Manichäismusforschung
Die Arbeitsstelle für Manichäismusforschung wurde im Jahr 1990 von Prof. Dr. Dr. Martin Krause gegründet und widmet sich der Edition und Interpretation der ältesten erhaltenen manichäischen Texte. Gefunden wurden sie im Jahr 1929 in einer antiken Stadt im Faiyum (Medinet Madi). Die entdeckten sieben Papyrusbücher stammen aus dem 4. bis 5. Jh. n. Chr., sind in koptischer Sprache geschrieben und werden heute bis auf einige kleine Fragmente in den Museen von Berlin und Dublin aufbewahrt. Sie enthalten wichtige konstituierende Texte dieser neuen Religion, nämlich Teile einer manichäischen Kirchengeschichte, Briefe Manis, den Synaxis-Codex, Homilien, die „Kephalaia des Lehrers“, die „Kephalaia der Weisheit meines Herrn Mani“ und das Psalmenbuch.
Der Manichäismus ist eine von ihrem persischen Stifter Mani im 3. Jh. gegründete Weltreligion, die in der Alten Welt ernsthafter Konkurrent des Christentums war.
In Münster wird das koptisch-manichäische Psalmenbuch bearbeitet, das in der Chester Beatty Library in Dublin aufbewahrt wird. Ursprünglich enthielt dieses Buch ca. 360 Psalmen und besaß einen Umfang von 672 Seiten. Damit überlieferte das manichäische Schrifttum mit dem Kölner Mani-Codex nicht nur das kleinste aus der Antike erhaltene Pergamentbuch, sondern auch mit dem Psalmenbuch den umfangreichsten Papyrus-Codex.
Insgesamt 234 Seiten des Psalmenbuches wurden im Jahr 1938 von C.R.C. Allberry ediert. Weitere 122 Seiten im Jahr 2021 von S.G. Richter, siehe die Liste der Editionen.
Die Edition der verbliebenen 222 Seiten erfolgt gemeinsam von Siegfried G. Richter (Münster), Nils Arne Pedersen (Aarhus University) und Gregor Wurst (Universität Augsburg). Darüber hinaus arbeitet Paul van Lindt (Grimbergen) an einer digitalen Indexierung der manichäischen koptischen Texte, während Naoyuki Tono (Münster) mehrfach als studentische und wissenschaftliche Hilfskraft mitwirkte.
Die Editionsarbeit ist Teil der von der International Association of Manichaean Studies gegründeten Reihe Corpus Fontium Manichaeorum (CFM), in der sämtliche manichäische Originalquellen des Altertums veröffentlicht werden.
Als Gastwissenschaftler arbeiteten neben anderen Frau Eugenia Smagina (Moskau) und Herr Alexandr Khosroyev (St. Peterburg) als Humboldt-Stipendiaten mehrere Jahre in Münster an der Arbeitsstelle für Manichäismusforschung. Das Projekt wurde mit zwei Förderungsphasen durch die DFG unterstützt. Eine fortwährende Unterstützung erfährt das Projekt durch die Brigitte und Martin Krause-Stiftung.

