Dissertationsprojekt
Koloniales Wissen und politische Öffentlichkeit im Deutschen Kaiserreich. Parteipresse als Ort der Deutungskonstruktion (1884–1919) (Arbeitstitel).
Das Dissertationsprojekt untersucht die Produktion, Zirkulation und Transformation kolonialen Wissens im Deutschen Kaiserreich (1884–1919) am Beispiel der politischen Parteipresse. Unter kolonialem ‚Wissen' werden dabei keine objektiven Sachverhalte verstanden, sondern medial konstruierte Deutungsangebote – also die Art und Weise, wie koloniale Ereignisse, Akteure und Verhältnisse in der deutschen Öffentlichkeit wahrgenommen, bewertet und vermittelt wurden. Im Mittelpunkt stehen Tageszeitungen und Zeitschriften, die der Zentrumspartei, der SPD sowie der Nationalliberalen Partei nahestanden oder ihr direkt zugehörten. Als Quellen dienen neben den überregionalen Leitmedien – wie etwa der Germania, dem Vorwärts und der Kölnischen Zeitung – auch kleinere regionale Parteizeitungen sowie politisch-satirische Periodika wie der Wahre Jakob und der Kladderadatsch.
Die Arbeit verortet sich im Schnittfeld von Kolonial-, Parteien- und Mediengeschichte und verfolgt dabei zwei eng miteinander verbundene Erkenntnisinteressen: Zum einen fragt sie danach, wie koloniale Narrative in den Presseorganen der drei Parteien konstruiert, transformiert und parteipolitisch instrumentalisiert wurden – und welche sprachlichen, argumentativen und visuellen Strategien dabei zum Einsatz kamen, wobei sowohl parteispezifische Unterschiede als auch überparteiliche Gemeinsamkeiten in den Blick genommen werden. Zum anderen richtet die Arbeit den Blick auf die Binnendifferenzierung innerhalb der jeweiligen Parteimilieus: Durch einen sozialgeschichtlich fundierten Zugang zu regional und sozial unterschiedlich verorteten Zeitungen – von überregionalen Leitmedien bis hin zu lokalen Provinzblättern – soll sichtbar gemacht werden, dass koloniales Wissen nicht nur zwischen den Parteien umkämpft war, sondern auch innerhalb ihrer eigenen publizistischen Landschaften ideologisch divergierte.
Theoretisch-methodisch stützt sich das Projekt auf eine Verbindung aus foucaultscher Diskursanalyse und qualitativ-kommunikationswissenschaftlicher Inhaltsanalyse. Ziel ist es, die deutsche Kolonialgeschichtsschreibung um eine systematische Analyse der politischen Presse zu erweitern, bei der diese als aktiver Produzent und Transformator kolonialer Deutungsordnungen begriffen wird. Dabei sollen Parteien nicht als statische Träger festgefügter Positionen, sondern in ihrer inneren Vielstimmigkeit und ideologischen Ambivalenz sichtbar gemacht werden.
Betreuer: Prof. Dr. Olaf Blaschke
Vita
Akademische Ausbildung
seit 04/2026Universität Münster
Promotionsstudium in Neuerer und Neuester Geschichte04/2023 - 12/2025Universtität Münster
Master of Arts in Geschichte10/2018 - 03/2023Univserität Münster
Zwei-Fach-Bachelor in Geschichte/ Kultur- und Sozialanthropologie2018Johann-Conrad-Schlaun Gesamtschule, Nordkirchen
AbiturBeruflicher Werdegang
01/2024 - 11/2025Universität Münster
Studentische Hilfskraft, Exzellenzcluster Religion & Politik
