Reichsstädte auf dem Regensburger Reichstag von 1653/1654
Die Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618-48) brachten auch in der Reichsstadtlandschaft einige Veränderungen. Im Westfälischen Frieden wurden die Städte Metz, Toul und Verdun Frankreich zugesprochen, während Verden an der Aller an Schweden ging. Die eidgenössischen Reichsstädte wurden von allen Verpflichtungen gegenüber dem Reich befreit, wurden also faktisch (de jure erst 1798) mediatisiert. Hamburg und Bremen dagegen konnten ihren Status als unabhängige Freistädte nicht aufrechterhalten und unterstellten sich im Laufe des Dreißigjährigen Krieges dem Reich, wurden also Reichsstädte.
Die wichtigsten Veränderungen für die Reichsstädte waren aber rechtlicher Natur. Im Vertragswerk des Westfälischen Friedens wurde endgültig festgelegt, dass die Reichsstädte gleich den anderen Reichsständen die Landeshoheit in ihren Gebieten und das freie Bündnisrecht innehaben, und dass sie auf Reichstagen zu fast allen Reichssachen ein Stimmrecht haben. Detailfragen der Reichsorganisation wie etwa die Erneuerung und Anpassung der Reichsmatrikel oder der Umgang mit kriegsbedingten Schulden und Lasten klärte das Vertragswerk nicht, sondern verwies sie auf den nächsten Reichstag.
Dieser nächste Reichstag nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde dann 1653 nach Regensburg einberufen. Die reichsrechtliche Aufwertung und vor allem wohl die anstehenden Verhandlungen zu den besonders die Reichsstädte betreffenden Finanzfragen dürften dazu geführt haben, dass fast alle Reichsstädte mit Gesandten auf dem Reichstag vertreten waren oder zumindest die Gesandten einer anderen Stadt mit Vertretung beauftragt hatten. Das Abschlussdokument des Reichstags, bekannt als „Jüngster Reichsabschied“, führt die Reichsstädte und ihre Gesandten genau auf.
Auf dem 1663 einberufenen nächsten Reichstag, der sich dann zum „Immerwährenden Reichstag“ entwickelte, waren die Reichstädte nicht mehr so zahlreich vertreten. Der Jüngste Reichsabschied ist also für die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg die prominenteste Quelle, die annähernd alle Reichsstädte versammelt und wurde deshalb in die interaktive Karte aufgenommen.
Literatur:
Laufs, Adolf: Die Reichsstädte auf dem Regensburger Reichstag 1653/1654, in: Zeitschrift für Stadtgeschichte, Stadtsoziologie und Denkmalpflege 1 (1974), Seite 23-48.
Meiern, Johann Gottfried von: Acta comitalia Ratisbonensia publica, oder Regensburgische Reichstags-Handlungen und Geschichte von den Jahren 1653 und 1654, Leipzig 1738 und Göttingen 1740.
