„Die Ermöglichung der Entwicklung historischer Kompetenzen findet in Museen eher selten statt“. Zu diesem kritischen Urteil kommen Christian Heuer, Christian Lamprecht und Georg Marschnig in Bezug auf die Lernpotentiale von Museumsausstellungen. Museen seien als kognitive Lernorte dem schulischen Geschichtsunterricht oft unterlegen. Auch eine „eigensinnige“ Aneignung durch die Besucher:innen, also selbstständiges historisches Denken und eine tiefergehende Auseinandersetzung mit ausgestellten Geschichte(n), werde nur selten angeregt.

Die Übung greift diese Kritik am Beispiel der Dauerausstellung Von Babylon bis zum Mond im LWL-Museum Ziegelei Lage auf und fragt danach, wie Ausstellungen historisches Denken und historische Kompetenzen fördern können. Im Mittelpunkt steht dabei das Verhältnis zwischen Ausstellungskonzept und Wirkung auf die Besucher:innen: Welche Lern- und Reflexionspotentiale sind in Ausstellungen überhaupt angelegt? Wie können Ausstellungskonzepte so gestaltet werden, dass ihre Ideen tatsächlich bei den Besucher:innen ankommen? Gibt es so etwas wie „Wirkung“ überhaupt? Und welche Anforderungen und Herausforderungen ergeben sich aus solchen Überlegungen für neue Ausstellungen?

Dafür arbeiten wir mit verschiedenen analytischen Methoden und Ansätzen der Besucher:innenforschung. Mit sogenannten Talk-Back-Boards erproben wir eine Methode, die sichtbar machen soll, wie Besucher:innen Ausstellungen wahrnehmen, welche Gedanken und Assoziationen sie entwickeln und inwiefern Prozesse historischer Aneignung angeregt werden. Die Übung verbindet damit die Analyse von Ausstellungskonzepten mit praktischen Methoden der Besucher:innenforschung.

(Für das Eingangszitat vgl. Christian Heuer/Gerald Lamprecht/Georg Marschnig: Im Widerstreit der Praxis. Eine Ausstellung zwischen historischer Forschung, Geschichtsdidaktik und Museum. In: Zeitschrift für Museum und Bildung 9-95 (2023), S. 124-137, hier S. 126.)

Kurs im HIS-LSF

Semester: WiSe 2026/27