Cold Cases neu denken: Künstliche Intelligenz als Werkzeug der Fallanalyse
Dirk Labudde
Cold Cases stellen Ermittlungsbehörden vor besondere Herausforderungen: Häufig liegen umfangreiche Aktenbestände, heterogene Spurenlagen und zahlreiche, teils widersprüchliche Hypothesen vor, während die ursprünglichen Tatorte nicht mehr zugänglich sind. Gleichzeitig eröffnen moderne Verfahren der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz neue Möglichkeiten, historische Ermittlungen systematisch zu analysieren und bisher unerkannte Zusammenhänge sichtbar zu machen. Der Vortrag stellt einen innovativen Ansatz vor, bei dem digitale Zwillinge forensischer Szenarien mit KI-gestützten Analyseverfahren kombiniert werden. Ausgangspunkt ist die Überführung vorhandener Informationen – von Tatortdokumentationen über Spurendaten bis hin zu Ermittlungsakten – in eine digitale, dreidimensionale Arbeitsumgebung. Innerhalb dieses Modells werden Personen, Objekte und Spuren als interagierende Agenten beschrieben, deren mögliche Handlungen und Beziehungen untersucht werden können. Anhand aktueller Forschungsarbeiten zum Konzept des „Forensium“ wird gezeigt, wie Hypothesen automatisiert generiert, simuliert und hinsichtlich ihrer Plausibilität bewertet werden können. Dabei steht nicht die Ersetzung kriminalistischer Expertise im Vordergrund, sondern deren gezielte Unterstützung: KI dient als Werkzeug zur Strukturierung großer Informationsmengen, zur Erkennung relevanter Muster und zur Identifikation neuer Ermittlungsansätze. Der Vortrag diskutiert Potenziale, Grenzen und praktische Einsatzszenarien dieser Technologien für die Cold-Case-Bearbeitung. Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Verbindung von Forensik, Simulation und Künstlicher Intelligenz dazu beitragen kann, alte Fälle mit neuen Methoden zu betrachten und Ermittlungen auf eine datenbasierte Grundlage zu stellen.
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