Herzlich Willkommen auf der Homepage der Theatralischen Theologen

- wir bedanken uns für eine fantastische Spielzeit 2018/2019 -

- wir stehen bald wieder auf der Bühne -

  • Die Premiere der Spielzeit 2018/2019

    Pedro Calderón de la Barca

    Das große Welttheater

    In der Nachdichtung von Joseph von Eichendorff 

    „Und da nun schon gerüstet all der Plunder,

    So kommt, Sterbliche, herbei,

    Um euch einzeln auszuputzen;

    Auf dem großen Welttheater zeige jeder seine Kunst nun!“

     „Theologisches Theater steht vor dem Aus“, künden die „Münsteraner Kulturnachrichten“ nicht ohne Häme. Eine örtliche Bäckerei-Kette wolle das kleine Theater am Krummen Timpen aufkaufen, abreißen und an seiner Stelle eine weitere Großfiliale eröffnen. Mit den üppigen Barock-Inszenierungen von Jesuiten- und Reformations-Dramen hat der Intendant und selbsternannte Dramendichter (Patrick Bahl) sein Theater nicht nur in den finanziellen Ruin getrieben, sondern auch Geduld und Geschmack des Publikums ein ums andere Mal strapaziert. Doch mit seinem neuen Stück will er es den Kritikern ein letztes Mal zeigen und so wird der penible, kaltschnäuzige Inspizient (Niklas Ellerich) angewiesen, die Bühne für „Das große Welttheater“ herzurichten und die Proben anzusetzen.

    Das ansässige Ensemble könnte ungleicher kaum sein: Da ist der ehemalige Kinderdarsteller (Lukas Wünsch), der in einer (überaus kurzlebigen) Broadway-Adaption von „Richie Rich“ seinen einzigen Erfolg feierte und sich zurück ins Rampenlicht sehnt. Da lässt sich die in die Jahre gekommene Diva (Lennart Luhmann) gelangweilt auf die Bühne bitten. Da steht eine altgediente Bühnenlegende (Janica Schneider) aus einer angesehenen Schauspielerdynastie neben einer talentierten, aber viel zu oft übergangenen Bühnenkünstlerin (Efthimia Papadopoulos), die auf der Suche nach der Rolle ihres Lebens ist. Da trifft die dem kleinen Theater am Krummen Timpen seit einer halben Ewigkeit ergebene Charakterdarstellerin (Madlene Maciejczyk) auf den schelmischen Neuling in der Truppe (Benjamin Anicker), der sich durchweg im Ton vergreift.

    Sie alle bekommen ihr Textbuch in die Hand gedrückt und sollen „gut spielen“. Und die Schauspieler ahnen: Soll der Bankrott ihres Theaters abgewendet werden, muss einer von ihnen gehen. Unter den gestrengen Blicken einer drakonischen St. Petersburger Souffleuse (Alicia Anger) legen sie sich ins Zeug, sie spielen um ihr Leben, um Ruhm und Ehre – und eine Vertragsverlängerung.

    Doch im Laufe der Proben verschwimmen Spiel und Realität: Wie soll man das Stück des Autors „gut spielen“? Wer spielt eine Rolle? Wer sich selbst? Wer übertreibt maßlos? Wer kommt nicht aus seiner Haut? Und ist nicht die ganze Probe selbst ein Stück im Stück, eine Farce, ein abgekartetes Spiel, eine längst ausgemachte Sache? Und was stimmt eigentlich mit dem Publikum nicht, das diesem erbarmungslosen Wettstreit auf der Bühne zuschaut?

    Die Projektgruppe "Theologie und Theater" präsentiert als Premiere der Spielzeit 2018/2019 eine Inszenierung des „Großen Welttheaters“ von Pedro Calderón de la Barca.

