Boethius formuliert in seiner Consolatio Philosophiae (Trost der Philosophie) die klassische Frage nach dem Verhältnis von Gott, Gutem und Bösem: „Wenn es einen Gott gibt, woher kommt dann das Böse (unde malum)? Wenn es keinen Gott gibt, woher kommt dann das Gute (unde bonum)?“ Wie lässt sich die Existenz von Leid, Elend und Übel, wie es unser aller Erfahrung entspricht, mit der Vorstellung eines allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gottes vereinbaren? Wenn Gott die Welt geschaffen hat und ihr Dasein fortwährend ermöglicht, trägt er dann nicht auch Verantwortung für das in ihr vorhandene Böse? Die sogenannte Theodizee-Frage gehört seit der Antike zu den zentralen Problemen der Philosophie und Theologie. Sie berührt grundlegende Fragen nach der Natur des Bösen, der Freiheit des Menschen sowie dem Verhältnis von Schöpfung und göttlicher Vorsehung. Im Seminar werden wir ausgewählte klassische Texte zur Theodizee lesen und diskutieren. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere Autoren wie Plotin, Augustinus, Boethius und Leibniz, deren Antworten die philosophische Debatte bis heute prägen.

Kurs im HIS-LSF

Semester: WT 2026/27