Team KrischerDr. André Krischer


Juniorprofessor für die Geschichte Großbritanniens und des Commonwealth

Studentische Hilfskraft: Jenny Johne (j_john05@uni-muenster.de) und Hannah Scherz (hannah.scherz@uni-muenster.de)

Sprechstunden


Montag von 14:00-15:00 Uhr. Änderungen werden kurzfristig über twitter  mitgeteilt.

Lehre im Sommersemester2015:

Informationen zu aktuellen Lehrveranstaltungen von Herrn Krischer sind ebenfalls auf academia.edu zu finden.

082064 Hauptseminar: Kriminalitätsgeschichte der Frühneuzeit
Di, 16-18h
In der historischen Forschung zur Frühneuzeit stand die Kriminalitätsgeschichte seit den 1990er Jahren für besonders innovative Zugänge zur vormodernen Lebenswelten. Während Kriminalität in der älteren Forschung überwiegend anekdotisch und mit Blick auf die grausamen Strafen behandelt wurde, haben Kriminalitätshistoriker unter gewandelten Vorzeichen systematisch nach dem Zusammenhang von Kriminalität und Gesellschaft gefragt. Fruchtbar war und ist diese Herangehensweise vor allem deswegen, weil unter dem Paradigma Kriminalität ganz unterschiedliche Ebenen der frühneuzeitlichen Gesellschaft  ausgeleuchtet werden können: Kriminalität hat mit Macht und Herrschaft ebenso zu tun wie mit Eigentums- und Geschlechterverhältnissen. Kriminalität war nicht nur eine Sache der Armen und Marginalisierten, sondern auch, in Gestalt politischer Delinquenz und Korruption, ein Aktionsfeld sozialer Eliten. Dabei
hat sich auch gezeigt, dass Todes- und Leibesstrafen eher die Ausnahme waren. Kriminalität kann schließlich auch mit Blick auf seine öffentliche  Thematisierung in Druckmedien untersucht werden. Stets geht man dabei davon aus, dass Kriminalität nicht etwas objektiv vorhandenes ist, sondern in komplexen Prozessen Handlungen und Akteuren zugeschrieben wird. Wir werden uns im Seminar zunächst mit den methodisch-konzeptionellen Herangehensweisen an Kriminalitätsgeschichte befassen und dann verschiedene Felder von Gewalt-, Eigentums-, Sexual- und politischen Delikten behandeln. Dabei werden wir vergleichend Vorgehen, insofern wir Beispiele aus dem deutschsprachigen und englischspachigen Raum berücksichtigen werden. Empfohlen wird der gleichzeitige Besuch meiner Übung zur frühneuzeitlichen Paläographie, weil dort für das Seminar relevante Quellentexte gelesen und transkribiert werden.

Einführende Literatur: Gerd Schwerhoff: Historische Kriminalitätsforschung (Historische Einführungen Bd. 9), Frankfurt/M. 2011.

082360 Übung: Paläographie der Frühen Neuzeit: Englische und Deutsche Kurrentschriften vom 16. bis zum 18. Jahrhundert
Di, 14-16h
Die Übung wird Schritt für Schritt in die Lektüre frühneuzeitlicher Handschriften aus privater und obrigkeitlicher Provenienz einführen und die Lesefähigkeit einüben. Ausgewählte Beispiele werden mach üblichen Maßstäben kritisch ediert. Die Beispiele stammen aus deutschen und englischen Archiven. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Quellen zur Kriminalitätsgeschichte, weswegen der gleichzeitige Besuch meines Hauptseminars angeraten wird.

Einführend Literatur: Friedrich Beck: Die „deutsche Schrift“ – Medium in fünf Jahrhunderten deutscher Geschichte. In: Archiv für Diplomatik 37 (1991), S. 453–479; G. E. Dawson/L. Kennedy-Skipton: Elizabethan Handwriting 1500-1650. A Manual. New York 1966 (wird als pdf zur Verfügung gestellt).

Zusammen mit Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger, Apl.Prof. Dr. Michael Sikora, Jun. Prof. Dr. Matthias Pohlig
082783 Kolloquium: Forschungskolloquium Frühe Neuzeit
Mi, 18-20h
Raum: F 33

Publikationen


Volltexte der Publikationen sind zu finden unter Academia.edu

Monographie und Sammelbände

Reichsstädte in der Fürstengesellschaft. Zum politischen Zeichengebrauch in der Frühen Neuzeit, Darmstadt 2006.

