Forum für Autobiographieforschung
"Die meisten Menschen sind im Grundverhältnis zu sich selbst Erzähler."
(Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften)

Im autobiographischen Erzählen manifestieren sich zentrale Fragen der Literatur(wissenschaft) sowie die Problematik des menschlichen Selbstverhältnisses. Als eine ausdifferenzierte Literaturgattung umfasst Life Writing nicht nur Autobiographie und Biographie, sondern auch Autofiktion, Briefe, Tagebücher, Krankheitsnarrative, testimonials, Memoiren, Reiseberichte, Essays, Interviews, autographics und andere Textsorten. Auch beispielsweise Film, Kunst und Photographie oder soziale Netzwerke sind prominente autobiographische Medien.

Das Forum schafft einen Raum für die intensive Auseinandersetzung mit konkreten Texten und Formaten, aber auch für die theoretisch-methodische Reflexion des Gegenstands. Es greift aktuelle wissenschaftliche Diskussionen und Impulse aus anderen Disziplinen auf und beteiligt sich aktiv an der Entwicklung neuer, auch interdisziplinär ausgerichteter Fragestellungen zum Thema. Die Aktivitäten des Forums umfassen Vorträge, Workshops, Konferenzen sowie gemeinsame Lehrveranstaltungen und Publikationen.

Aktuelles

Nächstes Treffen des Forums für Autobiographieforschung

Das AutobiographieForum lädt zu einem offenen Treffen ein, um eine für das nächste Jahr geplante Tagung zum Thema "Beyond Endings" vorzubereiten. Das Treffen findet am Mittwoch, den 18.10.2017, um 19.30 Uhr im Englischen Seminar der WWU Münster, Johannisstr. 12-20, Raum 129 statt. Alle an Autobiographiefragen Interessierten sind herzlich willkommen!

CfP: Anderswo im Anderswann

Autofiktion als Utopie

Anderswo im Anderswann – Autofiktion als Utopie

Binationale Tagung der WWU Münster und der RU Nijmegen

21.-23. März 2018, Gnadenthal bei Kleve

Tagungssprache Deutsch und Englisch

Utopie – Thomas Morus dachte sie sich vor 500 Jahren als Insel – die Insel als ein Gegenentwurf zur Gesellschaft. Bei Morus ist sie eine ideale, konfliktfreie Welt, während Gilles Deleuze sie sich, Mitte des 20. Jahrhunderts, eher als einen wüsten Ort vorstellte – allein schon deshalb, weil sie von der übrigen Welt abgesondert ist. Utopie [gr. οὐ und τόπος, ‘nicht’, ‘Ort’], der Nicht-Ort. Michel Foucault, Zeitgenosse Deleuzes, stellt in seinen Überlegungen zu ‘anderen Räumen’ den Gegenwartsbezug der Utopie heraus, was ihn dann konsequenterweise zur Formulierung der Heterotopien bringt. Es ist dieses kritische Potenzial der Utopie, das Denker wie Jean Jacques Rousseau oder Karl Marx und Friedrich Engels nutzten, um die literarische Gattung der utopischen Erzählungen stärker politisch auszurichten. Karl Mannheim brachte es auf den Satz: “Utopisch ist ein Bewußtsein, das sich mit dem es umgebenden ‘Sein’ nicht in Deckung befindet”. Damit beginnt im Grunde das Ende der Verzeitlichung der Utopie, wie sie am Beginn der Moderne mit Romanen wie ‘Das Jahr 2240’ (1771) von Louis-Sébastian Mercier aufkamen. Die aktuelle Utopieforschung hat sich schon lange von idealisierten Zukunftsvisionen verabschiedet und diskutiert Utopie (u.a.) als ‚Impuls’, ‚Methode’ oder ‚Bewusstsein’. Wie aber muss man sich ein solches Bewusstsein, das sich nicht in Deckung mit dem Realen befinden will, vorstellen? Wie entwirft es sich selbst, wie inszeniert es sich, wie stellt es sich dar? An dieser Stelle berühren sich Utopie- und Autobiographieforschung.

