

Mission Statement
Das Institut für vergleichende Städtegeschichte (IStG) ist ein interdisziplinär und international ausgerichtetes Forschungszentrum zur Geschichte der europäischen Stadt. Wir erforschen Städte als zentrale Orte gesellschaftlicher Ordnung, Dynamik und Veränderung.
Forschungsschwerpunkte: Vergleichende Städtegeschichte
Im Zentrum unserer Arbeit steht der Vergleich. Auf der Grundlage von Quellen, Daten und räumlichen Analysen machen wir Strukturen, Prozesse und typologische Unterscheidungen in und zwischen urbanen Räumen europaweit vergleichbar. Räumlich liegt unser Schwerpunkt in Deutschland und Mitteleuropa. Westfalen dient uns als besonderer Referenzraum, um regionale Ausprägungen in überregionale und europäische Kontexte einzuordnen. Im Verbund mit unseren europäischen Partnern arbeiten wir am Institut an einer vergleichenden Städtegeschichte in einem „Europa der Regionen“.
Methoden & digitale Infrastruktur
Als Pionier der raumbezogenen Städteforschung entwickelt das IStG aus der Atlasarbeit heraus neue Formen der Darstellung, Analyse und Modellierung historischer Ortsdaten. Mit digitalen Verfahren und Werkzeugen erweitern wir diese Kompetenz konsequent: Unser Ziel ist es, durch standardisierte Geodaten, digitale Editionen und nachhaltige Forschungsinfrastrukturen neue Perspektiven für die interdisziplinäre historische Städteforschung zu eröffnen. Das IStG versteht sich dabei als Brückenbauer zwischen klassischer historischer Forschung und datenbasierter, digital gestützter Städteforschung.
Regionale & internationale Vernetzung
Unsere Arbeit ist stark vernetzt: Gemeinsam mit europäischen Partnern betreiben wir kooperative Projekte, Gast‑ und Austauschprogramme und sind breit vernetzt mit Forschungseinrichtungen, die ebenfalls an einer vergleichenden Städtegeschichte interessiert sind. Zugleich pflegen wir enge Kooperationen mit Archiven, Museen und wissenschaftlichen Einrichtungen in Westfalen und bringen regionale Forschungsperspektiven in überregionale und internationale Diskurse ein. So wird das IStG zu einem internationalen Begegnungs‑ und Arbeitsort für Fellows, Stipendiat*innen und Kooperationspartner*innen.
Transfer & Öffentlichkeit
Wir tragen unsere Forschungsergebnisse durch Publikationen, digitale Wissensressourcen und vielfältige Veranstaltungsformate in die Öffentlichkeit und die Region.
Arbeitsumfeld & Community
Als lebendiges Forschungszentrum mit rund 20 Mitarbeiter*innen bietet das IStG exzellente Arbeitsbedingungen: eine herausragende Forschungsbibliothek, eine umfassende bibliographische Datenbank zur vergleichenden Städteforschung sowie bedeutende Bild- und Kartensammlungen. Diese Infrastruktur macht das IStG zu einem renommierten Forschungsstandort – und zu einem Impulsgeber für die vergleichende Stadtgeschichtsforschung in Europa.
Geschichte
Das Institut wurde 1970 als interdisziplinäres historisches Forschungsinstitut an der Universität Münster gegründet. Hintergrund waren die zeitgenössischen Kontroversen über die Zerstörung gewachsener Stadtstrukturen durch Krieg und Wiederaufbau bzw. -umbau. Diese Diskussionen führten dazu, dass neben der Geschichte zunehmend die Erforschung und Dokumentation der räumlichen Entwicklung der Städte in den Fokus rückte.
Wichtiger Grundstein des Instituts war der von Heinz Stoob 1969 gemeinsam mit namhaften Kollegen und der Kollegin Edith Ennen initiierte wissenschaftliche Verein Kuratorium für vergleichende Städtegeschichte. Ziel war es, mit dem IStG eine Forschungsstelle für interdisziplinäre Städtegeschichte in Münster zu schaffen. Von Beginn an waren im Kuratorium neben der Stadt- und Landesgeschichte, die Sozial-, Verfassungs- und Rechtsgeschichte, aber auch die Kommunalwissenschaften, Geographie und die Europäische Ethnologie (früher: Volkskunde) vertreten.
Von Beginn an bildete die Erarbeitung historischer Städteatlanten als Teil des Verbundprojekts European Historic Towns Atlas, einen wichtigen Arbeitsschwerpunkt des Instituts. Diese Kernkompetenzen im Bereich der Atlasarbeit, der spatial humanities (historische Geodaten) und der thematischen Kartographie werden im IStG kontinuierlich weiterentwickelt.
Daneben traten bereits früh weite Projekte der Grundlagenforschung, etwa die Publikation des Deutschen Städtebuchs, die Edition bildlicher und schriftlicher Quellen, inzwischen auch in digitaler Form. Hinzu treten die kontinuierlich gepflegten Fachinformationsangebote des IStG (Bibliothek/Bibliographien), die mit Blick auf Open Access um- und ausgebaut wurden. Durch Tagungen und Kolloquien sowie durch die renommierte Publikationsreihe Städteforschung gibt das IStG der stadtgeschichtlichen Forschung innovative Anstöße und bietet ihr ein Forum.
Zugleich wurde der Fokus der Institutsarbeit von Anfang an über Drittmittelprojekte methodisch und räumlich erweitert. Neben der Initiierung und Beteiligung an großen Verbundvorhaben stehen Einzelprojekte. In den zeitlich begrenzten Forschungsprojekten wurden und werden mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen vergleichende europäische Perspektiven des Städtewesens vom Mittelalter bis in die Gegenwart untersucht.
Mit seiner Forschungsbibliothek, die mittlerweile rund 68.000 Bände umfasst, seinem Stipendien-Programm und den vielfältigen Forschungsprojekten ist das IStG ein europaweit sichtbarer Standort für die Stadtgeschichtsforschung und eine etablierte Anlaufstelle für internationale Gastwissenschaftler*innen (EU-, Humboldt- und DAAD-Stipendiat*innen) und junge Nachwuchsforschende.
Verbundprojekte
- Exzellenzcluster 212 "Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und der Moderne" (2007–2027)
- SFB 1150 "Kulturen des Entscheidens" (2015–2019)
- SFB 496 "Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution" (2000–2011)
- SFB 231 "Träger, Felder, Formen pragmatischer Schriftlichkeit im Mittelalter" (1986–1999)
- DFG-Schwerpunktprogramm "Die Stadt als Dienstleistungszentrum" (1987–1992)
- SFB 164 "Vergleichende geschichtliche Städteforschung" (1976–1986)




