

Dissertationsprojekt
Gerichtsvielfalt als Chance? Formen der Justiznutzung in Zivilverfahren in den Schwarzburger Territorien (ca. 1600–1700)
Das Dissertationsprojekt untersucht die Praxis zivilrechtlicher Klagen in Kleinstterritorien aus dem thüringisch-sächsischen Raum des Alten Reichs im 17. Jahrhundert. Ziel ist es, am Beispiel eines kleinterritorialen Untersuchungsraums zu analysieren, inwiefern sich trotz einer ausgeprägten polyzentrischen Gerichtslandschaft Vereinheitlichungseffekte in der Gerichtspraxis herausbildeten und wofür Untertaninnen und Untertanen unterschiedliche Gerichte anriefen. Ausgangspunkt bildet das in der Frühneuzeitforschung etablierte Konzept der Justiznutzung, das im Projekt gezielt auf zivilrechtliche Verfahren angewendet wird. Damit reagiert die Arbeit auf eine Forschungslücke, da zivilrechtliche Alltagsverfahren – im Gegensatz zur Straf- und Kriminalitätsgeschichte – bislang eher punktuell und stark nach Streitgegenständen segmentiert untersucht wurden.
Methodisch stützt sich das Projekt auf die systematische Auswertung bislang nicht untersuchter serieller Quellenbestände, insbesondere Gerichtsprotokolle und -akten von Kanzlei-, Amts-, Konsistorial- und Patrimonialgerichten aus den Gebieten der Linie Schwarzburg-Sondershausen. Durch eine kombinierte quantitative Stichprobenanalyse und qualitative Fallauswertung werden Verfahrensformen, Instanzenzüge, Konfliktgegenstände sowie soziale Profile der Prozessbeteiligten untersucht. Das Projekt leistet damit einen grundlegenden Beitrag zur Erforschung frühneuzeitlicher Zivilprozesse auf gesamtterritorialer Ebene sowie zur Praxis polyzentrischer Gerichtsordnungen innerhalb von Kleinstterritorien des Alten Reichs.
Betreuerin: Prof. Dr. Ulrike Ludwig
Vita
Akademische Ausbildung
2022–2025 Master of Arts Geschichte
Master of Education (Gymnasium/Gesamtschule) Geschichte und Englisch
Universität Münster2018–2022 Zwei-Fach Bachelor Geschichte und Anglistik
Universität MünsterBeruflicher Werdegang
seit 10/2025 Junior Fellow am Käte Hamburger Kolleg „Einheit und Vielfalt im Recht“
Universität Münster06–09/ 2025 Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für vergleichende Städtegeschichte
Universität Münster
Projekt: Privatbriefe aus dem Dreißigjährigen Krieg – Fokus Westfalen