Mit dem Fokus auf die Utopie kommt das Imaginäre, Visuelle und Fantastische in den Blick, dass die Autobiographie von der Autofiktion unterscheidet. ‘Autofiktion’ adressiert im Gegensatz zur an Authentizität und Wahrhaftigkeit ausgerichteten Auffassung von Autobiographie das fiktionale Moment literarischer Selbstentwürfe: “Fiktion strikt realer Ereignisse und Fakten”, so definierte Serge Doubrovsky den Begriff, der sich inzwischen in der aktuellen Autobiographiedebatte etabliert hat. Entscheidend für die Behandlung der Autobiographie als Utopie dürfte des Weiteren die Konstitution des Ichs im Medium sein. Die neuere Autobiographieforschung hat dafür den Begriff der ‘Automedialität’ geprägt. Mit diesem Begriff wird der Fokus auf die mediale Begründung des Selbstentwurfs gelegt, der zwar zumeist, aber keinesfalls ausschließlich, im Medium der Schrift vollzogen wird. Dabei sind die verschiedenen Medien Grundlage unterschiedlicher autobiographischer - oder besser noch: autofiktionaler – Artikulationsmodi, die jeweils unterschiedlich geformte Selbstbilder hervorbringen.

Die geplante Tagung fragt vornehmlich nach dem Utopischen dieses autofiktionalen Selbstentwurfs und möchte damit Licht werfen auf das Imaginäre, das Fantastische aber auch auf die gesellschaftskritischen Gegenwartsbezüge des Selbstentwurfs.

Der spezifische Fokus der Tagung leitet sich aus dem ‘Spatial Turn’, einer Neuorientierung am Räumlichen, seiner Wahrnehmung und seiner Konzeptualisierung, ab: Sowohl die Utopie wie die Autofiktion werden unter räumlichen Gesichtspunkten betrachtet. Daraus ergibt sich auch die Zielsetzung der Tagung, die das autofiktionale Potential räumlich verfasster Utopien untersuchen will.

Mögliche Themen:

  • Utopische U-topien: Das autofiktionale Anderswo als Ideologiekritik
  • Heterotopie und Utopie: Gesellschaftsbezug oder Realitätsflucht?
  • Autobiographische Dystopien und/oder Das Prinzip Hoffnung
  • Anderswo/Anderswann: Zukunft und Vergangenheit als utopische Räume
  • Fluchtversuche in die Auto(r)poetik
  • Power of Past: Nostalgia/ Nostalgie als Eutopie

Vortragsvorschläge in Form von Abstracts (max. 300 Wörtern) sowie eine kurze biographische Notiz (inkl. E-Mail-Adresse, Anschrift und Institution) mit Angabe von Forschungsschwerpunkten senden Sie bitte bis zum 01. November 2017 an: k.wilhelms@uni-muenster.de und y.delhey@let.ru.nl. Für Rückfragen stehen wir zur Verfügung. NachwuchswissenschaftlerInnen werden nachdrücklich aufgefordert, sich zu bewerben. Wir bemühen uns um eine Finanzierung bzw. Erstattung der Kosten für Reise.

Konzept und Organisation: Dr. Kerstin Wilhelms (Westfälische Wilhelms-Universität Münster), Dr. Yvonne Delhey (Radboud Universiteit Nijmegen)

Ringvorlesung "Life Writing. Neue Ansätze in der Autobiographieforschung"

Ringvorlesung

Die Ringvorlesung "Life Writing. Neue Ansätze in der Autobiographieforschung" findet im WS 2015/16 sowie im SoSe 2016 jeweils dienstags von 14-16 Uhr im J1 statt. Die aktuellen Termine finden Sie hier

Ringvorlesung "Life Writing. Neue Ansätze in der Autobiographieforschung II"

Abg Logo Big

Die zweite Ringvorlesung des Autobiographieforums, "Life Writing. Neue Ansätze in der Autobiographieforschung II" findet im WS 2016/17 jeweils dienstags von 14-16 Uhr im Fürstenberghaus, Raum F2, statt. Die aktuellen Termine finden Sie hier.

Sektion Germanistentag Bayreuth 2016

Sich selbst erzählen. Autobiographie – Autofiktion – Autorschaft

Das autobiographische Erzählen stellt einen Grenzfall des Erzählens dar, dessen Virulenz sich sowohl in einer anhaltenden Theoriedebatte als auch in immer neuen literarischen Formen und Experimenten niederschlägt. Um der theoretischen, methodischen und künstlerischen Vielfalt der Selbsterzählung gerecht werden zu können, richtet der Germanistentag eine sich über drei Tage erstreckende Sektion zum Thema ein, deren Panels jedoch miteinander verbunden sind. Didaktische Beiträge sind willkommen. Den kompletten Text finden Sie hier.

Gastvortrag

Abg Logo Big

Am 7. Februar 2017 findet der letzte Gastvortrag der Ringvorlesung "Life Writing. Neue Ansätze in der Autobiographieforschung II" statt: Prof. Dr. Ulla Haselstein (Berlin) hält ihren Vortrag zum Thema "Talking and Listening: Gertrude Steins Selbstporträts".
Der Vortrag wird in deutscher Sprache stattfinden. Interessierte aller Fachrichtungen sind herzlich eingeladen.