundzüge der Mediävistik vermittelt.
Einführende Literatur: Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue. Zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im frühen Mittelalter, Darmstadt 1990. Lubich, Gerhard: Verwandtsein
(Europäische Geschichtsdarstellung 16), Köln 2008. Mitterauer, Michael: Mittelalter, in: Andreas Gestrich, Jens-Uwe Krause und Michael Mitterauer (Hrsg.): Geschichte der Familie, Stuttgart 2003, S. 160 – 363.



Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2013/14

Hier finden Sie die kommentierten Veranstaltungshinweise von Herrn Prof. Dr. Wolfram Drews, Herrn Jan Clauß, Herrn Torben Gebhardt und Herrn Dr. Christian Scholl.

Prof. Dr. Wolfram Drews

081823 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Politische Theorien im Mittelalter

Mi., 14-18, Raum: F 102 (F-Haus); Beginn: 23.10.2013
Das Seminar behandelt die Frage, wie sich Menschen des Mittelalters in Abhängigkeit von den sich wandelnden politischen und gesellschaftlichen Bedingungen die Ordnung des Gemeinwesens vorstellten. War die politische Ordnung „naturgegeben“, oder war sie von einer übergeordneten religiösen Instanz geregelt worden? Wer sollte an der Spitze des Gemeinwesens stehen, oder konnte es auch mehrere solcher Spitzen geben? War die politische Ordnung hierarchisch gegliedert, oder gab es konkurrierend hierzu auch Vorstellungen von einer Volkssouveränität? Das Seminar richtet sie Aufmerksamkeit vornehmlich auf die lateinisch-christliche Welt, berücksichtigt vergleichend aber auch die Entwicklung politischer Ordnungsvorstellungen im islamischen Kalifat.
Literatur: Canning, Joseph, A History of Medieval Political Thought 300-1450, London/New York 1996. Crone, Patricia, Medieval Islamic Political Thought 650-1250, Edinburgh 2004. Kaufhold, Martin (ed.), Politische Reflexion in der Welt des späten Mittelalters. Political Thought in the Age of Scholasticism. Essays in honour of Jürgen Miethke (Studies in Medieval and Reformation Traditions: History, Culture, Religion, Ideas 103), Leiden 2004. Miethke, Jürgen, Politische Theorien im Mittelalter, in: Hans-Joachim Lieber (ed.), Politische Theorien von der Antike bis zur Gegenwart (Studien zur Geschichte und Politik 299), Wiesbaden 1991, 47-156.

Prof. Dr. Wolfram Drews

082030 Kurs: Religion im Mittelalter

Mi., 10-12, Raum: F 104 (F-Haus); Beginn: 16.10.2013
Religion war eine grundlegende Kategorie, die das Leben der Menschen im Mittelalter maßgeblich bestimmte. Aus diesem Grund lebten Menschen in dieser Zeit nach eigener Vorstellung nicht in „Europa“, sondern in der „Christenheit“, woraus sich–nicht nur aus heutiger Sicht–die Frage ergibt, welchen Platz nichtchristliche Nachbarn in einer solcherart konzeptualisierten Gemeinschaft haben konnten. Der Kurs behandelt zunächst Grundzüge der Religionsgeschichte der drei monotheistischen Weltreligionen, die das mittelalterliche Europa prägten, und wendet sich dann systematisch Strukturen und Institutionen, Glaubenslehre und Glaubenspraxis, dem Zusammenhang von Religion, Politik und Gesellschaft sowie abschließend der komplexen Problematik von Interaktion und Konflikten zu.
Literatur: Angenendt, Arnold, Geschichte der Religiosität im Mittelalter, Darmstadt 1997. Angenendt, Arnold, Grundformen der Frömmigkeit im Mittelalter (Enzyklopädie deutscher Geschichte 68), München 2003. Berkey, Jonathan P., The Formation of Islam. Religion and Society in the Near East 600–1800, Cambridge 2003. Cohen, Jeremy, Living Letters of the Law. Ideas of the Jew in Medieval Christianity, Berkeley/Los Angeles/London 1999. Lewis, Bernard/Friedrich Niewöhner (eds.), Religionsgespräche im Mittelalter (Wolfenbütteler Mittelalter-Studien 4), Wiesbaden 1992. Maier, Johann, Jüdische Geschichte in Daten (Beck'sche Reihe 1653), München 2005. Nagel, Tilman, Die islamische Welt bis 1500 (Oldenbourg-Grundriss der Geschichte 24), München 1998. Schreiner, Klaus (ed.), Frömmigkeit im Mittelalter. Politisch-soziale Kontexte, visuelle Praxis, körperliche Ausdrucksformen, München 2002. Stemberger, Günter, Das klassische Judentum. Kultur und Geschichte der rabbinischen Zeit (Beck'sche Reihe 1904), München 2009.

Prof. Dr. Wolfram Drews

082098 Hauptseminar: Religiöse Vielfalt im mittelalterlichen Spanien

Do., 10-12, Raum: F 33 (F-Haus); Beginn: 17.10.2013
In der Mitte des 20. Jahrhunderts entstand der Mythos vom vermeintlichen goldenen Zeitalter im mittelalterlichen Spanien, als Vertreter der drei monotheistischen Weltreligionen, also Juden, Christen und Muslime, in friedlichem Nebeneinander zusammengelebt hätten (convivencia). In der jüngeren Forschung ist dieses etwas einseitige Bild korrigiert worden, indem einerseits auf die tatsächlich nicht so seltenen Konflikte und andererseits auf die ideologischen Voraussetzungen und Implikationen dieser spezifischen Interpretation der spanischen Geschichte verwiesen wurde. Das Seminar behandelt ausgewählte Problemkonstellationen aus der mittelalterlichen spanischen Geschichte seit der westgotischen Spätantike und richtet das Augenmerk insbesondere auf das Verhältnis zwischen unterschiedlichen ethnischen und religiösen Gruppen sowie auf ihre jeweilige Bedeutung für die Konstruktion einer kohärenten Erzählung von einer „spanischen“ Geschichte. Während des Sommersemesters 2014 wird voraussichtlich eine Exkursion nach Mittel- und Nordspanien durchgeführt. Der Besuch des Hauptseminars stellt keine notwendige Vorbedingung für die Teilnahme an dieser Exkursion dar, kann aber doch zur Vorbereitung genutzt werden.
Literatur: Deimann, Wiebke, Christen, Juden und Muslime im mittelalterlichen Sevilla. Religiöse Minderheiten unter muslimischer und christlicher Dominanz (12. bis 14. Jahrhundert) (Geschichte und Kultur der Iberischen Welt 9), Berlin 2012. Herbers, Klaus, Geschichte Spaniens im Mittelalter. Vom Westgotenreich bis zum Ende des 15. Jahrhunderts, Stuttgart 2006. Maser, Matthias, Die Historia Arabum des Rodrigo Jiménez de Rada. Arabische Traditionen und die Identität der Hispania im 13. Jahrhundert (Geschichte und Kultur der Iberischen Welt 3), Münster 2006. Maser, Matthias (ed.), Die Mozaraber. Definitionen und Perspektiven der Forschung (Geschichte und Kultur der Iberischen Welt 7), Berlin 2011. Vones, Ludwig, Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter (711-1480). 35 Reiche, Kronen, Regionen, Sigmaringen 1993. Walther, Helmut G., Der gescheiterte Dialog. Das ottonische Reich und der Islam, in: Orientalische Kultur und europäisches Mittelalter (Miscellanea Medievalia 17), ed. Albert Zimmermann/Ingrid Craemer-Ruegenberg, Berlin/New York 1985, 20-44. Wasserstein, David J., The Caliphate in the West. An Islamic Political Institution on the Iberian Peninsula, Oxford 1993. Watt, W. Montgomery, A History of Islamic Spain, Edinburgh 1965.


