Leihgaben des Bibelmuseums für neues Paulus-Museum

Mit einer Sonderausstellung zum Leben und Wirken des Apostels Paulus wurde vor kurzem das Paulus-Museum Münster eröffnet. Damit können nicht nur einige der bedeutendsten Stücke des Domschatzes nach Schließung der Domkammer 2017 wieder besichtigt werden. Zu dem offenen Austausch und kulturübergreifende Diskurse über christliche Geschichte und Geschichten trägt auch das Bibelmuseum mit einigen Leihgaben bei.
Das älteste Exponat ist ein Papyrusfragment aus dem zweiten Jahrhundert, die "Acta Pauli et Theclae". Die außerkanonische Schrift ist nicht nur die erste, in der das Aussehen des Paulus beschrieben wird, sondern zeigt auch, wie sich über die Jahrtausende hinweg die Interpretation biblischer Schriften und anderer historischer Quellen verändert hat.
Zu den wichtigsten dieser Quellen gehört der so genannte "Codex Vaticanus", eine griechische Handschrift aus dem vierten Jahrhundert nach Christus. Aus dem Faksimile des Bibelmuseums wird die Überlieferung der Weihnachtsgeschichte präsentiert. Die Wissenschaftler*innen des Instituts für Neutestamentliche Textforschung (INTF), dem Träger des Bibelmuseums, konnten zeigen, dass durch Änderungen in der originalen Handschrift die Textstelle "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens" aus Lukas 2,14 verändert wurde, was Auswirkungen auf die theologische Aussage hatte.
Die "Dietenberger Bibel" aus dem Jahr 1534 ist die erste oberdeutsche Vollbibel, also Altes und Neues Testament, und erschien noch vor Martin Luthers Vollbibel. Johann Dietenberger gilt als einer der größten Gegner Luthers. Der Professor der Theologie in Mainz und Prior der Dominikaner in Frankfurt wollte mit seiner Übersetzung eine Gegenbibel zur protestantischen Lutherbibel schaffen, verwendete diese jedoch teilweise als Grundlage für seine katholische Ausgabe. Bis ins 18. Jh. hinein war die "Dietenberger Bibel" die auf katholischer deutscher Seite meist verbreitete Bibel, insgesamt gibt es über 60 Auflagen.
Die Leihgaben des Bibelmuseums beschränken sich nicht auf Texte. Auch die Bilderbibel von Gustave Doré (1832-1883), 1866 mit 230 Illustrationen in französischer Erstausgabe erschienen, ist derzeit im Paulus-Museum am Alten Steinweg zu finden. Die Illustrationen und vor allem die Motivwahl von Doré stellen etwas völlig Neues in der Geschichte der Bibel-Illustrationen dar. So bevorzugt Doré dramatische Geschichten, häufig finden sich Massenszenen sowie Schlachtszenarien. Auch orientalisch anmutende Prunkarchitektur, überladene Prachtgewänder und opulente Paläste sind deutlich häufiger anzutreffen als die karge Landschaft des Heiligen Landes. Damit prägte der französische Maler ganze Generationen und ihre Bildvorstellungen von den Geschichten der Heiligen Schrift.
Die Ausstellung „Ich gehe – aber wohin?“ ist bis zum 30. Mai 2027 im Paulus-Museum Münster, Alter Steinweg 3, montags bis samstags von 12 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen sind unter www.paulusmuseum.de zu finden.