

Neu am CDSC: Unsere Vorträge für die breite Öffentlichkeit
Wissenschaftliche Erkenntnisse prägen nicht nur unseren Alltag, sondern auch gesellschaftliche Debatten und politische Entscheidungen. Umso wichtiger ist es, dass Forschungsergebnisse nicht nur innerhalb von Fachkreisen zirkulieren, sondern auch verständlich in die Öffentlichkeit getragen werden. Nur wenn wissenschaftliche Grundlagen, Methoden, Annahmen und Unsicherheiten nachvollziehbar sind, können sie Orientierung bieten und eine informierte gesellschaftliche Diskussion ermöglichen.
Künstliche Intelligenz, Data Science und komplexe Systeme begegnen uns heute in vielen Bereichen, z. B. bei automatisierten Entscheidungen, in der Gesundheits- und Klimaforschung oder beim Verständnis gesellschaftlicher Dynamiken. Gleichzeitig werfen sie vielfältige Fragen auf: Wie entstehen in komplexen Systemen Dynamiken und Muster, die sich nicht unmittelbar aus den Eigenschaften ihrer Bestandteile vorhersehen lassen? Warum verhalten sich manche Systeme anders, als unsere Alltagsintuitionen und gängigen Ursache-Wirkungs-Vorstellungen erwarten lassen? Welche Chancen eröffnen neue Technologien, und wo liegen ihre Grenzen?
Hier setzt die Vortragsreihe "CDSC Schnittstellen" an. In Anlehnung an die technische Bedeutung von Schnittstellen als Austauschpunkte für Informationen versteht sich das Format als Treffpunkt für Wissenschaft und Öffentlichkeit. Im Mittelpunkt stehen nicht technische Details, sondern ein grundlegendes Verständnis der Zusammenhänge und Mechanismen, die unserer Welt zugrunde liegen.
Fachliche Vorkenntnisse sind nicht erforderlich – Neugier genügt.
Programm Wintersemester 2026/27
Zum Auftakt der Reihe freuen wir uns, den Bioinformatiker und Forensiker Prof. Dirk Labudde begrüßen zu können. Als Experte für digitale Forensik erforscht er, wie sich aus digitalen Spuren Tathergänge rekonstruieren lassen. Seine Expertise brachte er bereits in die Aufklärung mehrerer aufsehenerregender Kriminalfälle ein.
Mittwoch, 28.10.2026 | 18.00 Uhr (s.t) | Hörsaal F5, Fürstenberghaus
Prof. Dirk Labudde (Hochschule Mittweida):
Cold Cases neu denken: Künstliche Intelligenz als Werkzeug der Fallanalyse
Cold Cases stellen Ermittlungsbehörden vor besondere Herausforderungen: Häufig liegen umfangreiche Aktenbestände, heterogene Spurenlagen und zahlreiche, teils widersprüchliche Hypothesen vor, während die ursprünglichen Tatorte nicht mehr zugänglich sind. Gleichzeitig eröffnen moderne Verfahren der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz neue Möglichkeiten, historische Ermittlungen systematisch zu analysieren und bisher unerkannte Zusammenhänge sichtbar zu machen.
Der Vortrag stellt einen innovativen Ansatz vor, bei dem digitale Zwillinge forensischer Szenarien mit KI-gestützten Analyseverfahren kombiniert werden. Ausgangspunkt ist die Überführung vorhandener Informationen – von Tatortdokumentationen über Spurendaten bis hin zu Ermittlungsakten – in eine digitale, dreidimensionale Arbeitsumgebung. Innerhalb dieses Modells werden Personen, Objekte und Spuren als interagierende Agenten beschrieben, deren mögliche Handlungen und Beziehungen untersucht werden können.
Anhand aktueller Forschungsarbeiten zum Konzept des „Forensium“ wird gezeigt, wie Hypothesen automatisiert generiert, simuliert und hinsichtlich ihrer Plausibilität bewertet werden können. Dabei steht nicht die Ersetzung kriminalistischer Expertise im Vordergrund, sondern deren gezielte Unterstützung: KI dient als Werkzeug zur Strukturierung großer Informationsmengen, zur Erkennung relevanter Muster und zur Identifikation neuer Ermittlungsansätze.
Der Vortrag diskutiert Potenziale, Grenzen und praktische Einsatzszenarien dieser Technologien für die Cold-Case-Bearbeitung. Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Verbindung von Forensik, Simulation und Künstlicher Intelligenz dazu beitragen kann, alte Fälle mit neuen Methoden zu betrachten und Ermittlungen auf eine datenbasierte Grundlage zu stellen.