Jan Clauss, m.Ed.

081823 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Wissen und Weisheiten im Frühen und Hohen Mittelalter - Inhalte, Orte und Ressourcen

Mi., 12-16, Raum: F 029 (F-Haus); Beginn: 23.10.2013
Knowledge and Wisdom in the Early and High Middle Ages – Topics, Locations and Resources
Dass das Mittelalter gemeinhin als “finster”, “archaisch” und „rückständig” gilt hängt u.a. mit der Beurteilung der Wissenskultur dieser Epoche zusammen. Besagter Gemeinplatz soll als Ausgangspunkt wahrgenommen werden, um sich im Proseminar mit zentralen Aspekten von „Wissen“ und „Bildung“ auseinanderzusetzen. Der Zugang bezieht sich auf das Früh- und Hochmittelalter, sodass Entwicklungen und Kontinuitäten des Feldes herausgearbeitet werden können. Neben Bildungsinhalten und einem spezifisch mittelalterlichen Bildungsverständnis werden Wissenstransfers und die Frage nach  institutionellen und personalen Trägern von Bildung im Fokus des Seminars stehen. An thematisch relevanten Quellen werden im propädeutischen Teil des Seminars die für die mittelalterliche Geschichtswissenschaft erforderlichen Methoden, Hilfs- Mittel und- Wissenschaften vorgestellt und erprobt. Somit kann durch das Quellenstudium auch Gelegenheit geschaffen werden, um über Epochengrenzen, ihre unterstellten Charakteristika und die Konsequenzen für das historische Arbeiten zu reflektieren. Bedingungen für den Erwerb eines Leistungsnachweises sind regelmäßige und aktive Teilnahme, das Halten eines Referats, sowie das Bestehen der Abschlussklausur und einer Hausarbeit.
Literatur: Angenendt, Arnold: Das Frühmittelalter. Die abendländische Christenheit von 400 bis 900, 2. Aufl., Stuttgart 1990. Goetz, Hans-Werner: Proseminar Geschichte: Mittelalter, 3. Aufl., Stuttgart 2006.  Hartmann, Martina: Mittelalterliche Geschichte studieren, 2. Aufl., Konstanz 2004. Riché, Pierre: Education et culture dans l’Occident médiéval, Aldershot 1993. Steckel, Sita: Kulturen des Lehrens im Früh- und Hochmittelalter Autorität, Wissenskonzepte und Netzwerke von Gelehrten, Köln 2011.


Torben Gebhardt, m.a.

081838 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Wahl - Erbe - Gewalt: Königserhebung im Mittelalter

Di., 10-14, Raum: F 3 (F-Haus); Beginn: 22.10.2013
Es ist ein weit verbreiteter Trugschluss, dass die Königserhebung im Mittelalter durch nicht in Frage  gestellte Erbmonarchien geprägt war. Gerade im Reich dauerte es sehr lange bis sich ein klarer Modus für die Thronerhebung herausgebildet hatte. Dabei wurden Pläne für einer Erbmonarchie vom Adel wehement bekämpft. Am Ende des Proseminars sollen die Studierenden den Entwicklungsprozess der  Königserhebung im Mittelalter kennen, sowie die dafür prägendsten Königswahlen. Im propedeutischen Teil werden den Studierenden außerdem die methodischen Grundzüge der Mediävistik vermittelt.
Literatur: Rogge, Jörg: Die deutschen Könige im Mittelalter–Wahl und Krönung (Geschichte kompakt), Darmstadt 2006. Goetz, Hans-Werner: Proseminar Geschichte: Mittelalter (utb.de Bachelor Bibliothek), Stuttgart 3 2006.


Dr. Christian Scholl

081861 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Intimität im Mittelalter

Di., 14-18, Raum: F 029 (F-Haus); Beginn: 22.10.2013
Intimität (von lateinisch intimus= der innerste/der vertrauteste) bezeichnet verschiedene Formen von Nähebeziehungen. Charakteristisch für intime Beziehungen ist eine emotionale Nähe zwischen den Beteiligten. Ferner sind solche Beziehungen offen für körperliche Nähe und sie können, müssen aber nicht notwendigerweise sexuell konnotiert sein. Dieser, auf Klaus van Eickels zurückgehenden Arbeitsdefinition für Intimität folgend, werden im Seminar verschiedene Formen von Nähebeziehungen im Mittelalter untersucht. So werden Beziehungen innerhalb der Familie, sei es zwischen Verwandten oder Ehepartnern, ebenso in den Blick genommen wie Beziehungen zwischen „Freunden“ oder politischen Herrschern und ihren „Günstlingen“. In diesem Zusammenhang werden außerdem mittelalterliche Konzepte von  Freundschaft, Ehe, Liebe und „Sexualität“ näher betrachtet. Ein letzter Schwerpunkt liegt auf verbotener Intimität, etwa auf geschlechtlichen Beziehungen zwischen Verwandten (Inzest) oder zwischen Männern („Sodomie“). Vor dem Hintergrund dieser Thematik gibt der propädeutische Teil des Proseminars einenEinblick in die Arbeitsweisen, Hilfsmittel und Methoden des Fachs Mittelalterliche Geschichte. Als  Leistungsnachweise sind neben regelmäßiger und aktiver Teilnahme die Beteiligung an einer Stundengestaltung, eine Abschlussklausur und eine Hausarbeit erforderlich.
Literatur: Klaus Oschema, Freundschaft und Nähe im spätmittelalterlichen Burgund. Studien zum Spannungsfeld von Emotion und Institution (Norm und Struktur 26), Köln/Weimar/Wien 2006; Leah Otis-Cour, Lust und Liebe. Geschichte der Paarbeziehungen im Mittelalter, Frankfurt 2000; Karl Ubl, Inzestverbot und Gesetzgebung. Die Konstruktion eines Verbrechens (Millennium-Studien zur Kultur und Geschichte des ersten Jahrtausends n. Chr. 20), Berlin/New York 2008; Jean Verdon, Irdische Lust. Liebe, Sex und Sinnlichkeit im Mittelalter, Darmstadt 2011; Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter, Stuttgart ³2006; Martina Hartmann, Mittelalterliche Geschichte studieren, Konstanz3 2011.



Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2013

Hier finden Sie die kommentierten Veranstaltungshinweise von Herrn Prof. Dr. Wolfram Drews

Prof. Dr. Wolfram Drews

082166 Oberseminar/Masterseminar: Asketische Lebensformen im transkulturellen Vergleich

Mi., 16-18, Raum: F 104 (F-Haus); Beginn: 10.04.2013
Askese ist ein Phänomen religiöser Praxis, das sich in vielen, aber keineswegs allen Kulturen nachweisen läßt. Asketische Lebensformen entwickelten sich unter ganz unterschiedlichen institutionellen Rahmenbedingungen, die wiederum von historisch wandelbaren gesellschaftlichen Voraussetzungen abhängig waren. Das Seminar konzentriert sich im wesentlichen auf die Entstehung und Ausdifferenzierung einerseits des christlichen Mönchtums (in der orientalischen kirchlichen Tradition sowie anschließend in der lateinischen und byzantinischen Kirche) sowie andererseits des islamischen Sufismus (in unterschiedlichen Bruderschaften, aber auch in Wechselwirkung mit Phänomenen wie der futuwwa). Zu Beginn werden die antiken Voraussetzungen in den Blick genommen, wozu einerseits asketische Lebensformen in der vorchristlichen Antike zählen (z. B. Kyniker und Neupythagoräer), andererseits aber auch die jüdischen Essener und Therapeuten (nach den Zeugnissen des Flavius Josephus). Angestrebt wird ein transkultureller Vergleich zwischen unterschiedlichen historischen Ausprägungen asketischer Ideale, der in die Frage münden könnte, ob es sich bei diesen unterschiedlichen historischen Lebensformen überhaupt um Erscheinungsformen ein- und desselben historischen Phänomens handelt, oder ob nicht eher ein christliches Vorverständnis von Askese auf andere kulturelle Traditionen projiziert wird.

Prof. Dr. Wolfram Drews

081912 Hauptseminar: Kulturgeschichte der Karolingerzeit

Do., 10-12, Raum: F 104 (F-Haus); Beginn: 11.04.2013
Anstelle des in der älteren Forschung beliebten Begriffs der „karolingischen Renaissance“ wird in jüngerer Zeit eher der in den Quellen belegte Terminus renovatio verwendet. Was aber wollten die Karolinger erneuern, und was hofften sie zu erreichen? Das Seminar wendet sich dieser Problematik aus kultur- und ideengeschichtlicher Perspektive zu und behandelt einen zentralen Aspekt beim Übergang von der „antiken“ zur „mittelalterlichen“ Kultur, der für die nachfolgende Geschichte Europas bis in die Neuzeit prägend sein sollte.

Prof. Dr. Wolfram Drews

081710 Vorlesung: Einführung in die mittelalterliche Geschichte

Mi., 10-12, Raum: F 1 (F-Haus); Beginn: 10.04.2013
Die Vorlesung bietet einen Überblick über die Geschichte des mittelalterlichen Jahrtausends von der Spätantike bis zur beginnenden Renaissancezeit. Ausgehend von einer Problematisierung von Versuchen, Beginn und Ende des Mittelalters zu datieren, werden Grundzüge der Forschungsgeschichte überblicksartig vorgestellt. Thematisiert werden nicht nur Grundzüge der Geschichte des lateinischen Europa, sondern ebenso auch Grundlinien der Entwicklung des Byzantinischen Reiches, des Islams und des Judentums, sowohl im sephardischen als auch im aschkenasischen Bereich. Bei der Gegenüberstellung der Geschichten von lateinischem und griechischem Christentum sowie von unterschiedlichen jüdischen und islamischen Gemeinschaften werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede verständlich gemacht; darüber hinaus werden Phänomene der Interaktion, der Verflechtung und der Hybridisierung der „Kulturen“ thematisiert, die in jüngerer Zeit verstärkt die Aufmerksamkeit der Forschung erregt haben. Die Vorlesung stellt wesentliche Etappen der Geschichte unterschiedlicher „Zivilisationen“ oder „Kulturen“ im mittelalterlichen Europa sowie im – geographisch weit gefaßten – Mittelmeergebiet vor, vermittelt einen Überblick über einige  grundlegende Perioden der Forschungsgeschichte und thematisiert darüber hinaus ausgewählte Phänomene von Kontinuität und Wandel zwischen Spätantike und Früher Neuzeit auf den Gebieten der Verfassungs-, Rechts-, Sozial-, Religions- und Kulturgeschichte.




Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2012/13

Hier finden Sie die kommentierten Veranstaltungshinweise von Herrn Prof. Dr. Wolfram Drews, Herrn Jan Clauß, Herrn Torben Gebhardt und Herrn Christian Scholl.

PROF. DR. WOLFRAM DREWS

081730 Vorlesung: Monarchische Herrschaftsformen im Mittelalter

Do., 10-12, Den Raum bitte dem HISLSF entnehmen!!!; Beginn: 18.10.2012
In der Zeit zwischen der Spätantike und dem ausgehenden Mittelalter – und darüber hinaus – waren die meisten politischen Gemeinwesen in unterschiedlichen, aber jeweils monarchisch verfaßten Formen institutionalisiert. Die Vorlesung behandelt unterschiedliche monarchische Herrschaftsformen, ausgehend von der römischen Spätantike, über König- und Kaisertümer des Mittelalters bis hin zum islamischen Kalifat, Emirat und Sultanat. Dabei werden Formen der politischen und sakralen Legitimierung, das Verhältnis des Monarchen zu unterschiedlichen Elitengruppen sowie Formen von Dynastiebildung und Perpetuierung der Herrschermemoria vergleichend in den Blick genommen.
Literatur: Dagron, Gilbert, Emperor and Priest. The Imperial Office in Byzantium, Cambridge 2003; Drews, Wolfram, Die Karolinger und die Abbasiden von Bagdad. Legitimationsstrategien frühmittelalterlicher Herrscherdynastien im transkulturellen Vergleich, Berlin 2009; Oesterle, Jenny Rahel, Kalifat und Königtum. Herrschaftsrepräsentation der Fatimiden, Ottonen und frühen Salier an religiösen Hochfesten, Darmstadt 2009.


PROF. DR. WOLFRAM DREWS

081855 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Religiöse Devianz im Mittelalter

Mi., 14-18, Den Raum bitte dem HISLSF entnehmen!!!; Beginn: 17.10.2012
Im Hochmittelalter entstanden erstmals seit der Spätantike wieder Bewegungen, die von kirchlichen Institutionen als „häretisch“ eingestuft und bekämpft wurden. Ziel des Proseminars ist die Beantwortung der Frage, unter welchen Voraussetzungen diese Gruppen entstanden, worauf ihr Selbstverständnis gründete und warum sie von „offizieller“ Seite in Lehre bzw. Praxis als „Abweichler“ wahrgenommen wurden. Die Analyse des Verhältnisses von Orthodoxie und Heterodoxie leistet zugleich einen mentalitäts- und sozialgeschichtlichen Beitrag zum Verständnis des Hochmittelalters als Umbruchszeit. Anhand verschiedener Quellenarten wird zugleich in Techniken wissenschaftlichen Arbeitens eingeführt.
Literatur: Grundmann, Herbert, Religiöse Bewegungen im Mittelalter, Berlin 1935, 21961; Grundmann, Herbert, Oportet et haereses esse. Das Problem der Ketzerei im Spiegel der mittelalterlichen Bibelexegese, Archiv für Kulturgeschichte 45 (1963), 129-164; Moore, Robert Ian, The Formation of a Persecuting Society. Power and Deviance in Western Europe, 950-1250, Oxford/New York 1987, 1990; Kurze, Dietrich, Häresie und Minderheit im Mittelalter, HZ 229 (1979), 529-573; Lambert, Malcolm, Medieval Heresy. Popular Movements from the Gregorian Reform to the Reformation, Oxford - Cambridge/Mass. 1977, 21992; Patschovsky, Alexander, Häresie, LexMA 4 (1989), 1933-1937; Wakefield, Walter L./Austin P. Evans, Heresies of the High Middle Ages (Records of Civilization 81), New York 1969.

