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Bei der mündlichen und schriftlichen Sprachproduktion passen wir die Struktur unserer Äußerungen systematisch an die im Kontext verfügbare Information und an das aktuelle Vorwissen der Rezipienten an. Jede Äußerung bekommt so eine bestimmte Informationsstruktur. Im Seminar werden grammatische Eigenschaften des Deutschen behandelt, die dem Ausdruck der verschiedenen Aspekte von Informationsstruktur dienen. Dabei befassen wir uns u.a. mit den folgenden Fragen: Welche Mittel stehen zur Verfügung, um neue von im Kontext bereits gegebener Information zu unterscheiden? Wie kann angezeigt werden, was als Thema einer Äußerung verstanden werden soll? Wie wird besonders hervorgehobene oder kontrastierte Information markiert? Wie interagiert die Informationsstruktur von Äußerungen mit dem Aufbau von Diskursen?
In dem Seminar wird die mündliche und schriftliche Darstellung sprachwissenschaftlicher Forschung geübt, indem Entwürfe von Referaten/Hausarbeiten in verschiedenen Bearbeitungsstadien regelmäßig in Beratergruppen diskutiert werden.
- Lehrende/r: Christine Dimroth
Das Streben nach der totalen Einheit? Eine Art der Fürsorge, des Sich-um-den-anderen-Kümmerns? Ein Austausch zwischen den Liebenden? In der Debatte konkurrieren seit der Antike und bis heute drei verschiedene Modelle: das Verschmelzungsmodell, das seinen ältesten Ausdruck in Platons Symposion gefunden hat und in der neueren philosophischen Forschung z.B. von den analytischen Philosophen Nozick und Salomon vertreten wird; das heute weithin akzeptierte Fürsorgemodell, das auf Aristoteles zurückgeht und in der analytischen Philosophie besonders prominent von Frankfurt vertreten wird; und schließlich das Dialogmodell, das sich ebenfalls auf Aristoteles beruft und beispielsweise von Scruton und (im deutschen Sprachraum) Krebs unterstützt wird.
Im Seminar wollen wir die drei Modelle anhand von Texten ihrer Vertreter studieren und sie gegeneinander (und natürlich gegen unser eigenes Vorverständnis) abwägen. Dies soll schon während des Seminars immer wieder auch durch schriftliche Reflexionen erfolgen. Neben dem Willen zur Lektüre der Seminartexte sollten Teilnehmer also auch ein aktives Interesse daran haben, ihre Überlegungen schriftlich darzustellen.
- Lehrende/r: Sibille Mischer
Unser Blick auf die Vergangenheit ist durch ganz verschiedene Faktoren geprägt. Welche Zeugnisse sind überhaupt verfügbar? Welche Perspektive nehmen diejenigen ein, die über Geschichte schreiben? Mögen auch Einzeldaten feststehen, beinhaltet die Gesamtdarstellung eines Ereignisses doch immer eine Deutung.
Dies wird besonders am Beispiel der Reformation deutlich. Die Deutungen der Reformationsereignisse variieren je nach Epoche und je nach Blickwinkel der Kirche, die auf die Reformation zurückschaut. Die Bandbreite reicht von der Einschätzung Luthers als Ketzer und Kirchenspalter bis zum Befreier der Menschheit.
Im Seminar möchten wir uns mit den Reformationsereignissen und ihren verschiedenen konfessionellen Deutungen beschäftigen. Dafür werden Zeugnisse aus unterschiedlichen Epochen bis hin zur Gegenwart untersucht. Zudem wird es um die Frage nach einem Ertrag der gemeinsamen Geschichte für die ökumenische Zusammenarbeit gehen.
Das kirchengeschichtliche Seminar ist eine Kooperationsveranstaltung und richtet sich an evangelische, freikirchliche und katholische Studierende. Dozierende sind Sabine Hübner (Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik, Oldenburg), Fabian Kunze (Evangelisch-Theologische Fakultät, Tübingen) und Agnes Slunitschek (Katholisch-Theologische Fakultät, Münster).
Das Seminar besteht aus einer Exkursion nach Erfurt (21.-24.06.2018) sowie Treffen zur Vor- und Nachbereitung. Die Vorbereitungstreffen dienen der Einführung in die Methoden kirchengeschichtlichen Arbeitens. In Erfurt liegt neben dem Besuch bedeutender Lutherstätten wie dem Augustinerkloster oder der Theologischen Fakultät ein Schwerpunkt auf dem interkonfessionellen Gespräch über verschiedene Reformationsbilder.
Anzahlung: 50,00 €. Die genauen Kosten stehen noch nicht fest, da die Höhe der Zuschüsse und die Fahrtkosten noch nicht klar sind. Enthalten sind Unterkunft in Mehrbettzimmern im re4 Hostel Erfurt, Vollverpflegung in Erfurt (Verpflegung für die Anreise bitte selbst mitbringen), Fahrtkosten mit der Deutschen Bahn sowie Eintritte in Erfurt.
Die Teilnehmerzahl ist für Studierende der Katholisch-Theologischen Fakultät Münster auf 10 Personen begrenzt.
Bei Fragen können Sie sich gerne an Agnes Slunitschek (a.slunitschek@uni-muenster.de) wenden.
