Entstehungsgeschichtlich der Herausbildung des industriellen Zeitalters verbunden, ist der Realismus als Strömung in der bildenden Kunst von Beginn an Gegenstand von Verhandlungen darüber, was seine primären Charakteristika seien. Dementsprechend sind seine Definitionen in unterschiedlichen Ausprägungen formal oder sujetbezogen orientiert und reichen von einer idealiter angenommenen Neutralität in der Darstellung äußerer Wirklichkeit über eine Hinwendung zu zeithistorisch relevanten Fragen bis hin zu einer politischen Zielrichtung. Um einen Überblick über die in diesem Zusammenhang relevanten Kategorien und Definitionen zu erhalten, werden im Seminar zunächst die im Kontext des Realismusstreits (bataille réaliste) Mitte des 19. Jahrhunderts in Frankreich diskutierten Positionen auf ihre Gültigkeit im Zuge der sich im 20. Jahrhundert weiter ausformulierenden Realismusbegriffe, etwa im Rahmen des sozialistischen Realismus, der Neuen Sachlichkeit oder des Social Realism (USA) befragt. Darauf aufbauend werden Realismuskonzeptionen in den Strömungen der Gegenwartskunst seit den 1960er Jahren diskutiert, in deren Zusammenhang etwa Stilrichtungen wie der New Realism (Pop Art) oder der Fotorealismus die Zuschreibung einer notwendig sozialkritischen Haltung des Realismus infrage stellen.

Einführend ist ein Besuch der Ausstellung Ich, Gustave Courbet im Museum Folkwang (Essen) geplant.

Kurs im HIS-LSF

Semester: WT 2026/27