PROF. DR. WOLFRAM DREWS

082010 Hauptseminar II: Religion und Politik im frühen Mittelalter

Mi., 10-12, den Raum bitte dem HISLSF entnehmen!!!; Beginn: 17.10.
Im spätantiken römischen Reich wurde Religion zunehmend zur Legitimation politischer Machtausübung instrumentalisiert. Als unterschiedliche barbarische Gemeinschaften mit der römischen Welt in Kontakt kamen, wurden Prozesse der Adaptation, Übersetzung und Verflechtung initiiert, in deren Verlauf diese Gemeinschaften Formen der römischen Machtausübung übernahmen und für ihre eigenen Zwecke zu nutzen trachteten. Einzelne barbarische Herrscher trafen dabei sehr unterschiedliche Entscheidungen, deren Langzeitwirkung in den einzelnen Regna sehr verschieden war. Das Seminar behandelt wichtige politische und religiöse Weichenstellungen in der Epoche zwischen der Spätantike und dem beginnenden Hochmittelalter im lateinischen und byzantinischen Europa sowie in der islamischen Welt.
Literatur: Airlie, Stuart/Pohl, Walter/Reimitz, Helmut (eds.), Staat im frühen Mittelalter, Wien 2006; Al-Azmeh, Aziz/Bak, János M. (eds.), Monotheistic Kingship. The Medieval Variants, Budapest 2004; Al-Azmeh, Aziz, Muslim Kingship. Power and the Sacred in Muslim, Christian, and Pagan Polities, London 1997; Becher, Matthias, Chlodwig I. Der Aufstieg der Merowinger und das Ende der antiken Welt, München 2011; Berkey, Jonathan Porter, The Formation of Islam. Religion and Society in the Near East, 600 – 1800, Cambridge 2003.

PROF. DR. WOLFRAM DREWS

082369 Übung: Exkursion zur Ausstellung „Otto der Große und das Römische Reich. Kaisertum von der Antike zum Mittelalter“ (Kulturhistorisches Museum Magdeburg)

Di., den 16.10 und 23.10, 14-16 Uhr, 16.-17.11 (jeweils ganztägig); die Räume bitte dem HISLSF entnehmen!!!
Die Magdeburger Ausstellung vermittelt einen umfassenden Überblick über die Genese und Transformation imperialer monarchischer Herrschaftsformen in der Antike und im frühen Mittelalter anhand zahlreicher Originalquellen aus unterschiedlichen Regionen Europas. Im Rahmen einer zweitägigen Exkursion am Freitag, dem 16. und am Samstag, dem 17. November besteht die Möglichkeit, sich vertieft mit der Problematik verschiedener Kaisertümer auseinanderzusetzen. Im Magdeburg wird einer der Kuratoren der Ausstellung eine Führung anbieten, außerdem wird im Rahmen eines Gesprächs mit Mitarbeitern des Ausstellungsteams in die Problematik der Planung, Vorbereitung und Durchführung historischer Großausstellungen eingeführt. Daneben besteht Gelegenheit, die Ausstellung individuell anzusehen. Vorbereitend werden zu Semesterbeginn im Wochenrhythmus einige einführende Seminarsitzungen durchgeführt.
Literatur: Leppin, Hartmut/Schneidmüller, Bernd/Weinfurter, Stefan (eds.), Kaisertum im ersten Jahrtausend. Wissenschaftlicher Begleitband zur Landesausstellung „Otto der Große und das Römische Reich, Kaisertum von der Antike zum Mittelalter“. Magdeburg 2012, Regensburg 2012.

PROF. DR. ROLF AHMANN / PROF. DR. HEIKE BUNGERT / PROF. DR. WOLFRAM DREWS / PROF. DR. WERNER FREITAG / PROF. DR. THOMAS GROßBÖLTING / PROF. DR. SILKE HENSEL / JUN. PROF. DR. ISABEL HEINEMANN / PROF. DR. CHRISTIAN JANSEN / PROF. DR. JAN KEUPP / PROF. DR. MARTIN KINTZINGER / JUN. PROF. DR. ANDRÉ KRISCHER / JUN. PROF. DR. MATTHIAS POHLIG / PROF. DR. BARBARA STOLLBERG-RILINGER / PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER / PROF. DR. MARTINA WINKLER
082741 Kolloquium: Münsteraner Gespräche zur Geschichte: Entscheidungskulturen
Mi 18-20, Den Raum bitte dem HISLSF entnehmen!!! Die Vorträge entnehmen Sie bitte den besonderen Aushängen!!!


TORBEN GEBHARDT, M.A.

081965 Kurs: Geschichte Schottlands im Mittelalter

Di., 14-16, Den Raum bitte dem HISLSF entnehmen!!!
Schottlands Mittelalter ist in den meisten Köpfen geprägt durch edle Wilde die beeindruckende Bärte haben und mit Kilts, die eigentlich nicht vor dem 16. Jh. Eingeführt wurden, durch hügelige Landschaften wandern. Dabei scheint es die einzige Aufgabe des Schotten zu sein, seine Unabhängigkeit gegen ungerechte Engländer durchzusetzen. Vor allem Mel Gibsons Braveheart hat zu diesem Bild beigetragen. Das Ziel des Kurses ist es einen, von medialen Werken bereinigten, Überblick über Schottland im Mittelalter zu vermitteln. Die Zeitspanne mit der sich der Kurs befasst reicht vom Reich der Pikten, über die kaum etwas bekannt ist, bis zum Herrschaftsbeginn der Stuarts im 14. Jh. In einzelnen Sitzungen werden auch so berühmte Figuren der schottischen Geschichte wie Macbeth, William Wallace oder Robert the Bruce ihren Platz finden. Als Leistungsnachweis wird in der letzten Sitzung eine Klausur geschrieben.
Literatur: Barrell, A.D.M.: Medieval Scotland (Cambridge Medieval Textbooks), Cambridge 2000. Barrow, G.W.S.: Kingship and Unity: Scotland 1000-1306 (New History of Scotland), 2. Aufl. Edinburgh 2003. Maurer, Michael: Geschichte Schottlands (reclam 18862), 2. Aufl. Stuttgart 2011.