- Lehrende/r: David Christian Kulke
Die Finanz- und vor allem Bankenkrise seit 2008 provoziert immer wieder Vergleiche mit dem „schwarzen Freitag“ der Weltwirtschaftskrise 1929; die Besetzung der Krim durch russisches Militär wurde wiederholt mit dem Ersten Weltkrieg verglichen; der Krieg in Syrien und die Migration nach Deutschland haben sogar Parallelisierung mit der Völkerwanderung hervorgebracht. Was in der Publizistik und in sonstigen Öffentlichkeiten zum Geschäft gehört, bedarf in der Geschichtswissenschaft durchaus des Nachdenkens. Wenn der Münchner Historiker Hans Günther Hockerts das Schlagwort von der „Zeitgeschichte als Problemgeschichte der Gegenwart“ aufwarf, dann modifiziert das Fach durchaus das viele Jahrzehnte selbst gepflegte Selbstverständnis. Das Seminar wird daher im ersten Drittel der Sitzungen verschiedene Ansätze dazu prüfen, was „Zeitgeschichte“ definiert und ob und wie sich eine „jüngste Zeitgeschichte“ sinnvoll etablieren lässt. Dabei ist ein hohes Lektürepensum aller Teilnehmenden die Voraussetzung. Im zweiten Drittel des Seminars werden wir an ausgewählten Problemstellungen der deutsch-deutschen Geschichte in Perspektive auf das wiedervereinigte Deutschland nach 1990 der Frage nachgehen, inwieweit sich die Geschichte der Vereinigungsgesellschaft aus den jeweils historischen Erfahrungs- und Erwartungsräumen erzählen lässt. Abschließend wird dann Gelegenheit sein, an ausgewählten Problemstellungen (Migration, politischer Partizipation o.a.) oder am Beispiel eigener Entwürfe der Teilnehmenden die Perspektive auszuweiten.
- Lehrende/r: Thomas Großbölting
Das Schlagwort ‚Inklusion‘ ist derzeit in aller Munde. Unklar ist aber oft, was genau darunter zu verstehen ist. Es konkurrieren ‚weite‘ und ‚enge‘ Inklusionsbegriffe, sozialwissenschaftliche, rechtliche und andere Definitionen von ‚Inklusion‘. In diesem Seminar werden wir uns mit Fragen der Inklusion von Menschen mit Behinderungen befassen und dabei eine philosophische Perspektive einnehmen (im Unterschied etwa zu erziehungswissenschaftlichen, soziologischen oder anderen disziplinären Blickwinkeln).
Im ersten Teil des Seminars wollen wir uns mit begrifflichen Problemen befassen (etwa dem Problem, wie die Begriffe der Behinderung bzw. Inklusion eigentlich genau zu fassen sind), um uns im zweiten Teil ethischen und gerechtigkeitstheoretischen Themen zuzuwenden. Wir werden fragen, was es für Menschen mit Behinderungen bedeutet, ein ‚gutes Leben‘ zu führen. Und wir werden uns mit der im Zuge der Ratifikation und Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention praktisch relevant gewordenen Frage beschäftigen, ob es ein ‚Menschenrecht auf Inklusion‘ gibt bzw. überhaupt geben kann. Im dritten Teil des Seminars werden wir einen Blick auf ausgewählte und ganz aktuelle Probleme der Inklusion von Menschen mit Behinderungen im Bildungswesen und in der Arbeitswelt werfen.
Wenn Sie sich ein wenig vorbereiten und in die Thematik einarbeiten möchten, so können Sie sich beispielsweise mit der Arbeit der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention des Deutschen Instituts für Menschenrechte vertraut machen (http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/monitoring-stelle-un-brk/) oder einen der folgenden Einträge in der Stanford Encyclopedia of Philosophy lesen:
Wasserman, David, Asch, Adrienne, Blustein, Jeffrey & Putnam, Daniel (2016): Artikel „Disability: Definitions, Models, Experience“, in: Edward N. Zalta (Hg.): The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Summer 2016 Edition), https://plato.stanford.edu/archives/sum2016/entries/disability/
Dieselben (2015): Artikel „Disability and Justice“, ebd., https://plato.stanford.edu/archives/sum2015/entries/disability-justice/
- Lehrende/r: Sibille Mischer
- Lehrende/r: Katja Stoppenbrink
Das Seminar behandelt die Eigenschaften der gesprochenen deutschen Gegenwartssprache und die Chancen, die ihre Behandlung im (DaF-)Unterricht bietet. Im ersten Teil des Seminars werden auf der Grundlage von theoretischen Texten Merkmale der gesprochenen Sprache erarbeitet. Im zweiten Teil geht es um den Nutzen dieser Kenntnisse für den Bereich Deutsch als Fremdsprache. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Didaktisierung der Phänomene der gesprochenen Sprache für den (DaF-)Unterricht in Form einer Erstellung von Lehreinheiten.
