<p style="text-align: justify; text-justify: inter-ideograph; line-height: 115%;"><span style="color: black;">Die Beschäftigung mit der Erinnerungskultur (auch) antiker Gesellschaften gehört zu den wichtigsten Gebieten der modernen Forschung. Sie erlaubt Rückschlüsse auf die Identität einer Gruppe, ihre Moralvorstellungen und Handlungsgrundsätze. Im Seminar werden die Ereignisse, die einen wesentlichen Bestandteil des sozialen Gedächtnisses in Athen und weiteren griechischen Poleis ausmachten, sowie die Art und Weise ihrer Memorierung besprochen. Dabei sollen vor allem die Gründe, die einem Ereignis nachhaltige Bedeutung verliehen haben – und damit auch seine Funktion in der jeweiligen Gegenwart –, diskutiert werden. Als Träger solcher kollektiven Erinnerung werden exemplarisch die Epen, Pindars Oden, die Tragödien, die Geschichtsschreibung sowie die attischen Reden untersucht und die ihnen zugrundeliegenden Vergangenheitsvorstellungen sowie die Konstruktion und auch „Manipulation“ der Geschichte herausgearbeitet. Der zeitliche Fokus liegt auf der archaischen und klassischen Zeit. Neben dem Umgang mit den althistorischen Quellen sollen die Kursteilnehmer:innen auch die populären theoretischen Modelle der Gedächtnisforschung (darunter die Ansätze von Jan Assmann, Hans-Joachim Gehrke oder Paul Ricöur) kennen und anwenden lernen.</span></p>
- Lehrende/r: Katharina Johanna Wojciech