Im Einsatz bei Profanierungen

Das Projektteam arbeitet alle Kirchen und Kapellen des Bistums systematisch nach Dekanaten geordnet ab.
Wenn uns jedoch Informationen über bevorstehende Profanierungen erreichen, weichen wir möglichst zeitnah von unserem Jahresplan ab, um den Zustand des Sakralraums und seiner Ausstattung digital zu sichern.
So auch im Fall von St. Bernhard in Münster-Angelmodde, wie die Westfälischen Nachrichten in diesem Artikel berichtet haben. Mitarbeiterin Sabine Klingelhöffer hat im Sommer 2025 eine vollständige Inventarisierung des mobilen Kunstguts erstellt. Dafür hat sie sich jedem Objekt einzeln gewidmet: Zuerst werden die "intrinsischen" Daten wie Maße, Materialien und Techniken, In- oder Aufschriften (z. B. Signaturen) gesammelt. Dann werden hochauflösende Fotografien erstellt. Diese enthalten Details der Gegenstände wie beispielsweise die Rückseite von Bildern für Provenienzen, Künstler:innensignaturen, Unterseiten von Vasa Sacra mit Meisterzeichen etc. Dabei wird der optimale Belichtungspunkt ermittelt, um Lichtreflexe und Spiegelungen zu vermeiden. Die Sammlung und Erstellung dieser Daten ist nur vor Ort möglich und erfordert nicht nur fachliche Expertise, sondern - je nach aktueller Witterung und Lage der Gegenstände - auch einiges Durchhaltevermögen. So konnte Sabine Klingelhöffer schließlich 139 Datensätze zu St. Bernhard in der Datenbank verzeichnen.
Im Rahmen eines Promotionsprojekts erstellt unsere Hilfskraft Ting-Jia Guo, begleitet durch Prof. Norbert Köster und Prof. Benjamin Risse (Geoinformatik), zu ausgewählten Sakralbauten anhand von Fotografien, die bei einem Drohnenflug erstellt wurden, eine Punktwolke. Diese Punktwolke wird mit den Fotografien angereichert, in deren Metadaten die Geoinformationen enthalten sind. So entsteht ein 3D-Modell, das aktuell als filmische Aufnahme verarbeitet wird, um den Innen- und Außeneindruck eines Gebäudes mit seinen Kunstwerken einzufangen und für die Nachwelt zu erhalten. Diese Videos haben ein festes Skript, d. h. der Weg, den die Drohne zurücklegt, ist normiert und standardisiert. Sie eröffnen zusätzlich neue dokumentarische Perspektiven. Ihr Einsatz im Vermittlungskontext wird ab kommendem Jahr erforscht.
Nicht alle Kirchen, die profaniert werden, können im Rahmen des Projekts umfassend virtuell rekonstruiert und sämtliche Kunstgegenstände aufbereitet werden. Sicher ist jedoch, dass die gesammelten Daten allen Gemeindemitgliedern, Wissenschaftler:innen und interessierten Bürgeri:innen in einer Datenbank öffentlich zugänglich gemacht werden. Schließlich ist die Teilhabe an christlichem Kulturerbe ein zentrales Forschungsfeld der Arbeitsstelle für Christliche Bildtheorie, wofür der Austausch mit der Gesellschaft als "Erbin" der Kulturschätze unverzichtbar ist.
