In der Entwicklung der Kunst des 20. Jahrhunderts hat sich der traditionelle Werkbegriff grundlegend gewandelt: Das Kunstwerk wird zunehmend als offener Prozess verstanden, der sich zwischen Idee, Material, Dokumentation und Rezeption entfaltet. Ein paradigmatisches Beispiel ist hierfür Marcel Duchamps als Hauptwerk geltende Skulptur La mariée mise à nu par ses célibataires, même (Le Grand Verre, 1915–1923), für die ein sukzessive veröffentlichtes, umfangreiches System von Notizen, Diagrammen und Kommentaren als rezeptionsprägend gelten kann. Ausgehend von der die Entwicklung der US-amerikanischen Neoavantgarde entscheidend prägenden Duchamp-Retrospektive (Pasadena, 1963) werden Strategien der Bedeutungskonstitution anhand zentraler Werke und Texte der Gegenwartskunst behandelt. Dabei wird kunsthistorische Analyse mit Fragen nach Medialität, Dokumentation und Remedialisierung verbunden. Ziel ist es, die historischen Bedingungen und theoretischen Implikationen eines erweiterten Werkbegriffs zu untersuchen, der künstlerische Produktion, Rezeption und kuratorische Reinszenierung einschließt.

Seminarbegleitend ist eine Kooperation mit dem Westfälischen Kunstverein Münster im Rahmen der Ausstellung Öuvre (working title) von Sanna Helena Berger geplant. Dabei werden Fragen der Relation zwischen Schreibprozessen und künstlerischem Werk in Form von textbezogenen Workshopformaten bearbeitet.

 

Kurs im HIS-LSF

Semester: WiSe 2026/27