Michel de Montaigne und Blaise Pascal gehören zu den bedeutendsten französischen Denkern der frühen Neuzeit, deren Anthropologien in produktiver Spannung zueinanderstehen. Während Montaigne den Menschen in seiner Endlichkeit, Wandelbarkeit und Begrenztheit beschreibt und auf Formen der Selbstbescheidung, Urteilskraft und Lebensklugheit zielt, hebt Pascal die innere Zerrissenheit des Menschen, seine Größe und sein Elend sowie seine existenzielle Unruhe hervor. Beide Autoren stellen die Frage nach dem Menschen nicht abstrakt, sondern aus der Erfahrung von Selbstverhältnis, Weltbezug und Grenzerfahrung heraus.

Das Hauptseminar erschließt zentrale Texte Montaignes und Pascals im Vergleich und untersucht ihre jeweiligen Antworten auf Grundfragen philosophischer Anthropologie. Im Zentrum stehen Themen wie Selbstkenntnis, Maß, Endlichkeit, Zerstreuung, Unruhe, Vernunft, Gewohnheit und die Frage nach der Bestimmung des Menschen. Auf diese Weise eröffnet das Seminar einen Zugang zu zwei klassischen Positionen, deren Spannungsverhältnis bis in gegenwärtige Debatten über Subjektivität, Orientierung und die Fragilität menschlicher Existenz hinein aufschlussreich bleibt.

Kurs im HIS-LSF

Semester: WiSe 2026/27