Herstellung und Darstellung verbindlicher Entscheidungen. Verhandeln, Verfahren und Verwalten in der Vormoderne, hrsg. zusammen mit Barbara Stollberg-Rilinger, Berlin 2010.

Verräter. Kulturgeschichte eines Deutungsmusters von Judas bis Wikileaks, Köln / Wien / Weimar (Böhlau) 2015.

Quelleneditionen

Barbara Stollberg-Rilinger (Hrsg.), André Krischer (Bearb.), Das Hofreisejournal des Kurfürsten Clemens August von Köln 1719-1745, Siegburg 2000.

Aufsätze

Der „erlaubte Konflikt“ im Gerichtsverfahren. Zur Ausdifferenzierung einer Interaktionsepisode in den englischen Hochverratsprozessen der Frühen Neuzeit, in: Zeitschrift für Soziologie, Sonderheft 2014, S. 201-225.

Aufruhr als Hochverrat? Drei Londoner Riots vor Gericht (1668, 1710, 1780), in: Revolten und politische Verbrechen zwischen dem 12. und 19. Jahrhundert (= Studien zur europäischen Rechtsgeschichte 285), hrsg. von Angela De Benedictis, Karl Härter, Frankfurt a. M. 2013, S. 381-414.

Reichsstädte und Reichstag im 18. Jahrhundert. Überlegungen zu Reichspolitik und Politik im Alten Reich anhand Bremer und Hamburger Praktiken (http://www.zeitenblicke.de/2012/2/Krischer).

The Religious Discourse on Criminal Law in England, 1600–1800: From a Theology of Trial to a Theology of Punishment, in: Religion and Politics in Europe and the United States: Transnational Historical Approaches, hrsg. von Volker Depkat, Jürgen Martschukat, Washington / Baltimore 2012, S. 85-99.

Strafpredigten: Eine Fallstudie zur Differenzierung von Recht und Religion in England, 1600–1800, in: Umstrittene Säkularisierung: Soziologische und historische Analysen zur Differenzierung von Religion und Politik, hrsg. von Karl Gabriel, Christel Gärtner, Detlef Pollack, Berlin 2012, S. 252-279.

Sociological and Cultural Approaches to Pre-Modern Decision-Making, in: Débates Antiques, hrsg. von Marie-Joséphine Coquin, Fabian Schulz, Nanterre 2011, S. 129-140.

Verräter, Verschwörer, Terroristen, in: Vom Majestätsverbrechen zum Terrorismus, hrsg. von Karl Härter, Beatrice de Graaf (Studien zur europäischen Rechtsgeschichte), Frankfurt a. M. 2012, S. 103-160.

Das Gesandtschaftswesen und das vormoderne Völkerrecht, in: Rechtsformen Internationaler Politik. Theorie, Norm und Praxis vom 12. bis 18. Jahrhundert, hrsg. von Michael Jucker, Martin Kintzinger, Rainer Christoph Schwinges, Barbara Stollberg-Rilinger, Berlin 2011, S. 197-240.

Politische Kommunikation und Öffentlichkeit in London. Zur Entwicklung einer Großstadt im 17. Jahrhundert aus mediengeschichtlicher Perspektive, in: Die Stadt als Kommunikationsraum. Reden, Schreiben und Schauen in Großstädten des Mittelalters und der Neuzeit, hrsg. von Irmgard C. Becker (Stadt in der Geschichte 36), Ostfildern 2011, S. 55-87.

Rituale und politische Öffentlichkeit in der Alten Stadt, in: Stadt und Öffentlichkeit in der Frühen Neuzeit, hrsg. von Gerd Schwerhoff, Köln / Weimar / Wien 2011, S. 125-157.

Noble Honour and the Force of Law, in: What makes the Nobility Noble?, hrsg. von Christian Wieland, Jörn Leonhard (Schriftenreihe der FRIAS School of History 2), Göttingen 2011, S. 67-89.

New Directions in the Study of the Holy Roman Empire - A Cultural Approach, in: The Holy Roman Empire, Reconsidered, hrsg. von Jason Philip Coy, Benjamin Marschke, David Warren Sabean (Publications of the German Studies Association 1), New York 2010, S. 265 - 270.

