Acht Bücher und Schriftrollen sind auf der Mitteltafel des Altaraufsatzes aus der Stiftskirche St. Walburgis in Soest zu sehen, der sich heute im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster befindet. Sie werden alleine oder zu zweit gehalten, mit Hilfe einer Brille gelesen oder liegen achtlos am Boden. Auf der linken Tafel erscheint Maria selbst am Lesepult mit aufgeschlagenem Codex. Doch nicht nur auf den Bildwerken des Museums sind Bücher nahezu omnipräsent. In seinen Magazinen befinden sich rund 25 Manuskripte unterschiedlicher Provenienz und Zeitstellung, neben kostbar illuminierten Zimelien stehen dort kleinformatige Gebrauchshandschriften in der Volkssprache. Gerade durch diese Vielfalt öffnet der Bestand den Blick auf faszinierende Facetten des mittelalterlichen Buchgebrauchs: Liturgische Messtexte stehen neben Anweisungen zur privaten Gebetspraxis, Weltchroniken neben chirurgischen Traktaten. Die Handschriften selbst begegnen dabei als Sakralgegenstände und Memorialobjekte, als Produkte hochspezialisierter Werkstätten, als Bezugspunkte performativer Praktiken — und nicht zuletzt als Wissensspeicher, die einen ganzen Kosmos theologischer, medizinischer, botanischer und musikalischer Kenntnisse umschließen. Das Masterseminar widmet sich der Erschließung dieser neu digitalisierten Manuskripte und trägt damit zur Vorbereitung einer für 2027 geplanten musealen Präsentation bei.

Kurs im HIS-LSF

Semester: WT 2026/27