- Lehrende/r: Marcel Fladrich
- Lehrende/r: Juliane Schopf
Nicht alleine Steine und Mauerwerk machen eine Stadt aus, so lehrt es die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla, sondern vor allem die dort lebenden Menschen. Diesem sozialen Kosmos innerhalb des Mauerrings will sich das Proseminar zuwenden. Es widmet sich der Genese und Entwicklung der 'verschworenen' Gemeinschaft innerhalb des Mauerrings und durchleuchtet ihr engmaschige Beziehungsgeflecht aus familiären Banden, politischen Netzwerken, religiösen Zusammenschlüssen und geschäftlichen Verbindungen. Der Blick richtet sich dabei auf die konkreten Praktiken des Zusammenlebens: vom Bürgereid über den Mauerbau und die Müllbeseitigung bis zu den alltäglichen Lustbarkeiten. Die Betrachtung ausgewählter Sachverhalte auf Basis ihrer zeitgenössischen Quellenzeugnisse dient dabei der Einübung grundlegender Techniken und Methoden des fachwissenschaftlichen Arbeitens in der Epochendisziplin der Mittelalterlichen Geschichte.
- Lehrende/r: Jan Keupp
In diesr Vorlesung werden Grundlagen der Syntax der deutschen Sprache vermittelt. Wir werden uns mit Wortarten, Satzgliedern, Phrasen sowie einfachen und komplexen Sätzen am Beispiel der deutschen Sprache befassen. Darüber hinaus werden verschiedene Syntaxmodelle und -theorien vorgestellt. Abschließend beschäftigen wir uns mit Fragen des Grammatikerwerbs.
Lektüregrundlage der Vorlesung ist: Imo, Wolfgang (2016): /Grammatik. Eine Einführung/. Stuttgart: Metzler.
- Lehrende/r: Christine Dimroth
Das Skateboarden ist eine seit jahrzehnten existierende Sport- und Jugendkultur, die sich immer wieder gewandelt hat und sich bis heute einer eindeutigen Festlegung verweigert. Die Wiege des Skateboardens steht in Kalifornien/USA, aber eine seiner deutschen und europäischen Keimzellen liegt in Münster, wo der Sportlehrer Eberhard "Titus" Dittmann zunächst sich und seine Schüler auf ein Rollbrett stellte, eine Zeitschrift gründete und schließlich u.a. eine Skateboard-Weltmeisterschaft organisierte. Das Seminar findet also auf "historischem Boden" statt. Es will den Ursprüngen und der Entwicklung des Skateboardens in den USA und Deutschland nachgehen und seine besondere Kultur ("Skate and Create/Destroy") analysieren und hinterfragen. Bitte den Blocktermin (8./9.6.; 10-13, 14-16 Uhr) beachten! Bitte per Email an kai.reinhart@uni-muenster.de bewerben.
- Lehrende/r: Kai Thomas Reinhart
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Was sich mit der deutschen Sprache machen lässt, das hat Thomas Mann (1875-1955) bis an äußerste Grenzen gezeigt. Besonders in sein spätes Werk lässt er zweifellos auch Philosophie einfließen. Dabei arbeitet er mit allen Möglichkeiten, die er als Schriftsteller hat. Wir wollen ein Experiment wagen, nämlich: ausgewählte Passagen aus dem vierbändigen Roman „Joseph und seine Brüder“ (1933/1943), die mehr oder weniger offensichtlich philosophisches Potential haben, als philosophische Texte lesen. In einigen Fällen bietet es sich an, Vergleichs- und Kontrast-Texte anderer Autoren heranzuziehen. Vielleicht erlaubt die Textsorte einen etwas anderen Zugang zu philosophischen Problemen. Es könnte um die Zeit gehen, um personale Identität, um Paradigmen wissenschaftlicher Gemeinschaften, um Naturgesetze und Handlungsfreiheit, um Tatkraft und Mitleid und um vieles mehr. |
- Lehrende/r: Friedemann Drews
- Lehrende/r: Niko Strobach
In der Veranstaltung "Tanzen in der Schule" wird der Vermittlung von Tanz und Tänzen als Teil unterschiedlicher Bewegungskulturen besondere Beachtung geschenkt.
Die pädagogische, soziale und kulturelle Bedeutung soll thematisiert werden. Neben körperbildenden Übungen und Spielformen werden einfache Tänze für die Schule erarbeitet und auf unterschiedliche Weise vermittelt.
Insbesondere Kreistänze bilden den Schwerpunkt dieses Seminars.
Theoretische Grundlagen werden dargestellt und praktisch umgesetzt. Geplant ist, Gelerntes in der Schule anzuwenden.
Diese Veranstaltung wird für die institutsinterne Ausbildung zum "Tanzleiter für Tanzkultur" des Deutschen Bundesverbandes Tanz anerkannt. Hierfür muss bei Abschluss des Seminars eine Lehrprobe gehalten werden.
- Lehrende/r: Ines Traber
Computerspiele sind wichtiger Bestandteil des Alltags von Jugendlichen wie Erwachsenen; fast die Hälfte der Deutschen spielt regelmäßig am PC, Handy und/oder Konsole. Ein nicht geringer Teil der Spiele thematisiert historische Inhalte, weshalb angenommen werden kann, dass das Medium die Vorstellungen der Spielenden von Geschichte beeinflusst. Im ersten Teil der Übung werden theoretische Ansätze zur Beschreibung und Analyse der Darstellung von Geschichte in Computerspielen aus Perspektive der Geschichtsdidaktik und Geschichtswissenschaft sowie der Game Studies vorgestellt. Im zweiten Teil der Übung analysieren wir auf Basis dieser Ansätze konkrete Spiele bevor schließlich darauf aufbauend mögliche Konsequenzen für das historische Lernen diskutiert werden.