Jan Clauss, m.Ed. / Torben Gebhardt, M.A. / Christian Scholl

083292 Übung: König Artus, Braveheart & Co – Das Mittelalter im Film: Sichtweisen und Sehgewohnheiten auf das Mittelalter zwischen Kino und Hörsaal

Mi., 16-18, Beginn: 17. 10. 2012, Den Raum bitte dem HISLSF entnehmen!!!
In der letzten Dekade scheint sich im populären Kino eine Renaissance des Historienfilms abzuzeichnen, die besonders mittelalterliche Epochen, Personen und Probleme auf die Leinwand bringt. Offenkundig steht dieses Interesse am Mittelalter, das sich im Verkauf von Kinokarten abbildet, in Kontrast zur marginalen Rolle, die die Epoche etwa in schulischen Curricula einnimmt, bzw. zu wissenschaftlich gestützten Vermittlungsangeboten. Von der medialen Vermittlung des Mittelalters durch den modernen Film geht daher ein nicht zu unterschätzenden Einfluss als Quelle von Informationen, besonders aber Impressionen, Emotionen und Werturteilen, die das allgemeine Bild vom Mittelalter prägen, aus. – Das bunt oder besonders dunkel inszenierte bewegte Bild sagt und prägt mehr als hundert gedruckte Buchseiten. Daher wird die Übung anhand ausgewählter Filmbeispiele mediävistische Fragestellung an das Medium Film herantragen; dabei gilt es jedoch nicht den Film als geschichtswissenschaftlich unhaltbar zu verreißen, sondern Wege zu suchen, wie konstruktiv mit cineastischen Adaptionen mediävistischer Themenkreise umgegangen werden kann. Um eine solche Kommunikation zwischen Film und Fachwissenschaft anzuregen, soll in der Übung u.a. ergründet werden, wie sich der jeweilige Film zum aktuellen Forschungsstand verhält, ob und von welchen Quellen er sich in seiner Darstellung leiten lässt und besonders auch aus wessen Perspektive Geschichte erzählt wird. Jedoch erscheint eine Auseinandersetzung mit dem „Mittelalter im Film“ nicht allein aus geschichtsdidaktischen Erwägungen reizvoll und wichtig; die Übung bietet bei ihrer exemplarischen Analyse von Filmen immer wieder auch Gelegenheit zur Frage, warum sich Filmemacher in ihrer spezifischen Gegenwartssituation ihrem jeweiligen (mittelalterlichen) Thema bedienen. Der jeweils filmisch vermittelte Ausschnitt vom Mittelalter wird somit auch als ein Spiegel der Zeitgeschichte seiner Entstehung interpretierbar.
Als Leistungsnachweis ist neben regelmäßiger und aktiver Teilnahme ein Referat im Rahmen der Übung erforderlich. Im Sekretariat von Fr. Michelson (Fürstenberghaus, Raum 145) liegt zu den Öffnungszeiten eine Anmeldeliste vom 25.06.2012 bis 13.07.2012 sowie vom 24.09.2012 bis zum 12.10.2012 aus - die Teilnehmerzahl ist auf 40 Plätze begrenzt.
Literatur: Beicken, Peter: Wie interpretiert man einen Film? (Reclam 15227), Stuttgart 2004. Kiening, Christian & Heinrich Adolf (Hrsgg.): Mittelalter im Film, Berlin u. New York 2006. Meier, Mischa & Simona Slanicka (Hrsgg.): Antike und Mittelalter im Film, Köln u.a. 2007. Faulstich, Werner: Grundkurs Filmanalyse, 2. Aufl. Stuttgart 2008.


CHRISTIAN SCHOLL

081836 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Die sog. Völkerwanderung

Do., 14-18, Den Raum bitte dem HISLSF entnehmen!!!, Beginn: 18. 10. 2012
Der thematische Teil des Proseminars befasst sich mit den Wanderungsbewegungen verschiedener „barbarischer“ Völkerschaften, die in Folge des Einfalls der Hunnen in Osteuropa ab dem späten 4. Jahrhundert verstärkt ins Römische Reich eindrangen. Dabei werden sowohl die wandernden „Völker“ (z.B. Franken, Ost- und Westgoten, Vandalen, Burgunder, Langobarden) als auch die von diesen auf römischem Boden gegründeten Reiche näher analysiert. In diesem Zusammenhang wird die herkömmliche Sicht auf die sog. „Völkerwanderung“, der zufolge ethnisch geschlossene „Abstammungsgemeinschaften“ auf der Suche nach Ackerland durch Europa wanderten, einer radikalen Modifizierung unterzogen. Im Zuge der Neubewertung dieser Epoche soll abschließend verdeutlicht werden, dass die „Völkerwanderung“ keinesfalls ein abruptes Ende der antiken Kultur und Zivilisation mit sich brachte, sondern dass die „barbarischen“ Nachfolgereiche des Imperium Romanum vielmehr große Teile der antiken Traditionen bewahrten und ins frühe Mittelalter transportierten.
Vor dem Hintergrund dieser Thematik gibt der propädeutische Teil des Proseminars einen Einblick in die Arbeitsweisen, Hilfsmittel und Methoden des Fachs Mittelalterliche Geschichte. Als Leistungsnachweise sind neben regelmäßiger und aktiver Teilnahme ein Referat, eine Abschlussklausur und eine Hausarbeit erforderlich.
Literatur: Peter J. Heather, Invasion der Barbaren. Die Entstehung Europas im ersten Jahrtausend nach Christus, Stuttgart 2011; Jochen Martin, Spätantike und Völkerwanderung (Oldenbourg Grundriss der Geschichte 4), München 42001; Walter Pohl, Die Völkerwanderung. Eroberung und Integration, Stuttgart u.a. 22005; Verena Postel, Die Ursprünge Europas. Migration und Integration im frühen Mittelalter, Stuttgart 2004; Klaus Rosen, Die Völkerwanderung, München 42009; Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter, Stuttgart ³2006; Martina Hartmann, Mittelalterliche Geschichte studieren, Konstanz 32011.



Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2012

Hier finden Sie die kommentierten Veranstaltungshinweise von Herrn Jan Clauß, Herrn Torben Gebhardt und Herrn Christian Scholl. Die Kommentare zu den Lehrveranstaltungen des vergangenen Semesters finden Sie weiter unten.

Jan Clauß, m.ed.

081813 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Das mittelalterliche Kloster. Institution, Funktion, Entwickelung

