Das Konzept

Interaktion | Gesellschaft – Theorie – Praxis | Open Access

Textpraxis. Digitales Journal für Philologie ist die im Halbjahresrhythmus erscheinende Online-Zeitschrift der Graduate School Practices of Literature, Münster.

Die wissenschaftliche Kommunikation verlagert sich auch in den Geisteswissenschaften zunehmend von der Publikation von Monographien auf Aufsätze in Fachzeitschriften. Damit nähert sich die Veröffentlichungspraxis in den Geisteswissenschaften der Publikationskultur der Naturwissenschaften an und verändert die Frequenz der Beiträge.
Im Zuge dieser Entwicklungen verändert sich auch der Ort der Publikation: Zunehmend erscheinen relevante Forschungsergebnisse nicht mehr oder nicht nur in gedruckten und zum Teil schwer zugänglichen Fachjournalen, sondern online. Die Debatte um die Veränderungen der Qualität wissenschaftlicher Arbeiten unter der Perspektive von Open Access, also dem uneingeschränkten und unentgeltlichen Zugang zu Wissen, hält an. Die Positionen reichen von der Ansicht, gute Publikationen verdienten es, durch den Druck gewürdigt zu werden, bis zu dem einleuchtenden Argument, die Qualität einer wissenschaftlichen Arbeit hänge nicht vom Medium (Buch oder Internet) ab. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und weitere hochrangige Wissenschaftsorganisationen unterstützen Open Access als Element der »bestmöglichen Informationsinfrastruktur« nachdrücklich. Es zeichnet sich bereits ab, dass die Zukunft der akademischen Wissensvermittlung weniger auf aufwändige Print-Zeitschriftenprojekte setzen wird, sondern dass eine Demokratisierung und Internationalisierung der Zugänglichkeit über das Internet sich langfristig etablieren wird. Diesem Grundgedanken von Open Access möchte sich Textpraxis anschließen.

Die einfache Übertragung des Konzepts einer gedruckten und über einen Verlag erscheinenden Zeitschrift in eine Online-Variante bleibt dabei weit hinter den Möglichkeiten zurück, die eine wissenschaftliche Publikation im Internet bietet. Textpraxis möchte deswegen das Netzwerkpotenzial einer Online-Publikation nutzen, um nicht nur den Veröffentlichungsort von wissenschaftlichen Artikeln ins Netz zu verlagern, sondern auch den Prozess von Produktion und Rezeption akademischen Schreibens stärker als dialogische Interaktion zu etablieren.

Grundlegende Regeln des wissenschaftlichen Schreibens bleiben dabei unverändert: Publikationen in Textpraxis haben einen oder mehrere verantwortliche Autorinnen bzw. Autoren, folgen den Grundsätzen wissenschaftlicher Publikation in Bezug auf Quellenangaben und Argumentation, sie werden an einem festen Ort im Internet langfristig abrufbar und als unveränderbare Dokumente zitierbar sein, die eindeutig ihren Verfassern zugeordnet sind, sodass das Urheberrecht mit der Entscheidung für die Publikation in Textpraxis in vollem Maße gewahrt bleibt.

Interaktion

Textpraxis nutzt die spezifischen Möglichkeiten eines E-Journals, um zwischen den Beiträgerinnen bzw. Beiträgern, den Gutachterinnen bzw. Gutachtern und den Leserinnen und Lesern einen kreativen Dialog anzuregen. Auf diese Weise etabliert Textpraxis den Prozess der Produktion und Rezeption akademischen Schreibens als dialogische Interaktion. Drei Komponenten zeichnen das Konzept von Textpraxis aus:

1. Begutachtung
Der Begutachtungsprozess der eingereichten Artikel ist explizit als Dialog angelegt. Die Gutachterinnen und Gutachter fungieren dabei weniger als Gatekeeper, sondern als Quelle konstruktiver Kritik, um gemeinsam mit den Autorinnen und Autoren die Qualität der Argumentation und des Schreibens zu optimieren.

