Theologie, Kirche und die gesellschaftliche Realität in Mexiko

Interview mit P. Jesús García González

Theologie und Kirche in Mexiko – welche Themen beschäftigen mexikanische Theologen und das Kirchenvolk? Der mexikanische Theologieprofessor em. P. Jesús García González wird sich den Fragen stellen. Erst vor kurzem wurde ihm in Anerkennung seiner Bemühungen um die Entwicklung der lateinamerikanischen Kirche nach dem II. Vat. Konzil an der Johannes Gutenberg Universität Mainz die Ehrendoktorwürde, der Dr. h.c., verliehen.

Biographie

P. Jesús García González wurde am 14.11.1935 in Guadalajara geboren, wo er das Philosophie- und Theologiestudium aufnahm. 1958 wurde P. García in der Diözese Toluca zum Priester geweiht. Den Beginn des Pontifikats Johannes‘ XIII. erlebte der junge Priester hautnah in Rom während seines sozialwissenschaftlichen Aufbaustudiums an der Päpstlichen Universität Gregoriana (1958-60). Von 1961-1969 lehrte er als Professor am Priesterseminar von Toluca Kath. Soziallehre und Neuere Kirchengeschichte. In den Jahren 1969-1973 war P. García als Mitarbeiter in dem unter Papst Paul VI. eingerichteten Rat „Justitia et Pax“ (Förderung von Gerechtigkeit in der Welt und Frieden gemäß Evangelium und kath. Soziallehre) tätig. Eine weitere wichtige Spur  im Leben Garcías sind seine Bemühungen  um die Akzeptanz der lateinamerikanischen Flüchtlinge innerhalb der Kirche der USA von 1974 bis 1976. An der Iberoamericana (1976-2003) und dem ITES (Instituto Teológico de Estudios Superiores; 1976-1984) lehrte Prof. García Pastoraltheologie, Religionssoziologie und Sozialethik. Im Jahr 2003 wurde García emeritiert. Bis heute  engagiert er sich in der pastoralen Arbeit mit der indigenen Bevölkerung Mexikos am Centro Nacional de Misiones Indígenas (CENAMI).

Interview mit P. Jesús García González

Padre García, wie definiert sich lateinamerikanisch-mexikanische Theologie?

Kurz vorweg – diese Terminologie ist lediglich von einer Minderheit der Theologen anerkannt. Die Mehrheit spricht von der einen römisch-katholischen Theologie.

Nun zu Ihrer Frage: Lateinamerikanisch-mexikanische Theologie ist die Konfrontation des göttlichen Plans der Erlösung mit einer gesellschaftlichen Realität, die von Ungleichheit, Ungerechtigkeit, Unrechtmäßigkeit geprägt ist und Menschen im Blick hat, die mehrheitlich in Armut und unmenschlichen Verhältnissen leben. Diese Theologie stellt sich einer Realität, die sich gegensätzlich verhält zum Heilsplan Gottes, in dem von Würde und Gerechtigkeit die Rede ist.

Die Ausrichtung an der konkreten Lebenssituation der Menschen ist also das Spezifikum der lateinamerikanisch-mexikanischen Theologie?

Ja, und an dieser Wahrnehmung der Realität setzt auch die Theologie der Befreiung an. Lassen Sie mich die zwei Entstehungslinien dieser Theologie erläutern: Bei der ersten handelt es sich um konkrete Arbeitsprojekte mit der ärmeren Bevölkerungsschicht. Kennzeichen der zweiten Linie ist die interdisziplinäre Analyse der gesellschaftlichen Realität unter Bezugnahme auf Erkenntnisse der Sozialwissenschaften. In der Reflexion über das Zusammenwirken beider Linien entsteht das Fundament für eine Theologie, die die „Teología de la Liberación“ genannt wird. Die Befreiungstheologie ist also tief verwurzelt in die Projektarbeit mit den Armen und hat hier auch ihren Ursprung. Der akademische Denkprozess steht erst an zweiter Stelle. Das macht die Besonderheit dieser Theologie aus.

Eine Besonderheit, die so in Deutschland und Europa nicht vorkommt?

