Die Syntax vieler Sprachen kennt Prädikate, die mehr als nur ein Verb beinhalten. Dazu zählen neben Auxiliarverben (Ich habe geschlafen) und Modalverben (Ich sollte schlafen) auch andere Arten von semantisch leichten Verben und der große Bereich der serielle Verben. Während light verb constructions (LVC) in der Regel ein nicht-verbales Element (z.B. Substantiv, Adjektiv) mit einem verbalen Matrixelement verbindet, liegen serial verb constructions (SVC) dann vor, wenn ein Prädikat aus mehreren gleichrangigen Verben besteht, die (a.) zueinander in keinem syntaktischen Abhängigkeitsverhältnis stehen, (b.) sich grammatische Kategorien wie Tempus, Aspekt und Modus teilen und (c.) sich eines oder mehrere Argumente teilen. Sprachen mit Verbserialisierungen könnten einen Satz wie „Ich kam nach Hause, legte mich hin und schlief ein“ wie folgt ausdrücken: „Ich Haus komm-leg-schlafe-VERGANGENHEIT.“
Komplexe Prädikate, insbesondere LVCs und SVCs, sind ein weit verbreitetes Phänomen und finden sich vor allem in den Sprachen des malayiischen Archipels und New Guineas, in Ost- und Südostasien, sowie in Westafrika und im Amazonas. Typologische Forschung legt nahe, dass weltweit zwar ähnliche Phänomene mittels komplexer Prädikate bezeichnet werden, bei dieser Fülle an Sprachen aber auch erhebliche Unterschiede auftreten.
Das Seminar wird sich eingehend mit der Frage nach der Definition von bestimmten Arten von komplexen Prädikaten beschäftigen. Welche Eigenschaften kommen ihnen zu und wie lassen sie sich über Sprachgrenzen hinweg vergleichen? Anhand konkreter Fallbeispiele sollen die grammatischen und semantischen Eigenschaften genauer in den Blick genommen werden.
- Lehrende/r: Alexander Zahrer