  • Das Ensemble der Spielzeit 2018/2019

    „Laßt uns gehen,

    Gut zu spielen – Gott ist Gott!“

    Alicia Anger

    Benjamin Anicker 

    Niklas Ellerich

    Lennart Luhmann

    Madlene Maciejczyk

    Efthimia Papadopoulos

    Christian Pfordt

    Janica Schneider

    Lukas Wünsch

    Patrick Bahl

  • Die Inszenierung der Spielzeit 2018/2019

    „Darum, daß es besser glücke,

    Laßt uns an die Probe gehn.“

    Der Jesuitenzögling und Priester Calderón de la Barca schuf als Hofdichter Philipps IV. 120 Dramen und formvollendete die Gattung des „autos sacramentales“, des Fronleichnamsspiels. Aus Calderóns Feder stammen fast 80 dieser Spiele, von denen „Das große Welttheater“ wahrscheinlich das berühmteste ist. Auf dem Spitzboden des Ökumenischen Instituts der Evangelisch-Theologischen Fakultät hat im Sommersemester 2018 die Inszenierung dieses Stückes ihren Anfang genommen.

    Im Juni und Juli hat das Ensemble erste Lektüreeindrücke gesammelt, die verschiedenen Bedeutungsebenen des Stücks beleuchtet und intensiv über theologische und inszenatorische Fragen diskutiert: Worum geht es im „Welttheater“? Geht es um Abendmahlsfrömmigkeit? Prädestination? Das Verhältnis von Schicksal und Freiheit? Um Rechtfertigung und Werkgerechtigkeit? Welche theologische Tagesaktualität kann es für sich beanspruchen? Was soll bei der Aufführung im Vordergrund stehen?

    Dabei hat sich schnell gezeigt: Nicht nur Calderóns Stück an sich, sondern auch Eichendorffs Übersetzung, die dem Geist der Romantik entspringt, stellt eine große Herausforderung dar, weil sie viele theologische Details des durch und durch religiösen Stückes säkularisiert, glättet oder übergeht. Die charakteristische Melodie des Eichendorff-Textes sollte zwar erhalten bleiben, trotzdem waren hie und da Eingriffe, Verschlankungen und Umstellungen nötig, wobei der spanische Originaltext maßgebend war. Ein Beispiel: Aus Eichendorffs „Tu recht – Gott über euch!“ wurde das für das Stück charakteristische und Calderóns Original „Obrar bien, que Dios es Dios“ näherstehende „Spiel gut – Gott ist Gott!“, weil es die Inszenierungsidee eines Stücks im Stück, einer Aufführung in der Aufführung, viel prägnanter einfangen konnte.

    Nachdem die Rollen verteilt und der Aufführungsansatz und das Szenarium des Stückes diskutiert worden waren, konnten im Juli, August und September die ersten Sprech- und Einzelproben stattfinden.

    Im Oktober und November stehen nunmehr die Hauptproben an, in der Adventszeit soll die Premiere stattfinden.

  • Das Projekt

    „Weislich richt‘ ich’s also ein,

    daß, wer lebt, mitspielend strebe…“

    Das im Sommersemester 2018 von Christian Pfordt (damals: Ökumenisches Institut, derzeit: Cambridge), Patrick Bahl (Seminar für Kirchengeschichte II) und einem kleinen Kreis theologiegeschichtlich interessierter und theaterbegeisterter Studierender unserer Fakultät (s.o.) ins Leben gerufene Projekt setzt es sich zum Ziel, abseits des regulären Seminarbetriebs das in der Geschichte ambivalente Verhältnis von Kirche und Theater zu beleuchten und theologisch relevante Stücke der Reformationszeit, des konfessionalistischen Zeitalters und der Aufklärung kirchenhistorisch und theologisch zu erschließen und zu inszenieren.

    Dabei ist das enge Verhältnis von (Laien-)Theaterspiel und (akademischem) Schulbetrieb ganz dem dramaturgischen und didaktischen Ansatz protestantischer und jesuitischer Schuldramen des 16. und 17. Jahrhunderts verpflichtet. Wir sind überzeugt: Wo Theologie studiert wird, muss Theater gespielt werden!