- Lehrende/r: Christian Winklhöfer
Seit dem Aufschwung der postcolonial studies ist das Interesse der Forschung für Imperien gewachsen, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln analysiert werden: Unter dem Aspekt des Verhältnisses von Zentren und Peripherien, der imperialen Eliten, der imperialen Ressourcen oder auch der imperialen „Mission“. Diesen neueren Ansätzen steht die traditionelle Reichsgeschichte gegenüber, die zu den etablierten Kerngebieten der deutschen Mediävistik zählt. Die Ergebnisse der älteren Reichsgeschichte können heute mit den Postulaten neuerer Ansätze konfrontiert werden und erscheinen so in einem ganz anderen Licht: Das römisch-deutsche Kaisertum kann nicht nur mit dem byzantinischen Reich verglichen werden, sondern auch mit anderen regionalen Kaisertiteln, die nicht auf Rom bezogen waren (etwa bei den Angelsachsen und in Spanien); das Interesse der Forschung richtet sich aber auch auf den außereuropäischen Bereich, wo nicht nur das islamische Kalifat in den Blick genommen wird (zeitweise gab es drei rivalisierende Kalifate, die auch mit christlichen Imperien konkurrierten), sondern auch das chinesische Kaisertum, manchmal ergänzt um andere ostasiatische Kaisertümer wie in Japan. Nicht zuletzt findet auch das mongolische Weltreich Berücksichtigung, das – neben dem byzantinischen Kaisertum – eine Legitimationsquelle für das Moskauer Imperium des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit darstellte. Das Seminar thematisiert unterschiedliche Kaisertümer und berücksichtigt dabei insbesondere die Frage der möglichen Vergleichbarkeit.
- Lehrende/r: Wolfram Drews
Erzählen wird in der jüngeren, kulturwissenschaftlich ausgerichteten und zunehmend kontextorientierten Narratologie als eine ‚anthropologische Universalie‘ betrachtet, wird doch, so die in jenem Zusammenhang häufig vertretene Annahme, überall erzählt – zeiten- ebenso wie kulturraumübergreifend. Dabei gerät nicht selten eine fundamentale heuristische Differenzierung zwischen erzählten Geschichten (histoire) und Erzählweise (discours) wieder aus dem Blick, die doch eine der Grundlagen strukturaler Erzähltheorie des 20. Jahrhunderts darstellte. Ihre Leistungsfähigkeit bestand und besteht insbesondere auch in einer Berücksichtigung der Medialität des Erzählens – in einer Trennung nämlich zwischen medienabhängiger (discours) und medienunspezifischer Ebene (histoire) des Erzählens.
Der Kurs will hier erneute Aufmerksamkeit auf die Leistungsfähigkeit einer von den erzählten Ereignisfolgen der Texte abstrahierten strukturalen Erzähltheorie lenken. Auf der Basis einer intensiven Lektüre von Jurij M. Lotmans in „Die Struktur literarischer Texte“ (dt. 1972) dargelegter Grenzüberschreitungstheorie soll insbesondere der Zusammenhang von Ereignisfolgen, Raumkonstruktion, Bedeutungsgebung und narrativen Strukturen in literarischen Texten untersucht werden.
Im Mittelpunkt steht dabei die für Lotmans Texttheorie zentrale Annahme, dass künstlerische Texte eigenständige Welten entwerfen, die nach eigenen Regeln und Logiken organisiert sind und jeweils spezifische ‚Bedeutungsräume‘ erschaffen. Grundannahme ist, dass sich aus dem Figurenhandeln in der dargestellten Textwelt, aus den ‚Raumwechseln‘ und ‚Grenzüberschreitungen‘ der Figuren, nach Lotman die narrative Struktur des Textes ableiten lässt. Die Rekonstruktion der je spezifischen Raumordnung von Texten stellt somit ein Analyseverfahren dar, auf dessen Basis sich anschließend die durch ‚Raumwechsel‘ repräsentierten Erzähl- als ‚Ereignis‘-Strukturen beschreiben lassen. Von Interesse ist dabei vor allem, wie die Teilbereiche der dargestellten Textwelten ‚semantisiert‘, d.h. mit sekundärer semiotischer Bedeutung versehen sind – und in welchem Verhältnis Figurenhandeln und Raumordnung im einzelnen Text zueinander stehen.
Mit diesen und weiteren Fragen befasst sich das Seminar in einem ersten Teil, in dem wir auf der Basis der Grenzüberschreitungstheorie Jurij M. Lotmans ein Modell zur Analyse narrativer Strukturen erarbeiten wollen. Dessen praktische Eignung als ein Werkzeug zur epochen-, gattungen- und medienübergreifenden Textanalyse werden wir dann in einem zweiten Teil des Kurses an Textbeispielen unterschiedlicher Gattungen aus der deutschen Literaturgeschichte vom 17. bis zum 21. Jahrhundert erproben. Überprüft werden soll dabei auch, inwieweit sich Lotmans strukturale Erzähltheorie für eine historische Spezifizierung von Texten und Textkorpora funktionalisieren lässt: Kann über die Rekonstruktion von Raumsemantiken und Ereignisstrukturen auf der histoire-Ebene von Texten zugleich ein literarischer und kultureller Wandel abgebildet werden?
