Grenzen der Selbstbestimmung in der Medizin

Summer School der Kolleg-Forschergruppe
2012-07-23 Plakat Summer School

Darf sich der behandelnde Arzt unter bestimmten Bedingungen über eine Patientenverfügung hinwegsetzen? Wie eingehend sollte ein Patient etwa über Untersuchungsergebnisse oder Behandlungsmöglichkeiten informiert werden? Welche Formen der Patientenautonomie sind im Klinikalltag überhaupt realisierbar?

 

Die Summer School Grenzen der Selbstbestimmung in der Medizin bietet Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern die Gelegenheit, eigene Arbeiten zu diesem Thema zu präsentieren und miteinander sowie mit Experten zu diskutieren. Die Veranstaltung der Kolleg-Forschergruppe "Normenbegründung in Medizinethik und Biopolitik" findet in der Woche vom 23. bis zum 27. Juli 2012 im Tagungs- und Seminarzentrum agora: statt. Interessierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler senden bitte bis zum 15. Februar 2012 einen Lebenslauf und ein Abstract an den Koordinator der Summer School, PD Dr. Johann S. Ach.

 

GRENZEN DER SELBSBESTIMMUNG

Über den hohen normativen Stellenwert der Selbstbestimmung von Patientinnen und Patienten gibt es in der modernen medizinethischen Diskussion kaum noch einen grundsätzlichen Dissens. Strittig aber ist, was genau unter Patientenselbstbestimmung bzw. Patientenautonomie zu verstehen ist, und wie sich die normative Autorität, die das Prinzip der Autonomie Patientinnen und Patienten in Fragen der medizinischen Behandlung oder Nichtbehandlung einräumt, begründen lässt. Gegenstand einer kontroversen Debatte sind darüber hinaus die Grenzen der Reichweite von Selbstbestimmung. Damit ist zum einen die Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit selbstbestimmten Entscheidens und Handelns aufgeworfen; zum anderen aber auch die Frage danach, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Gründen die Selbstbestimmung von Patientinnen und Patienten gerechtfertigt eingeschränkt werden darf.

 

SUMMER SCHOOL

Die Summer School bietet Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern unterschiedlicher Fachdisziplinen die Gelegenheit, eigene Arbeiten zum Thema zu präsentieren und miteinander sowie mit Mitgliedern der Kolleg-Forschergruppe „Normenbegründung in Medizinethik und Biopolitik“ und weiteren renommierten Expertinnen und Experten zu diskutieren.

An der Veranstaltung werden maximal 15 Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler teilnehmen. Kosten für Reise und Unterkunft werden übernommen. Die im Rahmen der Summer School erarbeiteten wissenschaftlichen Beiträge werden in Buchform publiziert.

 

CALL FOR PAPERS

Im Rahmen der Summer School soll die Frage nach den Grenzen der Selbstbestimmung in der Medizin aus medizin­ethischer, medizinhistorischer, philosophischer und rechts­ethischer Perspektive thematisiert werden. Erwünscht sind sowohl Beiträge, die sich mit theoretischen Aspekten der Frage der Selbstbestimmung und ihren Grenzen in der Medizin auseinandersetzen, als auch Beiträge, die das Thema aus einem praxisbezogenen Blickwinkel beleuchten.

Mögliche Themen sind beispielsweise:

  • Begriff, Bedingungen und Grenzen selbstbestimmten Handelns in der Medizin
    Begriff der Patientenautonomie, ‚aktuale‘ und ‚relationale‘ Autonomie, Gewichtung konkurrierender Prinzipien oder Werte, etc.
  • Begriff des medizinischen Paternalismus
    ‚schwacher‘ vs. ‚starker‘ Paternalismus, ‚Odysseus-Paternalismus‘, ‚libertärer Paternalismus‘, etc.
  • Selbstbestimmung und Paternalismus in Medizin und Psychiatrie
    Suizidverhinderung, Zwangsbehandlung, Vorenthaltung von Informationen, Fixierung, Zwangseinweisung, etc.

Interessierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler senden bitte bis zum 15. Februar 2012 einen Lebenslauf und ein Abstract (ca. 150 Wörter) zu ihrem Vortrag per E-Mail oder per Post an den Koordinator der Summer School, PD Dr. Johann S. Ach (Kontaktdaten siehe rechte Spalte).