Ehrenprofessur für Prof. Dr. Susanne Günthner

Frau Prof. Dr. Susanne Günthner wurde von der Beijing Foreign Studies University zur Ehrenprofessorin ernannt. Der Präsident der der Universität Prof. Dr. Jia Wenjian überreichte Prof. Dr. Günthner die Ernennungsurkunde.
Prof. Günthner hielt anschließend einen Vortrag mit dem Titel „Dialogische Merkmale in der alltäglichen Interaktion – Eine Untersuchung der Sprache im Interaktionsprozess“. Anhand von Beispielen aus Gesprächen zwischen Lehrenden und Studierenden an deutschen und chinesischen Hochschulen analysierte sie, wie sprachliche Ressourcen - vor allem grammatische Strukturen, prosodische Markierungen und Anredeformen an der Herausbildung kulturspezifischer Dialogformen beteiligt sind. Sie wies darauf hin, dass erfolgreiche Kommunikation nicht nur von der Sprachkompetenz abhängt, sondern auch von der Fähigkeit, kulturelle Perspektiven zu verstehen, Differenzen auszuhandeln und die eigene Position zu reflektieren.

Prof. Li Yuan von der Zhejiang-Universität trat im Anschluss an Susanne Günthners Vortrag als Gesprächspartnerin auf und führte einen tiefgreifenden Dialog mit Prof. Günthner. Beiderseits wurden die beiden im Vortrag behandelten Dialogpraktiken der „Ko-Konstruktion“ und des „Hörerechos“ aufgegriffen, um die Konstitution von Beziehungsaufbau und kognitiver Autorität in Sprechstundeninteraktionen zwischen deutschen und chinesischen Lehrenden und Studierenden zu erörtern. Ausgehend von den typologischen Unterschieden zwischen den beiden Sprachen (Deutsch-Chinesisch) und der deutschen Klammerstruktur und sowie der Topic-prominenten Sprache des Chinesischen (Topic-Prominence) diskutierten sie die Unterschiede dialogsyntaktischer Ressourcen in verschiedenen Sprachen. Zudem verfolgten sie die Entwicklungslinien des dialogischen Denkens von Humboldt bis hin zu Schütz und Luckmann.