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Call for Papers / Call for Posters

Care-Ethiken sind seit ihren Anfängen in den 1980er Jahren durch die „Dekolonisierung der moralischen Erfahrung von Frauen“ (Frans Vosman) geprägt. V. a. im Zuge der Kohlberg-Gilligan-Debatte wurde Care-Ethik als (feministische) Alternative zu androzentrisch geprägten Gerechtigkeitsdiskursen konzeptualisiert; der Antagonismus Care-Ethik oder Gerechtigkeitsethik wird erst in den letzten zwei Dekaden allmählich durch ein (auch) gerechtigkeitstheoretisches Framing care-ethischer Fragen unter den Vorzeichen von Geschlechter-, Generationen- und Umweltgerechtigkeit überwunden.

Ziel des 41. Kongresses der Internationalen Vereinigung für Moraltheologie und Sozialethik ist es, den Grundlagendiskurs über Care-Ethik im Horizont theologischer Ethik anzuregen und zu intensivieren: Denn Moraltheologie und Christliche Sozialethik weisen zwar vielfältige Bezüge zu Sorge / Care auf, u. a. in der Beziehungsethik, in Medizin- und Gesundheitsethik, der Ethik der (Erwerbs-)Arbeit, der Sozialpolitik bzw. des Wohlfahrtsstaates. Wenig geklärt ist jedoch bisher, was das Spezifische einer Care-Ethik als Ethiktyp oder Paradigma in den theologisch-ethischen Fächern ausmacht und warum theologische Ethik sich mit Sorge/Care nicht nur bereichsspezifisch, sondern grundlegend befassen sollte. Dementsprechend sieht die Programmstruktur Panels zur disziplinenübergreifenden Theoriegeschichte und Diskursentwicklung zur Sorge/Care-Ethik, zur systematischen Erschließung von Care-Ethik als Paradigma bzw. Ethik-Typus aus sozialwissenschaftlicher, philosophischer und theologisch-ethischer Perspektive vor, zum Anspruchsprofil einer Sorgenden Gesellschaft sowie zur Dynamik von Sorgebeziehungen und Sorgestrukturen vor.

Call for papers

Forschende in der frühen Karrierephase sind ebenso wie etablierte Forschende eingeladen, Beiträge zu den folgenden Feldern anwendungsorientierter Sorge-/Care-Ethik vorzuschlagen:

  1. Erziehung, Betreuung, Pflege: Sorgebeziehungen und -strukturen, die Kinder und Jugendliche, Menschen mit Beeinträchtigung sowie ältere und hochbetagte Menschen betreffen, betreffen sowohl die Institution Familie als auch gesellschaftliche, durch die öffentlichen Hände oder durch freie Träger unterhaltene Einrichtungen und die politischen Bedingungen, unter denen unterschiedliche Akteure bzw. Verantwortungsinstanzen tätig werden und zusammenwirken. Ethische Herausforderungen guter Sorge betreffen u. a. Fragen der Beziehungsqualität und der Verantwortungsübernahme, schließen die Reflektion von Machtverhältnissen, Kriterien politischer Steuerung und Qualitätssicherung ein.
  2. Spiritual Care / Seelsorge – Sorge/Care in geistlicher Dimension: Gerade im theologisch-ethischen Kontext sind besondere pastorale Sorgebeziehungen sowie die gesellschaftlichen Möglichkeiten, entsprechende Angebote seitens religiöser Gemeinschaften / Kirchen zu machen, ethisch zu reflektieren. Spezielle Orte der Sorge für Menschen in besonders verletzlichen Lebenssituationen (z. B. Hospize) kommen in den Blick, darunter auch gesellschaftliche „Anders-Orte“ (z. B. Justizvollzugsanstalten), an denen die Wahrnehmung von Sorge-Bedürfnissen und die Möglichkeit, diesen zu begegnen, prekär sind.
  3. “Sorge um das Gemeinsame Haus” – Care-Ethik in ökologischer Dimension: Sorge / Care als Haltung und als Chiffre für die Qualität gesellschaftlicher Handlungs- und Strukturmuster weist über den Raum des Sozialen hinaus auf die ökologischen Bedingungen und Zusammenhänge des Lebens. Ökologische Ethik als vieldimensionale Sorge-Ethik wurde im theologischen Kontext u. a. durch die Enzyklika Laudato si‘ (2015) verstärkt ins Blickfeld gerückt. Inwiefern Care-Ethik als Ethik-Typ oder Paradigma für eine ökologische Ethik relevant ist bzw. durch diese selbst geformt wird, bedarf der Reflexion.
  4. Sorge um Frieden: Unter dem Eindruck des Krieges gegen die Ukraine und der globalen Krisen, die der Krieg entweder ausgelöst oder verschärft hat, stellt sich die Frage nach möglichen Beiträgen einer Sorge-/Care-Ethik zu den Bemühungen um Frieden bzw. um die Überwindung von Krieg und Gewalt. Sie stellt sich u. a. im Hinblick auf die humanitäre Unterstützung der von Gewalt bedrohten und betroffenen Zivilbevölkerung, auf den Umgang mit Kriegsflüchtlingen (im In- und Ausland), die Unterstützung derer, die sich der Gewalt widersetzen und Widerstand leisten; sie stellt sich aber z. B. auch im Blick auf die Sorge um den sozialen Frieden der durch Versorgungskrisen verunsicherten Gesellschaften. 

Call for Posters

Im Rahmen einer Poster-Ausstellung, die während der gesamten Tagung gezeigt wird, können aktuelle Forschungsprojekte zu care-ethischen Themen (Grundlagen- wie anwendungsorientiert) präsentiert werden.

Formale Hinweise

Vorschläge für Paper-Präsentationen bzw. für Poster-Präsentationen können bis zum 08.01.2022 an die Kongress-Adresse ivms2023@uni-muenster.de gesandt werden.

Bitte nutzen Sie für Paper- als auch für Poster-Vorschläge die vorbereiteten PDF-Formulare auf dieser Seite (s.u.). Geben Sie Ihre persönlichen Daten und Ihre Skizze für einen Paper- oder Postervorschlag (max. 400 Wörter) getrennt an. Die Vorschlagsskizze muss das Thema, darf aber keinen Namen und auch sonst keine Hinweise auf die einreichende Person enthalten. Bitte beachten Sie hierzu den Hinweis in den Formularen zu einem spezifischen Stichwort für Ihr Proposal. Die Einsender*innen werden im Januar 2023 über die Entscheidung des Vorbereitungsteams informiert.

Paper: Für die Paper-Präsentationen wird jeweils ein zeitlicher Umfang von max. 20 Minuten (+ 25 Diskussionszeit) zur Verfügung stehen.

Poster: Ein Poster ist als PDF-Datei bis zum 1.8.2023 unter der Kongressadresse ivms2023@uni-muenster.de einzureichen Die Posterausstellung wird zu Beginn der Tagung eröffnet; während der Tagung wird es ein Zeitfenster zur Präsentation und Diskussion der Poster geben; die Ausstellung steht während des Rahmens der Eröffnung zur Verfügung.

Wir freuen uns auf Ihre Einsendungen!

Monika Bobbert & Marianne Heimbach-Steins

 

Alle Informationen in einer PDF-Datei.

Formular für ein Proposal for Papers oder ein Proposal for Posters: Formular.

Formular für die Persönlichen Daten für Proposal for Papers / Posters: Forumlar.