Ukrainische Diaspora in Bayern im XX Jahrhundert: Gesellschaft, Politik, Kultur

Roman Tiutenko (München)
© Ukrainische Nationalvereinigung

Die Erforschung der Geschichte der ukrainischen Diaspora in Bayern im XX. Jahrhundert ist von großer Bedeutung für das Verständnis von Migrationsprozessen in Deutschland und Westeuropa im Allgemeinen. Bayern, und insbesondere München, entwickelte sich zu einem einzigartigen Zentrum des ukrainischen politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Lebens, in dem sich nach dem Ersten und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg die führenden intellektuellen Kräfte der Emigration konzentrierten. Die ukrainische Gemeinschaft bildete in Deutschland seit Beginn des XX. Jahrhunderts kein iso liertes Umfeld, sondern ein effektives Netzwerk deutsch-ukrainischer Initiativen. Dies belegen die Kooperationen ukrainischer Professoren mit den deutschen Universitäten München, Heidelberg und Freiburg, der Kreis prominenter ukrainischer Künstler an der Akademie der Bildenden Künste München, der Deutsch-Ukrainischer Wirtschaftsverband unter der Leitung von Josef Pschorr, die Deutsch-Ukrainische Gesellschaft in Berlin etc. Die Vorstellung der Studie bietet eine umfassende Analyse des Lebens der ukrainischen Gemein schaft in Bayern im gesamten XX. Jahrhundert – von den ersten Wirtschaftsmigranten Ende des XIX. Jahrhunderts und Kriegsgefangenen des Ersten Weltkriegs bis hin zur Entwicklung bedeuten der wissenschaftlicher und Bildungseinrichtungen wie der Ukrainischen Freien Universität, der Schewtschenko-Gesellschaft sowie öffentlicher Institutionen, insbesondere des Ukrainischen Frauenverbands, des Ukrainischen Jugendverbands und anderen. Die Untersuchung greift auf ein breites Spektrum an Archivmaterialien zurück (Archiv der Ukrainischen Freien Universität, Baye risches Hauptstaatsarchiv, Staatsarchiv München, Zentrales Militärarchiv der Republik Polen, Staatsarchiv des Auslandsnachrichtendienstes der Ukraine usw.), auf Berichte aus Memoiren, Briefen und anderen Quellen. Dies ermöglicht es, nicht nur die politischen Aktivitäten der Einrich tungen detailliert zu rekonstruieren, sondern auch den Alltag der Ukrainer in verschiedenen Epo chen sowie die Entwicklung von Frauen-, Jugend-, öffentlichen, kulturellen und religiösen Organi sationen zu analysieren.