Nein, so wie in Lateinamerika können Diskussionen um die Theologie der Befreiung in Europa gar nicht geführt werden. Für uns bedeutet die Theologie der Befreiung der Wille bestehende Ungerechtigkeiten zu beseitigen, die Konsequenzen zu tragen und ggf. auch Einschränkungen im persönlichen Leben in Kauf zu nehmen. In Lateinamerika ist die Teología de la Liberación ein 24-stündiger Kampf um die Veränderung der Situation. Nach jeder Diskussion um Ungerechtigkeiten kehren wir zurück in die beschwerliche Realität unseres Lebens. Das ist in Europa anders. Dort findet eine 3- bis 4-stündige Diskussion statt, nach der jeder Diskussionsteilnehmer wieder in sein behagliches Umfeld zurückkehrt.

Dennoch können sich Theologen der Ersten und Dritten Welt im gemeinsamen Diskurs über die Theologie der Befreiung bereichern. Denn die Befreiungstheologie hat zwei Dimensionen: eine interne und eine externe. Die interne Dimension hat als Reflexionsgegenstand die innerpolitischen und gesellschaftlichen Probleme eines Landes. Mit Blick auf die aktuelle Wirtschaftskrise in Europa wird deutlich, dass auch ein Land wie Deutschland diese Probleme hat, wenn auch in einem anderen Maße als Mexiko. Die externe Dimension richtet sich primär an Europa, also Nicht-Ursprungsländer der Theologie der Befreiung, und fordert dort auf zu einem Nachdenken über Schuld und Verantwortung für die heute in den schwachen Ländern vorherrschende Situation, über Ausbeutung, Rechtlosigkeit und Armut der großen Masse der Bevölkerung. Doch bei aller kontroverser Diskussion über die Beftreiungstheologie darf nicht in den Hintergrund rücken, was Leonardo Boff vor kurzem betonte, als er nach dem Verhältnis von Papst Franziskus zur Teología de la Liberación gefragt wurde: „Muchos se han preguntado si el actual Papa Francisco, como proviene de América Latina, es un seguidor de la Teología de la Liberación. Esta pregunta es irrelevante. Lo importante no es ser de la Teología de la Liberación sino de la liberación de los oprimidos, de los pobres y de los que sufren injusticia. Y eso lo es con claridad indudable.“[1] Nach Boff ist die Frage irrelevant, ob jemand, wie hier z. B. Papst Franziskus, Anhänger der Theologie der Befreiung ist. Viel wichtiger ist die aktive Befreiung der Unterdrückten, der Armen und derer, die Ungerechtigkeit zu ertragen haben.

Sie sagen, dass die Theologie der Befreiung sich mit der gegenwärtigen gesellschaftlichen Wirklichkeit auseinandersetzt. Aber sie ist deshalb vermutlich doch nicht geschichtslos?

Ganz und gar nicht! Ohne unsere Geschichte würden wir heute nicht so leben, wie wir leben, und hätten die Probleme nicht, die wir haben.

In den ersten drei Jahrhunderten während der Kolonialzeit bis zum Unabhängigkeitskrieg der Mexikaner gegen die Spanier (1810-1821), war die mexikanische Kirche Verbündete der kolonialen Regierung und ebenso politisch einflussreich wie finanziell stark. Die Unabhängigkeit führte zu Zwist über den politischen Kurs von Liberalen und Konservativen. Hieraus gingen die Liberalen als Sieger hervor. Es folgten die Konstitutionen von 1857 und 1917, die die Kirche in ihren Rechten stark beschnitten. Daraufhin entwickelte sich ihre politische Einflussnahme ins Unbedeutende. Seit dieser Zeit wurden beispielsweise die Orte des Kultes, also Kirchengebäude, veräußert und sind seitdem kein Kircheneigentum, sondern Eigentum des Staates. Die letzten 60 Jahre des Entwicklungsprozesses Kirche lassen sich in vier Stadien untergliedern:

1.    La iglesia perseguida (dt.: die verfolgte Kirche).

2.    La iglesia tolerada (dt.: die tolerierte Kirche).

3.    La iglesia solicitada: Die Regierung unterstützt die Kirche, die im Gegenzug den Politikern für getroffene Entscheidungen die „Absolution“ erteilt und damit deren Politik rechtfertig.

4.    La iglesia de las alianzas: Heutzutage gehen Teile der Kirche Bündnisse mit politischen und wirtschaftlichen Kräften ein. Eine Minderheit von Bischöfen und Priestern hat sich für die Option für die Armen entschieden.

Wenn Sie die Religiosität und den Glauben dieser Armen beschreiben sollten, was würden Sie sagen, Padre?