Von Relevanz sind dabei u.a. folgende Aspekte:
- die Konzeption von Textualität und das Verhältnis von Text und Kontext,
- die Konstituierung von 'Bedeutung' durch Differenzlogik,
- der Zusammenhang von ereignishaftem Figurenhandeln und Narrativität,
- die Raumkonstruktion mittels semantischer Grenzziehungen,
- die in den Texten entworfenen Wert- und Normsysteme.
Wichtige Termininformation: Der Lektürekurs wird mit einem Kompaktseminar am 6. und 7.2.2017 (CIP-Pool, VSH) abgeschlossen.
Seminarlektüre (bitte anschaffen!):
- Jurij M. Lotman: Die Struktur literarischer Texte, 4. Aufl. München 1993.
- Michael Titzmann: Strukturale Textanalyse. Theorie und Praxis der Interpretation, 3. Aufl. München 1993 [Kopiervorlage, erhältlich ab dem 20.10. im Sekretariat VSH 150].
- Lehrende/r: Andreas Blödorn
- Lehrende/r: Julius Noack
Der Deutsch als Zweitsprache-Unterricht und die Mehrsprachigkeitsdidaktik stehen vor gewaltigen Herausforderungen. Erstens hat seit wenigen Jahren der Migrationsdiskurs über die angeblich mangelhafte sprachlich-kulturelle Integration insbesondere deutsch-türkischer und deutsch-arabischer Migrantinnen und Migranten selbst der dritten Generation wieder an Brisanz gewonnen. Zweitens haben diese Diskurse durch den signifikanten Anstieg der Flüchtlingszahlen nach Europa
und insbesondere nach Deutschland vor allem seit 2015 eine neue Dimension erreicht, denn die veränderte Situation zwingt zu neuen Antworten auf Fragen, wie ein interkulturelles Miteinander im Einwanderungsland Deutschland sinnvoll zu gestalten sei. In den Migrationsdiskursen spielt die Bedeutung der Sprache und dabei eine erhöhte Sensibilität für tatsächliche oder potenzielle, simultan oder sukzessive erworbene Mehrsprachigkeit von Schülerinnen und Schülern mit „Migrationshintergrund“ eine ganz zentrale Rolle. -- In dem als Blockseminar konzipierten Seminar soll in einem ersten Schritt der Fokus auf Definitionen, Debatten und Diskurse zur Rolle der deutschen Sprache und anderer Varietäten (u. a. „Kiezdeutsch“) für Migrantinnen und Migranten gerichtet werden. Es geht um metasprachliche Äußerungen, die Sprache und Sprachumgang thematisieren und bewerten. Dabei wird in zentrale Aspekte, in Theorien, Methoden und Beispiele der Sprachkritik, Sprachdiskursforschung und Mehrsprachigkeit eingeführt. In einem zweiten Schritt werden auf Basis des erworbenen Wissens pädagogische Perspektiven im Sinne einer kritischen Mehrsprachigkeitsdidaktik eröffnet: Wie lässt sich eine erhöhte Sensibilisierung für Mehrsprachigkeit im Unterricht sinnvoll nutzen und methodisch ganz praktisch umsetzen?
- Lehrende/r: Arndt Kremer
1935 veröffentlichte der Historiker Carl Erdmann sein Standardwerk zur Entstehung des Kreuzzugsgedankens, das die Forschung bis heute nachhaltig prägt. Als einer von wenigen deutschen Mediävisten bewahrte der Autor Distanz zum nationalsozialistischen Regime, weshalb der Historikerverband seinen seit 2011 verliehenen Preis für neu Habilitierte nach ihm benannt hat; bekanntlich war es schwierig, politisch unbelastete Historiker zu finden, die noch dazu wegweisende Forschungsarbeiten vorgelegt hatten, nach denen ein Preis zur Förderung des sogenannten wissenschaftlichen Nachwuchses benannt werden konnte. Das Seminar führt anhand von Erdmann und seinem Werk in die Geschichte des Faches und in das historische Arbeiten ein. Thematisch behandelt werden die Frage nach „heiligen Kriegen“, nach der Sakralisierung der Kriegführung, nach dem Verhältnis von Klerus und Krieg, nach dem Verhältnis des Papsttums zum Einsatz militärischer Gewalt und zuletzt die konkreten historischen Voraussetzungen für den Aufruf Papst Urbans II. in Clermont von 1095, der den Anstoß zum ersten Kreuzzug lieferte.
- Lehrende/r: Wolfram Drews
Die unterschiedlichen Varietäten der deutschen Sprache (Dialekte, Alltagssprache, Standardsprache, ...) werden hinsichtlich ihrer besonderen Merkmale betrachtet und ihr Wandel anhand von unterschiedlichen Modellen untersucht. Dabei werden die Ursachen und die Auswirkungen der Veränderungen einzelner sprachlicher Elemente in den Blick genommen und analysiert. Im Fokus dieser Untersuchung stehen neu entstandene Wörter der Gegenwartssprache.
- Lehrende/r: Handan Budumlu
Anhand der deutschen Sprachgeschichte werden in diesem Seminar die unterschiedlichen Formen und Phänomene des Sprachwandels im diachronen Längsschnitt vorgestellt. Hierbei werden verschiedene Sprachwandeltheorien betrachtet und die Ursachen und die Auswirkungen des Sprachwandels anhand von Modellen erklärt.