Mi., 12-14 und Mi., 16-18; Raum: ULB 1
„Seht doch, wie gut und schön ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen.“ (Psalm 133,1) Das Klosterwesen, ist eine der zentralen Einrichtungen der mittelalterlichen Lebenswelt. Das gilt in sozialer, politischer, ökonomischer wie auch kultureller Hinsicht. Nicht nur stellte das klösterliche Leben eine „typisch mittelalterliche“ Biographie für den Einzelnen zur Verfügung, deren Charakteristika wie weltliche Entsagung, ortsgebundene Zurückgezogenheit und Unterordnung unter religiös legitimierte Hierarchien aus heutiger Sicht bisweilen für das Mittelalter insgesamt repräsentativ erscheinen mögen. Das Kloster als Institution und Personen aus dem monastischen Kontext standen aber nicht neben der Gesellschaft, sondern übernahmen in ihr wichtige Funktionen und konnten oft einflussreiche Schlüsselpositionen in Politik und Herrschaft für sich reklamieren. Das Proseminar will die Dimensionenvielfalt des mittelalterlichen Klosterwesens beleuchten. Dazu sollen neben der historischen Genese monastischer Organisationen und ihrer variierenden Ausprägungsformen im mittelalterlichen Europa, exemplarisch eine Reihe von Klöstern, Klosterverbänden, Orden und Einzelpersonen vorgestellt werden. Damit ist im Seminar auch Möglichkeit gegeben, einführend unter sozial- und kulturgeschichtlichen Fragestellungen mediävistische Themenfelder zu erschließen.
An thematisch relevanten Quellen werden im propädeutischen Teil des Seminars die für die mittelalterliche Geschichtswissenschaft erforderlichen Methoden, Hilfs-Mittel und -Wissenschaften vorgestellt und erprobt. Bedingungen für den Erwerb eines Leistungsnachweises sind regelmäßige und aktive Teilnahme, das Halten eines Referats, sowie das Bestehen der Abschlussklausur und einer Hausarbeit.
Literatur: Angenendt, Arnold: Geschichte der Religiosität im Mittelalter, 4. Aufl., Darmstadt 2000.  Angenendt, Arnold: Das Frühmittelalter. Die abendländische Christenheit von 400 bis 900, 2. Aufl., Stuttgart 1990. Goetz, Hans-Werner: Proseminar Geschichte: Mittelalter, 3. Aufl., Stuttgart 2006. Hartmann, Martina: Mittelalterliche Geschichte studieren, 2. Aufl., Konstanz 2004. Klueting, Edeltraud: Monasteria semper reformanda. Kloster- und Ordensformen im Mittelalter, Münster 2005.


Torben Gebhardt, m.a.

081961 Kurs: Die Staufer und die Kirche

Mo., 14-16, Raum: H 4
In der Nationalbewegung des 19. Jahrhunderts als idealtypische deutsche Herrscher verklärt waren die Staufer seitdem eine Konstante, zumindest in der deutschen Mediävistik.
Schillernde Figuren wie Friedrich I. Barbarossa und Friedrich II., sowie der Aufstieg von einem wenig profiliertem Adelsgeschlecht hin zur Königs- und Kaiserdynastie boten immer wieder Stoff für Diskussionen in der Wissenschaft. Der Kurs wird sich auf das Verhältnis der Staufer mit der Kirche und vor allem dem Papsttum konzentrieren. Hauptberührungspunkte wie die Kreuzzüge, bspw. von Friedrich Barbarossa, der deutsche Thronstreit oder der ausufernde Konflikt in den letzten Jahren der Regentschaft Friedrichs II. werden genauso Teil der Veranstaltung sein wie die Kirchenpolitik im Reich.
Literatur: Engels, Odilo: Die Staufer (Kohlhammer 154), 9. Aufl., Stuttgart 2010. Engels, Odilo: Art. Staufer, in: Lexikon des Mittelalters VIII (1999), Sp. 76-79. Görich, Knut: Die Staufer – Herrscher und Reich (Beck‘sche Reihe 2393), München 2006.


Christian Scholl

Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Die Kreuzzüge

Di., 14-18 Uhr, Raum: Krummer Timpen 5 (ULB 1)
Der thematische Teil des Proseminars befasst sich mit den Kreuzzügen in den Orient, die durch den Kreuzzugsaufruf Papst Urbans II. im November 1095 ausgelöst wurden und die mit dem Fall Akkons im Mai 1291 endeten. Dabei wird das Phänomen der Kreuzzüge aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet: So wird nicht nur die westeuropäische Sicht auf die Kreuzzugsbewegung in den Blick genommen, sondern es wird auch danach gefragt werden, wie Byzantiner und Muslime die Kreuzfahrer wahrnahmen und welche Konsequenzen sich aus dem Eindringen der lateinischen Christenheit in den Vorderen Orient für Byzanz und die arabische Welt ergaben. Abschließend sollen die Nachwirkungen der Kreuzzüge bis in die heutige Zeit („Kreuzzug gegen den Terrorismus“) kritisch beleuchtet werden.
Vor dem Hintergrund dieser Thematik gibt der propädeutische Teil des Proseminars einen Einblick in die Arbeitsweisen, Hilfsmittel und Methoden des Fachs Mittelalterliche Geschichte. Als Leistungsnachweise sind neben regelmäßiger und aktiver Teilnahme eine Stundengestaltung, eine Abschlussklausur und eine Hausarbeit erforderlich.
Literatur: Thomas S. Asbridge, Die Kreuzzüge, Stuttgart 2010; Nikolas Jaspert, Die Kreuzzüge, Darmstadt 52010; Hans Eberhard Mayer, Geschichte der Kreuzzüge, Stuttgart 102005; Peter Thorau, Die Kreuzzüge, München 32007; Ralph Johannes Lilje, Byzanz und die Kreuzzüge, Stuttgart 2004; Francesco Gabrieli (Hg.), Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht, München 21976; Amin Maalouf, Der Heilige Krieg der Barbaren. Die Kreuzzüge aus der Sicht der Araber, München 52008; Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter, Stuttgart 32006; Martina Hartmann, Mittelalterliche Geschichte studieren, Konstanz 32011.



Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2011/2012

Hier finden Sie die kommentierten Veranstaltungshinweise von Herrn Prof. Dr. Wolfram Drews, Herrn Jan Clauß und Herrn Christian Scholl.

Prof. Dr. Wolfram Drews

081739 Vorlesung: Geschichte Spaniens im Mittelalter

Di., 10-12, Raum: F 2 (F-Haus); Beginn: 1. Woche
In der Mitte des 20. Jahrhunderts entstand – motiviert durch zeitgenössische Problemlagen – der Mythos vom vermeintlichen goldenen Zeitalter im mittelalterlichen Spanien, als Vertreter der drei monotheistischen Weltreligionen, also Juden, Christen und Muslime, in friedlichem Nebeneinander zusammengelebt hätten (convivencia). In der jüngeren Forschung ist dieses etwas einseitige Bild korrigiert worden, indem einerseits auf die tatsächlich nicht so seltenen Konflikte und andererseits auf die ideologischen Voraussetzungen und Implikationen dieser spezifischen Interpretation der spanischen Geschichte verwiesen wurde. Die Vorlesung stellt die Hauptepochen der mittelalterlichen spanischen Geschichte seit der westgotischen Spätantike vor und richtet das Augenmerk insbesondere auf das Verhältnis zwischen unterschiedlichen ethnischen und religiösen Gruppen sowie auf ihre jeweilige Bedeutung für die Konstruktion einer kohärenten Erzählung von einer „spanischen“ Geschichte.
Literatur: Herbers, Klaus, Geschichte Spaniens im Mittelalter. Vom Westgotenreich bis zum Ende des 15. Jahrhunderts, Stuttgart 2006; Vones, Ludwig, Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter (711 - 1480). Reiche, Kronen, Regionen, Sigmaringen 1993; Walther, Helmut G., Der gescheiterte Dialog. Das ottonische Reich und der Islam, in: Orientalische Kultur und europäisches Mittelalter (Miscellanea Medievalia 17), ed. Albert Zimmermann/Ingrid Craemer-Ruegenberg, Berlin/New York 1985, 20-44; Wasserstein, David J., The Caliphate in the West. An Islamic Political Institution on the Iberian Peninsula, Oxford 1993; Watt, W. Montgomery, A History of Islamic Spain, Edinburgh 1965.