Vorherrschend ist der Providentialismus, nach dem alles, was ich mir für mein Leben erhoffe, von der göttlichen Vorsehung bestimmt ist. Für das mexikanische Kirchenvolk bedeutet das, dass alles, was zur Verbesserung der Lebensumstände führen kann, von Gott, der Regierung oder anderen Institutionen kommen muss und nicht aus eigener Anstrengung hervorgebracht werden kann oder zu werden braucht. Der Brandherd dieser providentialistischen Lebenseinstellung liegt in der fehlenden Bildung der Bevölkerung. Den Leuten mangelt es an der Fähigkeit rational zu denken, weil das Feuer des rationalen Denkens nie in ihnen entzündet worden ist. Ihnen wurde gelehrt, dass ihr Leben ausschließlich von den Sozialprogrammen der Regierung, den Heiligen, Gott und der Kirche abhängig ist. Die Vorstellung, dass persönliche Mühen etwas daran ändern können, existiert bei Vielen nicht, ebenso wenig wie das Bewusstsein einer Verpflichtung sich selbst und dem eigenen Leben gegenüber.

Tut die Kirche etwas gegen diesen Mangel an Bildung?

Teils ja, teils nein. In der Befreiungstheologie läge der Ansatz für ein Bildungskonzept, das eine Religiosität der persönlichen Bemühung und Verpflichtung beinhaltet. Diese „Religiosität der Transformation“ befähigt die Menschen, ihre Lebensumstände, die Gemeinschaft, den Stadtteil, das Dorf und letztendlich die Gesellschaft zu verändern. Aber das ist ein langwieriger Prozess. Diesem haben die 35 Jahre der Pontifikate von Karol Wojtyła und Joseph Ratzinger, in denen die Theolgie der Befreiung unterbunden wurde, entgegengewirkt. Die Folgen sind jetzt spürbar: Junge Priester verkünden die Botschaft des Evangeliums in einer abstrakten Weise, die den Providentialismus weiter befeuert. Hinzu kommen eine Reihe konservativer Priester, die bewusst das providentialistische Verständnis aufrechterhalten wollen, da es rentabel für die Kirche ist. In Mexiko gibt es schließlich keine Kirchensteuer, sodass Gläubige, die sich von einer heilbringenden Segnung Lebensglück erhoffen, und „gutes Geld“ spenden, in der Kirche gerne gesehen sind. Und, nebenbei bemerkt, Arme und weniger gebildete Gläubige spenden mehr als Reiche.

In diesem Zustand dürfen wir jedoch nicht verharren. Denn zur Beseitigung dieser Missstände hat die II. Generalversammlung des Lateinamerikanischen Episkopates (Consejo Episcopal Latinoamericano, CELAM) 1968 in Medellín in ihren Abschlussdokumenten aufgerufen. Lesen sie dazu einmal die entsprechenden sehr klaren und aufschlussreichen Passagen.[2]

Das Dokument von Medellín fordert Respekt gegenüber der mexikanischen Kultur, einer Kultur, die mit der Eroberung Mexikos durch die Spanier fast völlig ausgelöscht wurde. Mit den Spaniern kamen die Franziskaner nach Mexiko und durch sie die Kirche, der Beginn der christlichen Missionierung der indigenen Bevölkerung. Wie hat sich in den vergangenen Jahrzenten das Verhältnis zwischen der indigenen Bevölkerung Mexikos und der Institution Kirche entwickelt?

Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die Kirche verstärkt um die Indígenas bemüht. Dabei war und ist das Engagement immer abhängig vom jeweiligen Diözesanbischof und seinem aktiven Eintreten für die Rechte der indigenen Bevölkerung; Rechte, die allzu oft missachtet werden – so z.B. bei unrechtmäßiger Landnutzung oder Rodung von Wäldern der Indígenas. In den häufigsten Fällen kämpften und kämpfen Bischöfe jedoch nicht aktiv und öffentlich für die Rechte der Indígenas.

Im Jahr 1959 bat Papst Johannes XXIII., als er das II. Vaticanum angekündigte, die Bischöfe der Welt Themenvorschläge für das Konzil einzureichen. Unter den 39 Antworten aus Mexiko waren nur zwei, die die Behandlung der Themen „Armut in der Kirche“ und “Umgang mit der indigenen Bevölkerung“ forderten.

