Die hellenistische Epoche (336–30 v. Chr.) zeichnet sich unter anderem durch einen großen Reichtum an Kulten sowie eine besondere Feierfreudigkeit aus. Zahlreiche Feste bestimmten das Leben in den freien Poleis und den Städten der großen hellenistischen Reiche. Manche dieser Feste ließen Menschen aus unterschiedlichen Gemeinwesen und verschiedenen gesellschaftlichen Schichten zusammenkommen. Neben herkömmlichen Gottheiten und Heroen gewann nun, angestoßen durch das Beispiel Alexanders des Großen, auch die kultische Verehrung lebender Herrscher an Bedeutung. Das Seminar befasst sich anhand literarischer, epigraphischer und papyrologischer Quellen mit den vielfältigen Aspekten und Facetten der griechischen Religion dieser Zeit. Im Verlauf des Semesters werden unter anderem Mysterienkulte, Herrscherkulte, Reinheitsvorschriften, das Orakelwesen, die Praxis des Verkaufs von Priester:innenstellen sowie die Verleihung von Asylie betrachtet und ihre jeweiligen Spezifika diskutiert. Daneben sollen auch mythische Verdichtungen der Epoche, wie die Argonautika des Apollonios von Rhodos, Berücksichtigung finden. Im Zentrum stehen Fragen nach der Beziehung zwischen Menschen und Göttern, der Interdependenz von Religion und Alltag sowie nach einer spezifischen Prägung der „hellenischen Religion”.

Kurs im HIS-LSF

Semester: WiSe 2026/27