Nur wenige Jahrzehnte nach Kolumbus’ erster Atlantiküberquerung etablierte sich ein regelmäßiger Schiffsverkehr zwischen der Iberischen Halbinsel und den Amerikas. Trotz obrigkeitlicher Kontrollen und Reisebeschränkungen für unerwünschte Personen und der erheblichen Gefahren, die eine Atlantiküberquerung damals bedeutete, machten sich Jahr für Jahr tausende von Menschen auf den Weg. Manche überquerten sogar mehrmals in ihrem Leben den Atlantik. Abenteurer, Kaufleute und Händler gehörten ebenso dazu wie Amtsträger der Krone und Geistliche, aber auch einfache Soldaten, Seeleute, Handwerker, Dienstmädchen und Prostituierte. Einige hielten sich nur temporär in den Amerikas auf, andere siedelten sich langfristig dort an. Hinzu kamen versklavte Menschen aus Afrika, die gegen ihren Willen in die Neue Welt verschleppt wurden, und indigene Bewohner des amerikanischen Doppelkontinents, die teils ebenfalls unter Zwang, teils freiwillig den Atlantik in umgekehrter Richtung überquerten. Anhand von Briefen, Gerichtsakten und anderen Selbstzeugnissen möchte die Übung einen Einblick in Lebenswelten und Erfahrungen dieser mobilen Akteure vermitteln und gleichzeitig der Frage nachgehen, wie transatlantische Mobilität und Migration die Gesellschaften auf beiden Seiten des Atlantiks prägte und veränderte.
- Lehrende/r: Thomas Weller