Einmal abgesehen von den positiven Bemühungen einzelner Bischöfe, wie sah der Einsatz für die Indígenas von offizieller Seite durch die mexikanische Bischofskonferenz aus?

Im Jahr 1959 gründete die Conferencia de Episcopado Mexicano (CEM) die Comisión de Pastoral Indígena, die heute Teil der Comisión Episcopal de Pastoral Social (CEPS) ist. Letztere vereint weitere Unterkommissionen zu den Themen Justicia, Paz y Reconciliación, Pastoral de la Salud, Pastoral Social Cáritas, Pastoral Trabajo, Pastoral Penitenciaria (dt.: Gefangenenpastoral) und Movilidad Humana.[3] 1960 gründete der Nuntius des Hl. Stuhls die Organisation CENAMI (Centro Nacional de Ayuda a las Misiones Indígenas), mit dem Ziel, einen Beitrag zur Grundversorgung der indigenen Bevölkerung zu leisten. Über Kriterien für die Gewährung von Unterstützungsleistungen und die Mittelvergabe wurde in einer „Denkfabrik“ der Bischöfe, der Comisión de Pastoral Indígena, debattiert und entschieden. CENAMI war im Endeffekt lediglich eine von den Bischöfen gelenkte, aber keinesfalls autonome „ausführende Kraft“ ohne eigenen Entscheidungsspielraum. Mit dem Wechsel des Nuntius 1965 wurde CENAMI in die Kommission für Indigenenpastoral eingegliedert. Aus Furcht der Bischöfe und des Vatikan vor zu großer Nähe zwischen CENAMI, Teología de la Liberación und Teología India wurde CENAMI 1995 erneut von der bischöflichen Kommission getrennt und arbeitet seitdem als gemeinnütziger Verein. Beide stehen aktuell in einem guten Verhältnis zueinander und arbeiten an gemeinsamen Projekten. In punkto Weltanschauung und Intellekt ist CENAMI jedoch die zukunftsweisendere Vorhut.

Worin lag für Rom  die Gefahr in der Teología India?

Für Kardinal Ratzinger als damaliger Präfekt der Glaubenskongregation war die Teología India gefährlicher als die Theologie der Befreiung. Er hat den theologischen Anspruch der sog. „primitiven Religionen“ nicht akzeptiert. Für Kardinal Ratzinger dienten deren vermeintliche Werte der Rechtfertigung des vorchristlichen Paganismus. Paganismus ist demzufolge mit den „primitiven Religionen“ gleichzusetzen.

Kardinal Ratzinger war ein intelligenter Mann. Warum diese Sichtweise?

Er hat die indigene Realität nie gelebt. Wenn man die Realität nicht lebt, versteht man sie nicht. In okzidentalen Kategorien wird die Teología India vereinfacht mit Paganismus gleichgesetzt. Mit diesen unhinterfragten theologischen Prämissen ist man gefeit davor, eigene Vorurteile überprüfen zu müssen und fühlt sich in der eigenen Theologie bestärkt.

Ein Blick noch auf den aktuellen Papst, der inzwischen etwas über 100 Tage im Amt ist. Was hat Franziskus aus Ihrer Sicht bisher bewegt?

Was erhoffen Sie sich von seinem Pontifikat?

Papst Franziskus zeigt, wie man anders leben kann. Sein einfacher, offener, freier und spontaner Lebensstil ist ein gutes Signal, bringt aus sich heraus aber noch keine Strukturveränderungen. Die Kurie grundsätzlich zu verändern ist schwierig. Wenn der Papst schon mit seinem persönlichen Lebensstils auf Widerstand stößt, wie mag es ihm da wohl erst mit den notwendigen Strukturveränderungen gehen? Hinzu kommt sein hohes Alter. Er hat nur wenig Zeit für Veränderungen, die er aber herbeiführen kann. Ein anderer müsste das Begonnene dann fortführen.

Nun noch eine abschließenden Frage, die insbesondere für zukünftige Austauschstudierende von großem Interesse sein könnte. Einmal abgesehen von der geografischen Lage und dem Klima, was ist Ihrer Meinung nach einer der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zwischen Mexiko und Deutschland? Welche einmalige Chance bietet sich den deutschen Theologiestudierenden in Mexiko?

Deutschland ist abgesehen von einigen wenigen Immigranten ein ethnisch homogenes Land. Die mexikanische Gesellschaft hingegen lässt sich ethnisch und sozial als eine Pyramide darstellen: In der Spitze der Pyramide siedeln sich die reichen Weißen an, das Fundament bilden die vielen armen Indígenas und in der kleinen Mittelschicht finden sich die Mestizen wieder.