Prof. Dr. Wolfram Drews

082314 Übung: Transkulturelle Geschichte im Mittelalter: Juden zwischen christlicher und islamischer Herrschaft

Mi., 16-18, Raum: F 104 (F-Haus); Beginn: 1. Woche
In jüngerer Zeit werden in der Geschichtswissenschaft verstärkt Fragen und Ansätze der globalen und transkulturellen Geschichte diskutiert. Die Übung stellt eingangs einige der in diesem Zusammenhang vertretenen Positionen vor und behandelt anschließend die Frage, ob derartige Zugänge auch für die vormodernen Epochen, namentlich das Mittelalter, fruchtbar gemacht werden können. Als Beispiel für die Diskussion von Problemen der Verflechtung und Migration wird die Geschichte einer jüdischen Familie aus dem byzantinischen und islamischen Süditalien vorgestellt, deren Lektüre im Zentrum der Veranstaltung steht. Im Jahre 1054 vollendete der jüdische Gelehrte Ahimaaz ben Paltiel aus Oria in Süditalien eine Familienchronik, in der er die Erinnerung an Taten und Leistungen seiner Vorfahren mit legendenhaften Schilderungen sowie mit Reminiszenzen an die süditalienische Lokal- und Regionalgeschichte verband, aber auch mit Hinweisen auf die byzantinische Geschichte sowie auf diejenige arabisch-islamischer Fürstentümer im Mittelmeerraum. Die Geschichte dieser jüdischen Familie zeigt beispielhaft, wie Juden im Mittelmeerraum als Vermittler zwischen unterschiedlichen politischen Herrschaftsbereichen, aber auch verschiedenen kulturellen und religiösen Traditionen agierten.
Literatur: Borgolte, Michael/Juliane Schiel/Bernd Schneidmüller/Annette Seitz (eds.), Mittelalter im Labor. Die Mediävistik testet Wege zu einer transkulturellen Europawissenschaft (Europa im Mittelalter 10), Berlin 2008; Conrad, Sebastian/Andreas Eckert/Ulrike Freitag (eds.), Globalgeschichte. Theorien, Ansätze, Themen (Globalgeschichte 1), Frankfurt/New York 2007; Drews, Wolfram, Koordinaten eines historischen Bewußtseins in der mittelalterlichen jüdischen Historiographie. Das Beispiel des Ahimaaz von Oria, in: Klaus Hödl (ed.), Historisches Bewußtsein im jüdischen Kontext. Strategien – Aspekte – Diskurse (Schriften des Centrums für Jüdische Studien 6), Innsbruck/Wien/München/Bozen 2004, 13-28; Höfert, Almut, Anmerkungen zum Konzept einer „transkulturellen“ Geschichte in der deutschsprachigen Forschung, in: Wolfram Drews/Jenny Rahel Oesterle (eds.), Transkulturelle Komparatistik. Beiträge zu einer Globalgeschichte der Vormoderne = Comparativ 18/3 (2008), 15-26; Kaufmann, David, Die Chronik des Achimaaz von Oria (850-1054). Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Süditalien, Frankfurt/ M. 1896; Die Chronik des Achimaaz von Oria [850-1054], in: id., Gesammelte Schriften, Bd. 3, Frankfurt/ M. 1915, 1-55; Osterhammel, Jürgen, Transkulturell vergleichende Geschichtswissenschaft, in: Heinz-Gerhard Haupt/ Jürgen Kocka (eds.), Geschichte und Vergleich. Ansätze und Ergebnisse international vergleichender Geschichtsschreibung, Frankfurt/ M. – New York 1996, 271-313
Salzman, Marcus, The Chronicle of Ahimaaz (Columbia University Oriental Studies 18), New York 1924, ND 1966; Skinner, Patricia, Gender, Memory and Jewish Identity. Reading a Family History from Medieval Southern Italy, Early Medieval Europe 13 (2005), 277-296.

Prof. Dr. Wolfram Drews

082056 Hauptseminar: Ritterorden und Rittergesellschaften

Mi., 10-12, Raum: F 3 (F-Haus); Beginn: 1. Woche
Als Folge der Kreuzzugsbewegung bildete sich eine neue Form geistlicher Gemeinschaften heraus, in denen das altkirchliche Ideal der militia Christi neu interpretiert wurde: Der Kampf für Christus wurde nicht mehr wie vorher rein spirituell verstanden, sondern auch als tatsächlicher Kampf mit Waffen. Trotz anfänglicher Widerstände gegen diese neue Form des geistlichen Lebens entstanden mehrere geistliche Ritterorden, einige als Umbildungen bereits bestehender Einrichtungen zur Armen- und Krankenpflege. Den geistlichen Ritterorden kam eine erhebliche Bedeutung bei der Verteidigung der lateinischen Kreuzfahrerherrschaften in der Levante zu. Daneben leisteten die spanischen Ritterorden einen wichtigen Beitrag nicht nur zur sogenannten Reconquista, der „Rückeroberung“ ehemals christlicher Territorien durch nordspanische Königreiche, sondern auch bei der nachfolgenden Besiedlung neueroberter Gebiete. Dem Deutschen Orden gelang gar der Aufbau eines eigenen Ordensstaates im Baltikum.
Im späten Mittelalter entstanden mit den sogenannten weltlichen Ritterorden neue institutionelle Formen, die auf einen Fürsten als Ordenssouverän ausgerichtet waren und der Propagierung der ritterlicher Lebensweise dienten, darüber hinaus aber auch als Mittel zur Integration des Adels in monarchische Herrschaftssysteme und als Instrument fürstlicher Außenpolitik eingesetzt wurden. Davon zu unterscheiden sind genossenschaftlich ausgerichtete Adelsgesellschaften. Das Seminar stellt die unterschiedlichen Formen geistlicher und weltlicher Rittergemeinschaften vor, analysiert ihre politische und kulturelle Bedeutung und zieht abschließend einen Vergleich zu islamischen Institutionen (ribāt und futuwwa), die in der Forschung als mögliche Parallelen oder gar Vorbilder für christliche Institutionen des Glaubenskampfes diskutiert worden sind.
Literatur: Czaja, Roman/Jürgen Sarnowsky (eds.), Die Ritterorden als Träger der Herrschaft: Territorien, Grundbesitz und Kirche (Colloquia Torunensia Historica 14), Torun 2007; Demurger, Alain, Die Ritter des Herrn. Geschichte der geistlichen Ritterorden, München 2003 Elm, Kaspar, Die Spiritualität der geistlichen Ritterorden des Mittelalters, in: Militia Christi e Crociata neo secoli XI-XIII (Miscellanea del Centro di studi medioevali 30; Scienze storiche 48), Mailand 1992, 477-518; Fleckenstein, Josef, Die Rechtfertigung der geistlichen Ritterorden nach der Schrift De laude novae militiae Bernhards von Clairvaux, in: id., Ordnungen und formende Kräfte des Mittelalters, Göttingen 1989, 377-392; Nowak, Hubert Zenon/ Roman Czaja (eds.), Vergangenheit und Wirklichkeit der Ritterorden. Die Rezeption der Idee und die Wirklichkeit (Ordines militares 11), Torun 2001; Sarnowsky, Jürgen, Das historische Selbstverständnis der geistlichen Ritterorden, Zeitschrift für Kirchengeschichte 110 (1999), 315-330.

