In Europa und auf dem amerikanischen Doppelkontinent wurde das Ende der alten politischen bzw. kolonialen Ordnung durch eine Verkettung revolutionärer Prozesse eingeläutet, deren enger Wirkungszusammenhang schon von den Zeitgenossen erkannt wurde. Lange galten Europa und Nordamerika dabei als politische Epizentren. Erst in jüngster Zeit hat die historische Forschung begonnen, die lateinamerikanischen Unabhängigkeitsrevolutionen, angefangen mit der Haitianischen Revolution von 1791, als politische und soziale Umwälzungen eigenen Rechts zu erkennen. Vor diesem Hintergrund will das Hauptseminar einen vergleichenden Blick auf das Ende der Kolonialzeit in Lateinamerika werfen. Verflechtungen, Transfers und Wechselwirkungen zwischen den politischen und gesellschaftlichen Vorgängen in den einzelnen Regionen sollen ebenso zur Sprache kommen wie die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Hintergründe der Revolutionen und Unabhängigkeitskriege und die Rolle lange wenig beachteter Akteure wie Frauen, Afroamerikaner und Indigene.
- Lehrende/r: Thomas Weller