2. Kommentar
Alle registrierten Leserinnen und Leser haben die Möglichkeit, die in Textpraxis publizierten Artikel zu kommentieren. Diese Kommentare sind auf den Webseiten von Textpraxis für alle Nutzer einsehbar. Die Kommentare können genutzt werden, um auf weiterführende Literatur hinzuweisen, verwandte Probleme aufzuzeigen oder im Artikel offen gebliebene Fragen zu beantworten.

3. Debatte
Textpraxis ermuntert seine Leserinnen und Leser dazu, auf bereits in Textpraxis publizierte Beiträge mit eigenen Artikeln zu reagieren, die sich mit Thesen und ungeklärten Problemen kontrovers und weiterführend auseinandersetzen. Auf diese Weise entsteht mit Textpraxis ein Forum für Debatten, die durch entsprechende Verlinkungen und Strukturierungen in ihrer Gänze jederzeit zugänglich sind. Anders als die Kommentare werden diese Repliken wie reguläre Artikel begutachtet und redaktionell begleitet.

Durch die Kombination von Begutachtung, Kommentaren und Debatten entsteht die Möglichkeit, problemorientiert gemeinsam an wissenschaftlichen Fragestellungen zu arbeiten, ohne dabei nur auf lokale Forschungsgruppen beschränkt zu sein. Auf diese Weise soll ein aktiver Austausch auch über Disziplingrenzen hinweg ermöglicht werden, ohne einzelne Denkrichtungen zu favorisieren. Textpraxis etabliert damit eine Kommunikationsform, die wissenschaftliche Erkenntnis als vielstufigen und mehrstimmigen Prozess sichtbar macht.

Gesellschaft – Theorie – Praxis

Das Konzept von Textpraxis orientiert sich inhaltlich am Profil der Graduate School Practices of Literature und deren drei thematischen Säulen:

  1. Literatur und Gesellschaft
  2. Theorien der Literaturwissenschaft
  3. Literaturwissenschaft und Praxis

Jede Ausgabe von Textpraxis ist dementsprechend in drei Sektionen untergliedert. Für die Sektionen »Literatur und Gesellschaft« und »Theorien der Literaturwissenschaft« sind die Beitragsformen den literaturwissenschaftlichen Standards entsprechende Fachbeiträge.

In der Sektion »Literaturwissenschaft und Praxis« sollen auch Nicht-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler zu Wort kommen, also Schriftstellerinnen und Schriftsteller sowie andere Kulturschaffende aus dem Verlagswesen oder dem Journalismus sowie Personen mit einem literaturbezogenen Berufsprofil. Diese Beiträge können auch die Form von Essays, Interviews und journalistischen Texten haben.

Textpraxis erscheint halbjährlich mit mindestens einem neuen Artikel pro Sektion, Repliken werden unabhängig von diesem Rhythmus fortlaufend veröffentlicht.

Open Access

Textpraxis ist ein Open Access-Journal. Das bedeutet, dass der gesamte Inhalt frei verfügbar ist und für BenutzerInnen, AutorInnen und LeserInnen oder ihre Institutionen an keiner Stelle Kosten entstehen. BenutzerInnen dürfen alle Artikel lesen, herunterladen, kopieren, verbreiten, drucken, durchsuchen, verlinken und sie für alle anderen legalen Zwecke gebrauchen, ohne vorher bei den AutorInnen oder den HerausgeberInnen um Erlaubnis zu fragen. Diese Prinzipien stimmen mit der Open Access-Definition der Budapest Open Access Initiative (BOAI) überein. Ab Ausgabe # 11 sind alle Artikel unter einer Creative-Commons-Lizenz Namensnennung 4.0 International veröffentlicht.

Weitere Informationen zu Open Access finden Sie auf den Seiten der Informationsplattform open-access.net.

Mit Fragen oder Anregungen zu unserem Konzept wenden Sie sich bitte an die Redaktion über unser Kontaktformular.