Politische Rituale im Köln der Renaissance: Reichsstädtische oder höfische Traditionen?, in: Städte, Höfe und Kulturtransfer, hrsg. von Stefan Hoppe, Alexander Markschies, Norbert Nussbaum, Regensburg 2010, S. 258-283.

Das Verfahren als Rollenspiel? Englische Hochverratsprozesse im 17. und 18. Jahrhundert, in: Herstellung und Darstellung verbindlicher Entscheidungen. Verhandeln, Verfahren und Verwalten in der Vormoderne, hrsg. zusammen mit Barbara Stollberg-Rilinger, Berlin 2010, S. 211-251.

Das Problem des Entscheidens in systematischer und historischer Perspektive, in: Herstellung und Darstellung verbindlicher Entscheidungen. Verhandeln, Verfahren und Verwalten in der Vormoderne, hrsg. zusammen mit Barbara Stollberg-Rilinger, Berlin 2010, S. 35-64.

Syndici als Diplomaten in der Frühen Neuzeit. Repräsentation, politischer Zeichengebrauch und Professionalisierung in der reichsstädtischen Außenpolitik, in: Spezialisierung und Professionalisierung. Träger und Foren städtischer Außenpolitik während des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, hrsg. von Christian Jörg, Michael Jucker, Wiesbaden 2010, S. 254-286.

Korruption vor Gericht. Die Fälle Francis Bacon (1621), Warren Hastings (1788-95) und der Strukturwandel bei der Bewertung politischer Delinquenz in England, in: Korruption. Historische Annäherungen an eine Grundfigur politischer Kommunikation, hrsg. von Niels Grüne, Simona Slanicka, Göttingen 2010, S. 307-326.

Souveränität ohne Autorität. Zur Verfassungskultur der englischen Republik, in: Kommunikation und Konfliktaustragung. Verfassungskultur als Faktor politischer und gesellschaftlicher Machtverhältnisse, hrsg. von Werner Daum, Kathrin S. Hartmann, Simon Palaoro, Bärbel Sunderbrink, Berlin 2010, S. 35-76.

Souveränität als sozialer Status. Zur Funktion des diplomatische Zeremoniells in der Frühen Neuzeit, in: Diplomatisches Zeremoniell in Europa und dem Mittleren Osten in der Frühen Neuzeit, hrsg. von Jan-Paul Niederkorn, Ralf Kauz, Giorio Rota, Wien 2009, S. 1-32 .

Inszenierung und Verfahren auf den Reichstagen der Frühen Neuzeit, in: Politische Versammlungen und ihre Rituale. Repräsentationsformen und Entscheidungsprozesse des Reichs und der Kirche im späten Mittelalter, hrsg. von Gerald Schwedler, Jörg Peltzer, Paul Töbelmann, Ostfildern 2009, S. 181-205.

Edward Cokes Prohibitions del Roy (1608/1656): Die Macht des Rechts als historiografischer Mythos, in: Geschichte schreiben. Ein Quellen- und Studienhandbuch zur Historiographie (ca. 1350-1750), hrsg. von Susanne Rau, Birgit Studt, Berlin 2009, S. 86-97.

Politischer Zeichengebrauch im barocken Rheinland. Zeremoniell und Repräsentation bei den Kurfürsten von Köln und den Reichsstädten Köln und Aachen, in: Barocke Herrschaft am Rhein um 1700. Kurfürst Johann Wilhelm II. und seine Zeit, hrsg. von Benedikt Mauer, Düsseldorf 2009, S. 37-73 .

Zeremoniell in der Zeitung. Periodika des 17. und 18. Jahrhunderts als Medien der ständischen Gesellschaft, in: Kulturen des Wissens im 18. Jahrhundert, hrsg. von Helwig Schmidt-Glintzer, Johannes Schneider, Berlin / New York 2008, S. 309-316. Traditionsverlust: Die Krise der Todesstrafe in England 1750-1868, in: Strafzweck und Strafform zwischen religiöser und weltlicher Wertevermittlung, hrsg. von Reiner Schulze, Thomas Vormbaum, Christine D. Schmidt, Nicola Willenberg, Münster 2008, S. 233-264.

