Aktuelles

Vorlesungsreihe "WasserWissen"

Poster Ringvorlesung Wise 2019 2020
© NetzwerkWasser Münster

Herzlich Willkommen zur 30. Ringvorlesung WasserWissen im WS 2019/2020 !


Mittwoch, 20.11.2019, 18:15h:


Johanna Buss M.Sc. & Saskia Rohrer M.Sc., WWU Münster:

172 km² Vielfalt im Münsterland – hydrochemische und biologische Untersuchung im Einzugsgebiet der Münsterschen Aa 

Die Münstersche Aa zählt mit ihrem Einzugsgebiet (EZG) von 172 km² zu den erheblich veränderten Fließgewässern und erreicht wie viele Tieflandbäche in NRW nicht das „gute ökologische Potenzial“, das in der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) gefordert wird. Kennzeichnend für das EZG ist der heterogene Verlauf der Münsterschen Aa mit einem stark landwirtschaftlich geprägten Oberlauf, einem Staubereich, einer stark urban geprägten Fließstrecke im Stadtgebiet sowie einem durch Abwasser aus der Hauptkläranlage Münster beeinflussten Unterlauf. Diese Charakteristik bietet eine Vielzahl von Eintragsmöglichkeiten für anthropogene Spurenstoffe, wie Pestizide und Arzneimittel. Die Auswirkungen der Spurenstoffe auf aquatische Organismen sind dabei durch die Vielzahl von Einzelsubstanzen sehr komplex und bisher nur wenig erforscht.
Wie kann in einem solchen, von verschiedenen Stressoren geprägten Raum, eine naturnahe Gewässerentwicklung gelingen? Sind Quellpopulationen als Ausgangspunkt für erfolgreiche Renaturierungen vorhanden? Führt ein räumlich und zeitlich höher aufgelöstes Monitoring-Messnetz zu abweichenden Wasserkörperbewertungen als das übliche WRRL-Monitoring? Ergibt sich ein anderes Bild hinsichtlich des Arten- und Individueninventars, insbesondere der FFH-Artenbestände?
Durch ein dichtes Netz an Probenahmestellen im gesamten EZG, sowie Wochenmischproben zweier automatisierten Probensammler nach dem oberen Einzugsgebiet und im Mündungsbereich wird das Gewässer räumlich und zeitlich hoch aufgelöst beprobt. Vor-Ort Parameter (pH, Temperatur, Leitfähig-keit, O2-Gehalt), TOC-Gehalt, Anionen, Kationen und organische Spurenstoffe (HPLC-HRMS) werden zur Beurteilung der Gewässerqualität herangezogen. Außerdem werden Makrozoobenthos- und Fischbestandsdaten an ebendiesen Probenahmestellen erhoben und entsprechend der Verfahren im NRW-WRRL-Monitoring evaluiert.
Die Ergebnisse der ersten Stichtagsbeprobung zeigen deutliche Zusammenhänge zwischen dem Abfluss der Münsterschen Aa und der Stoffbelastung. Bei abwasserbürtigen Stoffen, wie z.B. dem Betablocker Metoprolol lässt sich bei hohem Abfluss ein Verdünnungseffekt beobachten. Außerdem treten diese Stoffe nur nach Zuleitung aus Kläranlagen auf. Für Pestizide hingegen zeigt sich eine Korrelation von Konzentrationsmaxima nach Ausbringzeiten im Zusammenhang mit Niederschlägen und dadurch erhöhten Abfluss. Die ökologischen Potenzialbewertungen nach dem fischbasierten Bewertungssystem der ersten Elektrobefischung lagen zwischen „mäßig“ und „schlecht“. Allerdings zeigten sich bei der Fischbestandserhebung in Einzelbereichen Arten, die eine gute Grundlage für die Wiedervernetzung von Lebensräumen bieten könnten. Dies sollte vor dem Hintergrund des Strahlwirkungs- und Trittsteinkonzeptes entwickelt werden.
Gefördert wird das Projekt durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU).


Veranstaltungsort im Wintersemester:
Fachhochschule Münster
Audimax B008
Corrensstraße 25


Aktualisiert:
18.11.2019