Die öffentliche Erinnerung an den „zweiten“ Staat, der von 1949 bis 1990 auf deutschem Boden existierte, ist heute zum einen stark verblasst, zum anderen höchst widersprüchlich: Während im Westen vor allem die Überwachung der Bevölkerung durch die „Stasi“ im Gedächtnis geblieben ist, prägen im Osten Alltagserzählungen und Alltagsobjekte die kollektive Erinnerung an den „real existierenden Sozialismus“, nicht selten auch in nostalgischer Verklärung. Ein wichtiges Gedächtniselement sind visuelle Medien, die entweder noch vor 1990 oder retrospektiv produziert wurden und bis heute werden.
Die Quellenübung fokussiert vor allem auf das Genre des zeitgenössischen Spielfilms, um sich der Sozial- und Kulturgeschichte der DDR zu nähern. Trotz ihres fiktionalen Charakters können Spielfilme politik-, sozial-, kultur- und mentalitätshistorische Quellen ersten Ranges sein. Für die zwischen 1946 und 1990 entstandenen über 700 Spielfilme der „volkseigenen“ Filmgesellschaft DEFA gilt das in ganz besonderer Weise: Sie vermitteln einerseits Einblicke in die wechselvolle DDR-Kulturgeschichte und liefern andererseits anschauliche Spiegelungen, aber auch Brechungen von Alltag und Herrschaft in der SED-Diktatur.
Die Übung möchte sowohl die generellen Rahmenbedingungen des ostdeutschen Filmschaffens beleuchten als auch ausgewählte DEFA-Filme vorstellen und auf ihre Inhalte und ihre Filmsprache hin analysieren. Vergleichend sollen auch jüngere Produktionen wie die populäre, KI-generierte Instagram-Serie „ddr_mondbasis“ herangezogen werden.
Ziel ist nicht zuletzt, einen methodisch reflektierten Umgang mit Filmen als historischen Quellen und Medien historischer Bildung zu vermitteln. Von den Teilnehmenden werden Grundkenntnisse der Geschichte der DDR sowie die Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit in einer Referatsgruppe erwartet.
Nach drei Vorbereitungsterminen im LWL-Medienzentrum für Westfalen wird der Hauptteil der Veranstaltung ein Blockseminar am 22./23. Januar 2027 im Geschichtsort Villa ten Hompel sein.
- Lehrende/r: Markus Köster
- Lehrende/r: Christoph Lorke