- Lehrende/r: Handan Budumlu
Die Frage nach der Bedeutung und den Zielen menschlicher Bildung hat Philosophen von jeher beschäftigt. In der Debatte überkreuzen sich traditionell zwei Ansprüche: Durch ihre Bildungseinrichtungen will eine Gesellschaft einerseits die jeweils nachrückende Generation zur Übernahme als zentral erachteter gesellschaftlicher Rollen und Aufgaben qualifizieren. Philosophische Überlegungen zur Bildung schließen daher an die Sozialphilosophie an. Andererseits ist Bildung auch Teil und Voraussetzung für ein individuell gutes Leben und rückt damit in den Fokus der Ethik. Im Seminar sollen historisch wichtige und wirkmächtige Ansätze wie der Neuhumanismus und der Pragmatismus in den Blick genommen und diskutiert werden, die beiden Ansprüchen gerecht zu werden versprechen. Daneben soll aber auch der methodologische Beitrag der Philosophie berücksichtigt werden: Die analytisch geprägte „philosophy of education“ hat es sich, weitgehend unbeachtet im deutschen Sprachraum, schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Aufgabe gemacht, verbreitete Slogans zu Bildung und Erziehung einer begrifflichen Klärung zu unterziehen, sie auf innere Widersprüche hin zu untersuchen und damit der pädagogischen Phrasendrescherei vorzubeugen. Die im Seminar behandelte Literatur wird in der ersten Seminarsitzung bekannt gegeben.
- Lehrende/r: Sibille Mischer
Seit wenigen Jahren hat der Migrationsdiskurs über die vermeintlich mangelhafte Integration bzw. Integrierbarkeit insbesondere deutsch-türkischer Migrantinnen und Migranten selbst der dritten Generation in Deutschland wieder an Brisanz gewonnen. Dies ist auch einigen jüngeren Buchveröffentlichungen und der auf sie folgenden kontroversen Mediendebatten
(u. a. Thilo Sarrazin) geschuldet.
In den Migrationsdiskursen spielt die erhöhte Sensibilität für die Mehrsprachigkeit von Schülerinnen und Schülern mit "Migrationshintergrund" eine zentrale Rolle. Der seit den 90er Jahren neu formulierten Analyse eines „monolingualen Habitus“ (Ingrid Gogolin) in deutschen Klassenzimmern wird teils immer noch mit einer Kritik an der angeblich mangelnden Beherrschung der deutschen Umgebungssprache durch Migrantinnen und Migranten begegnet. Das Seminar möchte den Fokus auf Definitionen, Debatten und Diskurse zur Rolle der deutschen Sprache und anderer Varietäten (u. a. „Kiezdeutsch“) für Migrantinnen und Migranten richten. Es geht um metasprachliche Äußerungen, um Äußerungen also, die -- wie im Falle von Sprachkritik -- Sprache und Sprachumgang thematisieren und bewerten.
In den ersten Blöcken des als Blockseminar konzipierten Seminars wird in zentrale Aspekte der Sprachkritik, Sprachdiskursforschung und Mehrsprachigkeit eingeführt. Diese sollen helfen, Kriterien des metasprachlichen Argumentierens im Migrationsdiskurs aufzudecken. Im fünften Block werden diese Aspekte anhand ausgesuchter Quellen zum Migrationsdiskurs konkretisiert. Schließlich werden pädagogisch-didaktische Perspektiven eröffnet: Wie lässt sich eine erhöhte Sensibilisierung für Mehrsprachigkeit im Unterricht sinnvoll nutzen und praktisch umsetzen?
- Lehrende/r: Arndt Kremer
1990 trat die damalige DDR der Bundesrepublik bei, so die Formulierung der zwischen-teilstaatlichen Vereinbarungen. Das Seminar nimmt das 25jährige Jubiläum zum Anlass, den Weg zur Wiedervereinigung, den Vereinigungsprozess selbst wie auch die Vereinigungsgesellschaft der 1990er in den Blick zu nehmen. Warum brach die DDR zusammen? Wie ‚funktionierte’ die Wiedervereinigung im internationalen und nationalen Kontext? Wuchs tatsächlich zusammen, was zusammengehörte? Um diese und andere Fragen zu beantworten, werden wir auf dem Hintergrund des politikhistorischen Rahmens zentrale Institutionen (Treuhand, Stasiunterlagenbehörde), wichtige Debatten (Ossi-Wessi) wie auch die geschichtspolitischen Verwerfungen dieser Jahre analysieren. Zur Vorbereitung empfiehlt es sich, die entsprechenden Kapitel in einer der in den vergangenen Jahren so zahlreich erschienenen Deutschen Geschichten des 20. Jahrhunderts zu lesen. Nur als Beispiele: Ulrich Herbert, Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert, München 2014; Andreas Rödder, Deutschland einig Vaterland. Die Geschichte der Wiedervereinigung, München 2009, und viele mehr.
- Lehrende/r: Thomas Großbölting
Seit wenigen Jahren hat der Migrationsdiskurs über die vermeintlich mangelhafte Integration bzw. Integrierbarkeit insbesondere deutsch-türkischer Migrantinnen und Migranten selbst der dritten Generation in Deutschland wieder an Brisanz gewonnen. Dies ist auch einigen jüngeren brisanten Buchveröffentlichungen und der auf sie folgenden Mediendebatten (u. a. Th. Sarrazin) geschuldet.