Prof. Dr. Wolfram Drews

082204 Oberseminar/Masterseminar: Reconquista und Kreuzzüge

Di., 16-18, Raum: F 153 (F-Haus); Beginn. 1. Woche
Bald nach 711 wurden große Teile der Iberischen Halbinsel von muslimischen Truppen erobert; lediglich im Norden blieben einige Landstriche in christlicher Hand. Aus späterer Rückschau erschien es so, als hätte bald darauf die christliche „Rückeroberung“ des „verlorenen“ Gebietes begonnen. Die Forschung hat kontrovers darüber diskutiert, ob für die hiermit verbundenen militärischen Unternehmungen religiöse oder vielmehr nur politische oder auch ökonomische Gründe angenommen werden müssen. Erst mit der Entstehung der Kreuzzugsbewegung in Frankreich ab dem 11. Jahrhundert kam es verstärkt zur Teilnahme nichtspansicher Kämpfer an den Kriegszügen auf der Iberischen Halbinsel, was deren Charakter nachhaltig veränderte. Der päpstliche Kreuzzugsablaß wurde auf Spanien übertragen, und hier entstanden eigene Ritterorden, die nicht nur militärische, sondern auch siedlungspolitische Aufgaben übernahmen. Das Seminar behandelt Grundzüge der Ereignisgeschichte, was als Grundlage für die Diskussion  unterschiedlicher Forschungspositionen zur Verhältnisbestimmung zwischen der (vermeintlichen) Reconquista und der vornehmlich französisch-päpstlichen Kreuzzugsideologie dient.
Literatur: Bronisch, Alexander Pierre, Reconquista und Heiliger Krieg. Die Deutung des Krieges im christlichen Spanien von den Westgoten bis ins frühe 12. Jahrhundert (Spanische Forschungen der Görres-Gesellschaft II/ 35), Münster 1998; Engels, Odilo, Reconquista und Landesherrschaft (Rechts- und staatswissenschaftliche Veröffentlichungen der Görres-Gesellschaft N. F. 53), Paderborn/München/Wien/Zürich 1989; Erdmann, Carl, Die Entstehung des Kreuzugsgedankens (Forschungen zur Kirchen- und Geistesgeschichte 6), Stuttgart 1935, ND Darmstadt 1965; Forey, Alan J., The Military Religious Orders and the Spanish Reconquest in the Twelfth and Thirteenth Centuries, Traditio 40 (1984), 197-234; Jaspert, Nikolas, Die Kreuzzüge, Darmstadt 2003; Lomax, Derek W., The Reconquest of Spain, London/ New York 1978; Schwenk, Bernd, Calatrava. Entstehung und Frühgeschichte eines spanischen Ritterordens zisterziensischer Observanz im 12. Jahrhundert (Spanische Forschungen der Görres-Gesellschaft II/ 28), Münster 1992.

Prof. Dr. Gerd Althoff, Prof. Dr. Wolfram Drews, Prof. Dr. Werner Freitag, Prof. Dr. Michael Grünbart, Prof. Dr. Martin Kintzinger

082590 Kolloquium: 800-1800 Forschungskolloquium Mittelalter und Frühe Neuzeit

Mi., 18-20, Raum: F 102


Jan Clauß, m.ed.

Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Auswärtige Beziehungen und Kulturpolitik unter Karl dem Großen

Mi., 12-14 und Mi., 16-18; Raum: F 030 (F-Haus)
Das Seminar will neben einem zur Orientierung nötigen Überblick über die Epoche Karls des Großen das Wechselspiel zwischen innerer Herrschaftspraxis im Frankenreich und Beziehungen zu seinen Nachbarn beleuchten. Dabei steht die Frage im Hintergrund, ob sich eine übergreifende Herrschaftsprogrammatik identifizieren lässt und aus welchen Bedingungsfaktoren eine solche ggf. erwächst. Am Beispiel des prominenten Karolingers und seines Umfeldes werden dazu zentrale Begrifflichkeiten und Themenfelder wie „Hof“, „Außenpolitik“ oder die Frage nach historischen Akteuren und ihrer zeitgenössischen Rezeption aufgegriffen und problematisiert. An thematisch relevanten Quellen werden im propädeutischen Teil die für die mittelalterliche Geschichtswissenschaft erforderlichen Methoden, Hilfs-Mittel und -Wissenschaften vorgestellt und anfänglich erprobt. Bedingungen für den Erwerb eines Leistungsnachweises sind regelmäßige und aktive Teilnahme, das Halten eines Referats, sowie das Bestehen der Abschlussklausur und einer Hausarbeit.
Literatur: Arnold Angenendt, Das Frühmittelalter. Die abendländische Christenheit von 400 bis 900, Stuttgart 32001, S. 292-360. Matthias Becher, Merowinger und Karolinger (Geschichte kompakt: Mittelalter), Darmstadt 2009. Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter (UTB 1719: Geschichte), Stuttgart 32006. Martina Hartmann, Mittelalterliche Geschichte studieren (UTB 2575: UTB basics Geschichte), Konstanz 22004.


Christian Scholl

Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Juden im mittelalterlichen Reich

Do., 12-14 und 16-18 Uhr; Raum: F 029 (F-Haus)
Im thematischen Teil des Proseminars werden verschiedene Aspekte jüdischen Lebens im mittelalterlichen Reich behandelt. Dazu zählen insbesondere die Anfänge jüdischer Besiedlung im 9./10. Jahrhundert, das jüdische Gemeindeleben, die Rechtsstellung der Juden („Kammerknechtschaft“ und Bürgerstatus), ihre wirtschaftlichen Tätigkeitsfelder sowie die vielfältigen Beziehungen zur christlichen Umwelt, die sich von friedlicher Koexistenz zu beiderseitigem Vorteil (concivilitas) bis hin zu Judenverfolgungen und -vertreibungen erstreckten. Vor dem Hintergrund dieses Themas gibt der propädeutische Teil des Proseminars einen Einblick in die Arbeitsweisen, Hilfsmittel und Methoden des Fachs mittelalterliche Geschichte. Für den Erwerb eines Leistungsnachweises sind neben regelmäßiger und aktiver Teilnahme ein Referat, eine Abschlussklausur und eine Hausarbeit erforderlich.
Literatur: Michael Toch, Die Juden im mittelalterlichen Reich (Enzyklopädie deutscher Geschichte 44), München ²2003; Germania Judaica, Bd. 1: Von den ältesten Zeiten bis 1238, hg. von Ismar Elbogen, Aron Freiman und Haim Tykocinski, Breslau 1917-1934, Ndr. Tübingen 1963; Germania Judaica, Bd. 2: Von 1238 bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, hg. von Zvi Avneri, Tübingen 1968; Germania Judaica, Bd. 3: 1350-1519, hg. von Arye Maimon, Mordechai Breuer und Yacov Guggenheim, Tübingen 1987-2003; Europas Juden im Mittelalter. Beiträge des internationalen Symposions in Speyer vom 20.-25. Oktober 2002, hg. von Christoph Cluse, Trier 2004; Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter (UTB 1719:  Geschichte), Stuttgart ³2006.