In Mexiko gibt es eine Korrelation zwischen ethnischer Kategorie und sozialer Klasse: Die Reichen sind weiß und Weiße sind reich; Indios sind arm und Arme sind meist Indios. In der Mitte sind die Mestizen. Wir sind, anders als in Deutschland, ein pluri-ethnisches Land. In Mexiko dominiert eine Minderheit von Weißen eine mehrheitlich von Mestizen und Indígenas geprägte Gesellschaft. Die Folge ist die steigende Armutsrate.

Studierende aus Deutschland sollten die Gelegenheit nutzen, mit den Armen in der Stadt und mit Indígenas zu arbeiten. Hier können sie eine praktische Anwendung der universitären Theologie erlernen. Es geht uns nicht vorranging um die Formulierung theologischer Thesen oder das Erlangen eines akademischen Grades. Vielmehr sollte das Ziel die praktische Anwendung der Theologie bei der Arbeit mit den Menschen sein.

Das hört sich eher Theologie-kritisch an...

Nein, es geht vielmehr um etwas, was für jede theologische Lehre von fundamentaler Bedeutung ist: ihre, sagen wir, „inkarnatorische“ Verankerung in der Lebenswirklichkeit der Menschen. So kann die Theologie davor bewahrt werden, zu einem blutleeren ideologischen Überbau zu werden.

Die sehr konkrete Heilswirksamkeit der Botschaft des Evangeliums und der Theologie im Leben der Menschen können deutsche Studierende in Mexiko hervorragend beforschen. Seien Sie dazu herzlich willkommen!

Vielen Dank, Padre García, für dieses hochinteressante und spannende Gespräch!

Text und Übersetzung: Johannes Hohmann



[1] Boff, Leonardo: El Papa Francisco y la teología de la liberación, auf: http://www.servicioskoinonia.org/boff/articulo.php?num=559 (Stand: 18.06.2013).

[2] 3. Zunächst gibt es den großen Sektor der von der Kultur Ausgeschlossenen, die Analphabeten und besonders die eingeborenen Analphabeten [gemeint sind Teile der indigenen Bevölkerung; Anm. des Interviewers], die oft des elementaren Gutes der Verständigung durch eine gemeinsame Sprache entbehren. Ihre Unwissenheit ist eine unmenschliche Knechtschaft. Ihre Befreiung ist eine Verantwortung aller Menschen Lateinamerikas. Sie müssen befreit werden von ihren Vorurteilen und ihrem Aberglauben, von ihren Minderwertigkeitsgefühlen und Hemmungen, von ihrem Fanatismus, von ihrem Fatalismus, von ihrer ängstlichen Verständnislosigkeit gegenüber der Welt, in der sie leben, von ihrem Mißtrauen und ihrer Passivität.

Die Aufgabe der Erziehung dieser unserer Brüder besteht nicht einfach darin, sie in die sie umgebenden kulturellen Strukturen – die ebenfalls bedrückend sein können – einzugliedern, sondern in etwas viel Tieferem. Sie besteht darin, sie zu befähigen, sich selbst als Schöpfer ihres eigenen Fortschrittes auf kreative und originäre Art eine kulturelle Welt zu entwickeln, die im Einklang steht mit ihrem eigenen Reichtum und die Frucht ihrer eignen Bemühungen sein soll. Besonders wenn es sich um die Eingeborenen handelt, müssen die eigenen Werte ihrer Kultur respektiert werden, ohne den schöpferischen Dialog mit anderen Kulturen auszuschließen.

Literatur: Generalversammlung des Lateinamerikanischen Episkopates (CELAM): Die Kirche in der gegenwärtigen Umwandlung Lateinamerikas im Lichte des Konzils (1968). Botschaft an die Völker Lateinamerikas, in: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hrsg.), Stimmen der Weltkirche Nr. 8, Bonn 1981; auf: http://www.iupax.at/images/Dokumente/pdf_Soziallehre/1968-celam-medellin-die-kirche-in-der-gegenwaertigen-umwandlung-lateinamerikas-im-lichte-des-konzils.pdf

(Stand: 18.06.2013).

[3] Detaillierte Informationen: http://www.ceps-caritasmexico.org/ (Stand. 22.07.2013).