Fust-Schöffer-Bibel

Gutenbergbibel, gedruckt 1462 von Johannes Fust und Peter Schöffer
© Bibelmuseum Münster

Eine originale Seite der lateinischen Gutenbergbibel von 1462 ist im Bibelmuseum  zu bestaunen. Zu sehen ist die Textstelle Hesekiel 29-32. Der lateinische Text wurde in zwei Kolumnen zu je 48 Zeilen auf Pergament gedruckt. Ausgewählte Buchstaben von Satzanfängen wurden zur leichteren Lesbarkeit nach dem Druck rot eingefärbt. Einzelne rote und blaue Initialen zeigen den Beginn eines neuen Kapitels. Zusätzlich sind diese Stellen mit römischen Ziffern gekennzeichnet. Das Blatt wurde zu späterer Zeit als Einband eines anderen Werkes zweckentfremdet.

Johannes Gutenberg erfand den Buchdruck mit beweglichen Bleilettern. Der erste Druck war eine lateinische Bibel und dauerte von 1452 bis 1454. Das Drucken war ein eigenes Handwerk und der Aufwand entsprechend groß, was sich im Preis bemerkbar machte: Das Septembertestament Luthers von 1522 kostete etwa 40 bis 50 Gulden, was dem Vierjahresverdienst eines Schreibers gleichkam.

Die ersten Drucke werden als Inkunabeln (Wiegendrucke) bezeichnet, die zu Beginn des Buchdrucks bis 1500 entstanden. Gerade diese ersten Drucke orientieren sich noch stark an den mittelalterlichen Handschriften, was an ähnlichen Verzierungen, die per Hand gemalt oder geschrieben wurden, erkennbar ist. 

Bei dem vorliegenden Bibelblatt handelt es sich um die vierte gedruckte lateinische Bibel, auch nach ihrer Zeilenzahl als "B48" bezeichnet. Verantwortlich für diesen Druck waren Johannes Fust (1400-1466) und Peter Schöffer (1425-1503), ehemalige Weggefährten Gutenbergs, die die Druckerei 1455 übernommen hatten. Die verwendete Schrifttype ist "Gotico-Antiqua" und wurde von Peter Schöffer entworfen. Die Bibel lag am 14. August 1462 vollständig gedruckt vor.

Heute sind von der Fust-Schöffer-Bibel weltweit nur noch rund 60 mehr oder weniger vollständige Exemplare und rund 40 Einzelblätter beziehungsweise Fragmente bekannt. 50 Exemplare (vollständig oder Fragmente) davon wurden auf Pergament gedruckt. In NRW findet sich nun mit dem Münsteraner Exemplar ein Blatt dieser Bibel, ein Fragment ist in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn belegt.