In zunehmend religiös heterogenen Schul- und Klassengemeinschaften stellt sich die Frage nach interreligiösen Gebets- und Gottesdienstformen, etwa zur Einschulung, zu besonderen Festen, im Rahmen der Schulentlassfeier oder auch bei tragischen Anlässen. Hierbei kommt es nicht selten zu Konflikten, nicht zuletzt weil Vorschläge für den Ablauf solcher gemeinsamer Feiern scheinbar „neutral” sind, unbewusst aber klar nach der Tradition einer Religion gestaltet sind. Zu fragen ist auch, was übrig bleibt, wenn auf alles, was zum Kernbestand der jeweils eigenen Liturgie gehört, verzichtet wird.
Im interreligiösen Lernen ist ein Ansatz erfolgversprechend, der sich an den ‚critical incidents‘ (Joachim Willems) in der Begegnung der Religionen abarbeitet: Welche Vorfälle bieten Anlass zu Missverständnissen, deren Klärung zu einem vertieften wechselseitigen Verstehen führen können? Die praktische Hermeneutik des Ethnologen Theo Sundermeier bietet Kategorien, die das Phänomen der interreligiösen Begegnung angemessen beschreiben.
Auf der Basis einer gemeinsamen Klärung dieses Phänomens arbeitet die Seminargruppe selbstständig an Szenarien, in denen Probleme interreligiöser Begegnungen im liturgischen Bereich thematisiert werden. Dabei wird die Methodik des Problem-Based-Learnings (PBL) verfolgt, die im Seminar gemeinsam erprobt und reflektiert werden soll.
Ziele des Seminars sind:
- Die Seminarplanung gemeinsam entwickeln (Brainstorming, Fallauswahl nach Interessen der Gruppe)
- Die Methodik des Problem-Based-Learning verstehen, exemplarisch erproben und reflektieren
- Das Phänomen der interreligiösen Begegnung beschreiben und Stadien des Umgangs mit ‚critical incidents‘ unterscheiden
- Durch die Arbeit an Szenarien die Komplexität von ‚critical incidents‘ erfassen und Wege zur Klärung der problembehafteten Begegnungen am Beispiel liturgischer Herausforderungen in der Schule erforschen
- In der Auseinandersetzung mit Grundbegriffen interreligiösen Lernens ein Modell interreligiöser Kompetenz erarbeiten
- Aufmerksamkeit für die gesellschaftliche Präsenz des Themas schärfen und seine aktuelle mediale Darstellung wahrnehmen
- Lehrende/r: Guido Hunze
Semester: WiSe 2026/27