Wie wirken digitale Innovationen in Bildungseinrichtungen?
Wie digitale Innovationen auf unterschiedlichen Ebenen von Bildungseinrichtungen wirken ist nicht erst seit generativer Künstlicher Intelligenz (KI) ein zentrales Forschungsthema. Dennoch sind es gerade die hohe Durchdringungsgeschwindigkeit von generativer KI in Verbindung mit einer breiten fachlichen Anschlussfähigkeit und ihrer vergleichsweise einfachen Handhabbarkeit, die verdeutlichen, wie Medienpraktiken und organisationale Routinen sich gegenseitig bedingen. Der in der Zeitschrift MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung erschienene Zeitschriftenbeitrag „Wie wirken digitale Innovationen in Bildungseinrichtungen?“ analysiert, wie digitale Innovationen – exemplarisch am Einsatz generativer KI – verschiedene didaktische Ebenen innerhalb von Bildungseinrichtungen miteinander verschränken: von der Medien- und Unterrichtspraxis über programmatische Planungen bis hin zu institutionellen und strukturellen Rahmenbedingungen.
Der Beitrag will ein besseres Verständnis dafür schaffen, wie innerorganisationale Strukturen durch veränderte Mediennutzungspraktiken hinterfragt und transformiert werden. Dabei konturiert sich ein Spannungsfeld zwischen den Wertelogiken generativer KI, die primär im Technologiesektor entstehen und auf Effizienz und Optimierung ausgerichtet sind, und pädagogischen Epistemen von Bildungseinrichtungen. Unter Einbezug eines systemischen Analyserahmens diskutiert der Beitrag, wie selbstorganisierte organisationale Strukturgenese durch KI-bedingte Medienpraktiken angestoßen wird. Damit leistet er einen Beitrag zum Verständnis des Zusammenspiels von digitalen Technologien und deren Wirkung auf die Organisationsentwicklung in Bildungseinrichtungen.
Vor dem Hintergrund der wachsenden Prominenz generativer KI in der Lehre und der daraus resultierenden Gestaltungsherausforderungen für den Bildungssektor erweitert der Artikel sowohl den forschungsbezogenen als auch den praxisorientierten Diskurs um die Wirkung digitaler Innovationen in Bildungseinrichtungen.
Geiger (2025): Wie wirken digitale Innovationen in Bildungseinrichtungen? Eine synergetische Perspektive auf das Verhältnis von Medien- und Organisationspädagogik am Beispiel generativer Künstlicher Intelligenz. MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung, 67 (Organisationspädagogik), S. 221-246. Link: https://doi.org/10.21240/mpaed/67/2025.11.30.X
Im Rahmen des Beitrags „Emergent Human-AI Interaction Reveals Critical Fluctuations in Digital Game-Based Learning: A Complexity Science Perspective“ untersuchen wir die Wirkung von KI Chatbots im Kontext spielbasierten Lernens. Ausgehend von der besonderen Bedeutung, die generativer KI im Hinblick auf selbstreguliertes Lernen zugeschrieben wird, geht es hierbei um die Aufklärung von Wirkmechanismen bei der Verarbeitung von Feedback durch Lernende. Denn während spielbasierten Lernumgebungen etwa durch Autonomie und soziale Präsenz zwar lernförderliches Potenzial zugewiesen wird, können Lernende durch die vielfältigen Interaktionsmöglichkeiten und Feedbackschleifen leicht überfordert werden. Unter Rückgriff auf die cognitive load Theorie untersuchen wir, inwieweit KI-chatbots unterstützend in Feedbackprozesse eingreifen, indem sie Ablenkung in spielbasierten Lernumgebungen vermeiden und die Aufmerksamkeit auf relevante Vermittlungsaspekte lenken.
Über einen Beobachtungszeitraum von fünf Wochen zeigt sich, dass Lernende mit dem Chatbot insbesondere dann interagieren, wenn sie auf besonders herausfordernde Spielelemente treffen, die eine Anpassung ihrer bisherigen Spielstrategien erfordern. Dabei lässt u. a. sich ein positiver Zusammenhang zwischen der lernbezogenen kognitiven Belastung (die für die Verarbeitung des Lerngeschehens notwendig ist) und dem tatsächlichen Lernfortschritt beobachten. Die Steuerung der lernbezogenen kognitiven Belastung gelingt wiederum denjenigen Lernenden besser, die tendenziell über Selbstregulationsfähigkeiten verfügen.
Der Beitrag stärkt die forschungsbasierte Verbindung zwischen generativer KI und spielbasiertem Lernen und bietet wichtige Erkenntnisse dahingehend, wie mithilfe von KI didaktische Scaffolds für spezifische Lehr-Lernsituationen gestaltet werden können.
Der Vollbeitrag wurde im Rahmen der renommierten „International Conference on Information Systems“ in Nashville vorgestellt und als Fullpaper in die Konferenz-Proceedings aufgenommen.
Wenzel/Geiger/Liening (2025): Emergent Human-AI Interaction Reveals Critical Fluctuations in Digital Game-Based Learning: A Complexity Science Perspective. In: ICIS 2025 Proceedings. 9. https://aisel.aisnet.org/icis2025/learn_curricula/learn_curricula/9