Seit den Tagen Platons ist die abendländische Metaphysik davon ausgegangen, daß die Grundbausteine der Realität räumlich begrenzt und zeitlich stabil sind: daß sie also dinghaften Charakter haben. Erst im 19. Jahrhundert ist diese Fokussierung in stärkerem Maße relativiert worden. So beispielsweise bei Hegel, in der zweiten Jahrhunderthälfte dann vor allem unter dem Eindruck der Evolutionstheorie. Die basale Annahme des vorgeschlagenen Neuansatzes besteht darin, daß Ereignisse oder Prozesse als die Grundbausteine der Realität anzusetzen seien; daß eine Prozeßmetaphysik an die Stelle einer Substanzmetaphysik treten solle.
Zu den Hauptvertretern dieses Neuansatzes gehört Alfred North Whitehead, dessen 1929 erstmals erschienenes Buch Prozeß und Realität. Entwurf einer Kosmologie bis heute als ein zentrales Werk der Prozeßmetaphysik gilt. In diesem Seminar sollen Auszüge aus diesem Buch behandelt werden. Ein Seminarplan wird Anfang Oktober im learnweb bereitgestellt.
- Lehrende/r: Kurt-Otto Bayertz