Das Seminar möchte den Fokus auf die in den öffentlichen Medien geführten Diskussionen über die Rolle der deutschen Sprache im Hinblick auf eine verfehlte, gelungene oder noch zu erreichende kulturelle Integration nicht nur, aber insbesondere deutsch-türkischer Migrantinnen und Migranten richten. In den Migrationsdiskursen spielt die erhöhte Sensibilität für die Mehrsprachigkeit von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund eine zentrale Rolle. Der seit den 90er Jahren neu formulierten Kritik am „monolingualen Habitus“ (I. Gogolin) in deutschen Klassenzimmern wird teils immer noch mit einer Kritik an der angeblich mangelnden Beherrschung der deutschen Umgebungssprache durch Migrantinnen und Migranten begegnet.
Im ersten Teil des Seminars wird in Theorien der Sprachkritik, Sprachdiskursforschung und Mehrsprachigkeit eingeführt. Im zweiten Teil werden diese Theorien anhand ausgesuchter Quellen unter Rückgriff auf gezielte Korpusanalysen konkretisiert. Schließlich werden im Anschluss an die theoretische und empirische Analyse mögliche pädagogisch-didaktische Konzepte verhandelt. Diese sollen helfen, den Unterschied logisch inhärenter und ethisch-kultureller Plausibilitätskriterien des metasprachlichen Argumentierens über Sprache im Migrationsdiskurs aufzudecken.
- Lehrende/r: Arndt Kremer
(Vertretung des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte / Zeitgeschichte)
081819 Vorlesung: Der Nationalsozialismus. Hitler und die Deutschen im 20. Jahrhundert
Zeit: Mi., 10-12 Uhr; Ort: Schlossplatz 7, Raum SP 7; Beginn: 1. Vorlesungswoche
Das zwölf Jahre währende nationalsozialistische Herrschaftssystem, das im Zweiten Weltkrieg weite Teile Europas unter seine verheerende Kontrolle brachte, reichte in seinen Ursprüngen bis in die Zeit des Ersten Weltkriegs zurück, in seinen Konsequenzen überdauerte es das Jahr 1945 für viele Jahrzehnte. In der Vorlesung soll die Geschichte des Nationalsozialismus in die Geschichte des 20. Jahrhunderts eingeordnet werden, von den frühen Anfängen Hitlers und der NSDAP bis hin zu den schwierigen Versuchen einer Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik und der DDR. Dabei soll insbesondere der Frage nach dem Verhältnis zwischen dem Diktator, seiner politischen Bewegung und der deutschen Bevölkerung in den Schlüsseljahren 1933 bis 1945 nachgegangen werden, um die Mechanismen des nationalsozialistischen ‚Führerstaates’ im Anschluss an Max Weber als eine Form radikalisierter ‚charismatischer Herrschaft’ auszuweisen.
Literatur: Michael Wildt, Geschichte des Nationalsozialismus, Göttingen 2008; Ian Kershaw, Hitler, 2 Bde., München 2002; Hans-Ulrich Thamer, Der Nationalsozialismus, Stuttgart 2002; ders./Simone Erpel (Hg.), Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen (Ausstellungskatalog), Berlin 2010.
- Lehrende/r: Klaus Große Kracht
Dass die Einführung des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) Folgen haben wird für die Arbeits-, Berufs- und Einkommenschancen der EU-Bürgerinnen und Bürger gilt als sicher. Uneinigkeit herrscht dagegen bei der Frage, ob die Folgen positiv oder negativ sein werden. Befürworter des EQR erhoffen sich vor allem eine deutliche Relativierung der Fixierung insbesondere des deutschen Arbeitsmarktes auf formale Schul- und Berufsabschlüsse.
In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Berufsförderung und Ausbildung mbH sowie Einrichtungen der beruflichen Bildung in Großbritannien will das Seminar der Frage nachgehen, unter welchen Voraussetzungen der EQR zur Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe und Integration beizutragen vermag.
- Lehrende/r: Katy Teubener
Rund 14.000 Studierende waren im Wintersemester 2009/2010 an den deutschen Universitäten in den Fächern evangelische und katholische Theologie eingeschrieben, davon 1347 in Münster. Gerade angesichts des zu verzeichnenden Rückganges der Studierendenzahlen (zu Hochzeiten, im WS 84/85, lernten an der WWU 2900 künftige Theologen) sowie populistischer Angriffe der jüngeren Zeit (beispielsweise durch Richard Dawkins) darf die Frage nach der Wissenschaftlichkeit der Theologie, ihrem Ort an der Universität und ihrer Zukunft gestellt werden.
Die zentralen Fragen, denen im Seminar nachgegangen werden soll, lauten:
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Was ist Theologie? Was ist Wissenschaft?
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Ist Theologie als Wissenschaft möglich?
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Wie ist Theologie als Wissenschaft möglich?
Zunächst wollen wir anhand einführender Texte einen Überblick über den Gegenstandsbereich und die Teildisziplinen der christlichen Theologie(n) gewinnen. Ausgehend von der allgemein-wissenschaftstheoretischen Erwägung verschiedener Abgrenzungsversuche von Wissenschaften und Nicht- bzw. Pseudowissenschaften sollen dann Plädoyers für und wider die Möglichkeit einer Wissenschaftstheorie der Theologie und Vorschläge zu deren Ausgestaltung geprüft werden. Es werden verschiedene Ansätze evangelischer und katholischer Theologen des 20. Jahrhunderts vorgestellt werden, darunter unter anderen die Beiträge Karl Rahners, Wolfhart Pannenbergs und Gerhard Sauters. Als früher Ausdruck der Debatte um die Wissenschaftlichkeit der Theologie wird auch die Auseinandersetzung zwischen Karl Barth und dem Münsteraner Philosophen Heinrich Scholz in Augenschein genommen werden.
