Zu den größten Rätseln des Neuen Testaments gehört die Sammlung der sogenannten Katholischen Briefe. Wie wurde aus sieben sehr unterschiedlichen, zu unterschiedlichen Zeiten in sehr unterschiedlichen theologischen Kontexten entstandenen Texten jene Gruppe, die dem Neuen Testament sein endgültiges Gepräge gab?
Die Lehrveranstaltung nähert sich dem Rätsel der Katholischen Briefen über zwei verschiedene, jedoch eng miteinander verknüpfte Zugänge: Einmal über den ältesten erhaltenen Kommentar zu den Katholischen Briefen, den Adumbrationes in epistolas canonicas, die Clemens von Alexandrien zugesprochen werden und vermutlich vom Ende des zweiten Jahrhunderts nach Christus stammen. In den Adumbrationes werden (nur) 1 Petr, Jud, und 1-2 Joh auf zum Teil eigenwillige Art und Weise ausgelegt, wodurch sich sowohl faszinierende Einblicke in die Text- und Rezeptionsgeschichte der Katholischen Briefe als auch in die Anfänge der alexandrinischen Theologie ergeben. Der zweite Zugang verläuft über den oft übersehenen Judasbrief, dessen Manuskriptüberlieferung viele besonders schwierig zu beurteilende, jedoch jeweils theologisch höchst relevante Varianten aufweist und dessen Stellung im Gesamt der Katholischen Briefe erst noch zu klären ist.
Teilnehmende gewinnen im Spiegel der Rezeptionsgeschichte einen interdisziplinären Einblick in Wesen und Werden des Neuen Testaments und die bleibende Bedeutung frühchristlicher (insbesondere: alexandrinischer) Exegese.
- Lehrende/r: Alfons Fürst
- Lehrende/r: Wolfgang Grünstäudl