Mit dem Umzug der christlichen und Islamischen Fakultät auf den Campus der Theologien und der Religionswissenschaft am Standort der ehemaligen Hüfferschen Kliniken betreten wir einen historisch belasteten Ort. Aus der damaligen orthopädischen Klinik des Hüfferstifts wurden Patientinnen und Patienten im Rahmen der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen deportiert und ermordet. Das Schicksal von Christine Bocker, die 1943 über Weilmünster in die Tötungsanstalt Hadamar verschleppt wurde, steht exemplarisch für viele. In der Hüfferstiftung wurden auch Zwangssterilisationen an Patient:innen durchgeführt, insbesondere für die Kreise Münster, Coesfeld und Lüdinghausen. Die orthopädische Klinik war ein Ort, an dem im Zuge der nationalsozialistischen Rassenhygiene Eingriffe zur „Erbgesundheit“ vorgenommen wurden.
Das Seminar „Erinnern auf dem Campus“ setzt hier bewusst an. Es ist interdisziplinär und forschungsorientiert angelegt und verfolgt zwei miteinander verbundene Ziele: die wissenschaftliche Aufarbeitung der lokalen Geschichte sowie die Entwicklung tragfähiger Konzepte für eine verantwortliche Erinnerungskultur am Campus. Dabei werden historische, theologische und ethische Perspektiven miteinander ins Gespräch gebracht. Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, wie Erinnerung konkret Gestalt gewinnen kann: etwa in Form von Ausstellungen, digitalen Angeboten, partizipativen Projekten oder der sichtbaren Markierung von Erinnerungsorten im Campusraum. So soll der Ort nicht nur erschlossen, sondern auch als Raum des reflektierten Gedenkens und Lernens weiterentwickelt werden.
- Lehrende/r: Ludger Hiepel
- Lehrende/r: Carolin Puckhaber