Um darüber hinaus den aktuellen Bezug der Frage nach der Wissenschaftlichkeit der Theologie herauszustellen, können zudem folgende Fragen besprochen werden:
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Gibt es neben der christlichen Theologie noch andere (z.B. islamische, jüdische, buddhistische) Theologien? Ist diesen Theologien der Status einer Wissenschaft zuzuweisen? Sollten sie an (deutschen) Hochschulen gelehrt werden?
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Welchen Einfluss dürfen Staat und Kirche auf die Theologie als Disziplin an (deutschen) Hochschulen nehmen? Wer hat das Recht, Hochschullehrer zu ernennen oder abzulehnen? Was tun, wenn es zum Konflikt zwischen Lehrautorität der Kirche und theologischer Erkenntnis kommt?
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Sind Theologen berechtigt, Ergebnisse anderer Wissenschaften zu kritisieren oder ihnen zu widersprechen? (Stichwort Kreationismus)
Es besteht die Möglichkeit, zusätzlich zum Studium einschlägiger Texte einen oder mehrere Lehrende der Universität zu einer Diskussion mit den Seminarteilnehmern einzuladen.
Wichtiger Hinweis: Kenntnisse aus Theologie und Wissenschaftstheorie sind keine Teilnahmevoraussetzung. Fachfremde Teilnehmer sind ausdrücklich willkommen.
- Lehrende/r: Julia Friederike Göhner
Grundlagenmodul Literatur
Einführung in die germanistische Literaturwissenschaft (mit Tutorien)
Mo 16 – 18 Uhr
Audi Max
Beginn: 11.10.2010
Die Vorlesung führt in zentrale Fragestellungen und Betrachtungsweisen der germanistischen Literaturwissenschaft ein. Sie setzt auf der Grundlage exemplarischer Texte historische wie systematische Akzente, und zwar unter besonderer Berücksichtigung des Wissenstandes von Studienanfängerinnen und -anfängern. Den Studierenden soll ein wissenschaftliches Problembewusstsein vermittelt werden, das sich wesentlich durch Offenheit für Irritationen auszeichnet. Dabei sollen sie zur selbstständigen Lektüre literarischer und literaturwissenschaftlicher Texte motiviert werden. Folgende Themenbereiche werden vorgestellt: Aspekte der Fachgeschichte, Hermeneutik als Problem (Lesen - Verstehen - Interpretieren), Literatur und Wirklichkeit, Autorschaft, Probleme der Gattungspoetik, Literaturgeschichte und Literaturgeschichtsschreibung, Literaturwissenschaft als Medienwissenschaft, Literaturwissenschaft als Kulturwissenschaft. Außerdem wird am Beispiel ausgewählter Texte ein erster Überblick über die Geschichte der deutschen Literatur vom Mittelalter bis zur Gegenwart gegeben.
Bemerkung : Am Ende des Semesters wird eine Klausur geschrieben.
Die Vorlesung ist den Teilgebieten B 1-6 zugeordnet.
- Lehrende/r: Martin Arthur Zaune
"Noch nie waren die Studenten politisch so teilnahmslos wie heute", sagt Tino Bargel von der Universität Konstanz. Seit 1983 untersucht der Soziologe im Auftrag der Bundesregierung den Wandel politischer Orientierungen und gesellschaftlicher Werte von Studierenden. In seiner 2009 erschienenen Studie konnten er und sein Team ein Interesse für Politik nur noch bei 37 Prozent der Studierenden feststellen.
Während sich vor allem der Bielefelder Soziologe Heinrich Gees tief besorgt zeigt überdie wachsende Zahl jener, die ihr Studium nur noch als Investition zur Steigerung des Gebrauchswertes ihrer Arbeitskraft für das Kapital sähen, betrachtet Michael Bürsch, Vorsitzender des Unterausschusses Bürgerschaftliches Engagement im Deutschen Bundestag, die politische Haltung der Studierenden weitaus gelassener. Zwar würden sich nur wenige einer Partei verschreiben oder langfristig an eine Bürgerinitiative binden, aber das hieße nicht, dass sie sich gar nicht engagierten. „Etliche mischen sich ein, aber ihr Engagement ist eher kurzfristig und auf die Biographie abgestimmt.“
Wie Hochschulen nicht nur in Deutschland den gestiegenen Erwartungen der Studierenden sowohl an den materiellen als auch den sozialen Nutzen des Studiums Rechnung zu tragen versuchen, soll in dem Seminar „Geld verdienen und Afrika helfen - Die Universität der Zukunft zwischen Pragmatismus und Idealismus“ kritisch untersucht werden.
- Lehrende/r: Katy Teubener
Was sind die hochschulpolitischen Hintergründe der oben skizzierten Entwicklungstendenzen? Das Seminar will sich dieser Frage aus verschiedenen Perspektiven nähern.
- Lehrende/r: Martin Kotulla