Bürgermeisterbegräbnisse im frühneuzeitlichen Köln. Zu den Bedeutungsebenen eines städtischen Rituals im Wandel (1431–1797), in: Geschichte in Köln 55 (2008), S. 7-35.

Hinrichtungen als Fortsetzung der vormodernen Strafverfahrens. Die Rituale obrigkeitlichen Tötens am Beispiel englischer Hochverräter in der Frühen Neuzeit, in: Traverse. Zeitschrift für Geschichte / Revue d'histoire 15 (2008), S. 62-74.

Politische Repräsentation und Rhetorik der Reichsstädte auf dem Reichstag nach 1648, in: Politische Redekultur in der Vormoderne. Die Oratorik europäischer Parlamente in Spätmittelalter und Früher Neuzeit, hrsg. von Jörg Feuchter, Johannes Helmrath, Frankfurt 2008, S. 135-148.

Das diplomatische Zeremoniell der Reichsstädte, oder: Was heißt Stadtfreiheit in der Fürstengesellschaft, in: Historische Zeitschrift 281 (2007), S. 1-30 .

Grenzen setzen: Macht, Raum und Ehre der Reichsstädte, in: Machträume der frühneuzeitlichen Stadt, hrsg. von Christian Hochmuth, Susanne Rau, Konstanz 2006, S. 135-154.

Ceremoniale Coloniese - Zur symbolischen Konstitution kurfürstlicher Herrschafts- und reichsstädtischer Autonomieansprüche in Köln, in: Der Hof und die Stadt. Konfrontation, Koexistenz und Integration in Spätmittelalter und Früher Neuzeit, hrsg. von Werner Paravicini, Jörg Wettlaufer, Ostfildern 2006, S. 327-346.

Können Rituale gesammelt werden? Vormoderne Aufschreibesysteme für symbolisches Handeln in außereuropäischen Gesellschaften (http://www.inst.at/trans/15Nr/06_2/krischer15.htm).

Neue Forschungen zur Kriminalitätsgeschichte, in: Zeitschrift für Historische Forschung 33 (2006), S. 387-415.

Ein nothwendig Stück der Ambassaden. Zur politischen Rationalität des diplomatischen Zeremoniells bei Kurfürst Clemens August, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 205 (2002), S. 161-200.

Im Dienst der Gemeinde. Zur Funktion des spätmittelalterlichen Landgerichts, in: Archiv für Hessische Geschichte 60 (2002), S. 333-369.

„This present crisis“. Zur Semantik der Krise in der politischen Publizistik Großbritanniens im 18. Jahrhundert, in: Krise als Form gesellschaftlicher Selbstbeobachtung und historiographischer Beschreibung der frühen Neuzeit, hrsg. v. Rudolf Schlögl, Konstanz 2012 (http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:6-18419549521).

Kleiner Beiträge und Zeitungsartikel

Der Beginn der „Troubles“, in: Damals. Das Magazin für Geschichte (August 2014), S. 10-13.

Der Verrat im 21. Jahrhundert, in: Frankfurter Rundschau 214 (2013), S. 10.

Unbezahlte zeremonielle Arbeit, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung 195 (2008), S. 45.


Curriculum Vitae

André Johannes Krischer

1995-2001: Studium der Anglistik, Philosophie, Geschichte, Pädagogik und
Geographie in Köln, Bonn, Münster und Zagreb

2001-2002: Konrad-Adenauer-Stiftung Sarajewo (Bosnien und Herzegowina)

2002-2004: Stipendiat des Graduiertenkollegs „Gesellschaftliche Symbolik im Mittelalter“, Universität Münster

2005: Doktoranden-Stipendium in Wolfenbüttel, wiss. Hilfskraft bei Prof. Schwerhoff (Dresden)

Feb. 2005: Promotion in Mittlerer und Neuerer Geschichte, Universität Münster

Mai 2005-April 2013: Wiss. Geschäftsführer des DFG-Leibnizprojekts „Vormoderne Verfahren“ von Prof. Stollberg-Rilinger

Seit 2009: Juniorprofessor für Geschichte Großbritanniens und des Commonwealth, Universität Münster

2012: Projektleiter im Exzellenzcluster „Religion und Politik“, Münster, Projekt: „Unbeschreibliche Gewalt. Bildkulturen des Martyriums in der Neuzeit“