Kolloquien zum Nachleben des Origenes
Das Nachleben des
Origenes ist so komplex und vielschichtig wie sein Denken selbst. Schon in der
Antike ist seine kühne theologische Synthese, wie erste Kontroversen zu seinen
Lebzeiten und insbesondere die beiden großen Origenistischen Streitigkeiten
zeigen, nicht nur Quelle theologischer Durchbrüche, sondern auch vielfach Stein
des Anstoßes. Ungeachtet seiner offiziellen kirchlichen Verurteilung am Ausgang
der Antike prägt sein spekulatives Genie die ersten christlichen Systeme der
mittelalterlichen Metaphysik und bestimmt seine Bibelhermeneutik das gesamte
Paradigma des mehrfachen Schriftsinns. Im Ringen um ein neues Menschenbild, das
in Abkehr von theologischen und philosophischen Determinismen seinen Ausgang
von der Freiheit und Entwicklungsfähigkeit des Einzelnen nimmt, entdeckt die
frühe Neuzeit im Alexandriner einen antiken Gewährsmann, dessen Einsichten sie
vielfach aufgreift und weiterentwickelt. Schließlich verdankt ihm auch die
moderne Theologie, wie nicht zuletzt zeitgenössische Reformulierungen der
origeneischen Lehre von der Allerlösung oder seiner dynamischen
Freiheitsanthropologie beweisen, manchen wichtigen Impuls. Die bewegte
Rezeptionsgeschichte der origeneischen Denkform steht im Mittelpunkt der „Kolloquien
zum Nachleben des Origenes“. Anhand exemplarischer Texte, die in einem
allgemeinverständlichen Abendvortrag historisch verortet und in einem interdisziplinären
Workshop inhaltlich erschlossen werden, sollen die Rezeption des Origenes von
der Antike bis zur Gegenwart nachgezeichnet und seine Bedeutung für die
abendländische Geistesgeschichte gewürdigt werden.
November 2011: Origenes in Frankreich – Die Origeniana
von Pierre Daniel Huet (1668)
November 2012: Origenes Humanista – Pico della
Mirandolas De Salute Origenis disputatio (1487)
