Einführungen in die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
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Der demographische Übergang

1. HISTORISCHE DEMOGRAPHIE

nach unten 1.1. Begriff
nach unten 1.2. Gegenstände
nach unten 1.3. Methoden
nach unten 1.4. Wichtige historisch-demographische Forschungsprojekte

 

  1.1. Begriff  
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Historische Demographie ist gleichbedeutend mit historischer Bevölkerungswissenschaft. Die Demographie ist eine Brückendisziplin zwischen Soziologie und Ökonomie.

Literatur Gehrmann/Sokoll, Historische Demographie

  1.2. Gegenstände  
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  1. elementare Ereignisse im Lebenslauf (Geburt, Migration, Heirat, Tod);
  2. aggregative Kennzahlen für ganze Bevölkerungen, z.B. Lebenserwartungen, eheliche Fruchtbarkeitsraten (= wie viele Geburten pro verheirateter Frau?), Bruttoreproduktionsraten (= wie viele Töchter pro Frau?), Heiratsalter, Ledigenquoten (= wie viele Prozent einer Altersgruppe sind noch unverheiratet?);
  3. rechnerische und kausale Beziehungen zwischen den Elementen des Bevölkerungsprozesses und der Wirtschaft (Beispiel: Glossar "Gesetz vom fallenden Grenzertrag", bei steigender Bevölkerung nimmt in einer Modell-Welt ceteris paribus die Lohnhöhe ab).
  1.3. Methoden  
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  1. Auswertung veröffentlichter historischer Statistiken (Einführung: Literatur Köllmann, Bevölkerungsgeschichte);
  2. aggregative Methoden, z.B. Glossar Kirchenbücher auszählen und Ereignisse durch Bevölkerung dividieren => Ermittlung von Geburts- und Sterbeziffern. Erforderlich: Prozentrechnen, Dreisatz;
  3. Familienrekonstitution (z.B. Literatur Schlumbohm, Lebensläufe): Zusammenstellung von Geburts-, Heirats- und Todesfällen zu Familien, entwickelt von der französischen demographischen Forschung zur Untersuchung vor allem der ehelichen Fruchtbarkeit in "vorstatistischer" Zeit, praktiziert auch von Ahnenforschern. Erforderlich: Datenbanktechniken;
  4. Glossar Regressionsverfahren: statistisches Verfahren (Einsteigerniveau der Sozial- und Naturwissenschaften), bei dem der systematische Zusammenhang mehrerer Größen betrachtet wird (mindestens zweidimensional denken);
  5. Projektionen: Schätzungen demographischer Kennzahlen unter Ausnutzung formaler mathematischer Gesetzmäßigkeiten (z.B. Literatur Wrigley/Schofield, Population History, ausführliche deutsche Rezension: Literatur Sokoll, Historische Demographie).
    Beispiel population reconstruction: Berechnung von Lebenserwartungen setzt Kenntnis der Alterspyramide zum jeweiligen Zeitpunkt voraus. Aus einer Abfolge von Geburten- und Sterberaten ("vital rates"), zusammen mit einer bestimmten Verteilung der Todesfälle (Glossar "Sterbetafel") und einer bestimmten anfänglichen Alterspyramide der Bevölkerung zum Zeitpunkt t ergibt sich rechnerisch zwingend eine bestimmte Alterspyramide zum Zeitpunkt t+1. Das mathematische Gesetz der Glossar "weak ergodicity" besagt nun, dass Bevölkerungen ihre Anfangszustände "vergessen"; man kann Lebenserwartungen daher ohne genaue Kenntnisse der Alterspyramiden schätzen, wenn man die "vital rates" kennt (Literatur McCaa, Populate).
  1.4. Wichtige historisch-demographische Forschungsprojekte  
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