Mit der Veröffentlichung ihres zweitbändigen Werkes zu den philosophischen Debatten über Sklaverei und über die historischen Konzeptualisierungen von „Race“ im 16., 17. und 18. Jahrhundert hat Julia Jorati 2024 eine wichtige Diskussion über philosophische Aspekte der Geschichte des Rassismus angeregt. Besonders hervorzuheben sind dabei Joratis systematischer Ansatz sowie die Breite ihrer Quellen. Joratis Werk rekonstruiert die Debatte nicht nur anhand der bekannten, meist männlichen Protagonisten des philosophischen Kanons, sondern bezieht auch zahlreiche Autor:innen ein, die bislang kaum wahrgenommen oder gänzlich übersehen wurden – darunter sowohl Philosophinnen als auch Personen, die versklavt waren und sich befreien konnten.

Im Seminar legen wir den Schwerpunkt auf Joratis Analyse der engen Verknüpfung zwischen Rechtfertigung der Sklaverei, den zeitgenössischen Vorstellungen von „Rasse“ und den Theorien einer „natürlichen Sklaverei“. Wir befassen uns mit einer Textauswahl der von Jorati untersuchten Denker:innen. Dabei diskutieren wir neben Joratis Interpretationen die Originaltexte, mit denen wir uns intensive beschäftigen werden (Close Reading). Ziel des Seminars ist die kritische Auseinandersetzung mit neuzeitlichen Auffassungen von Herrschaft und Gleichheit, vom Recht auf Freiheit sowie von moralischer Rechtfertigung der Sklaverei. Damit soll das Seminar nicht nur einen Einblick in die Frühe Neuzeit eröffnen, sondern zugleich grundlegende Fragen der modernen praktischen Philosophie in historisch informierter Weise greifbar machen.

Obwohl die regulären Sitzungen des Seminars in deutscher Sprache abgehalten werden, sind Englischkenntnisse erforderlich, da der größte Teil des Materials in englischer Sprache vorliegt.

Das Seminar kann zur inhaltlichen Vorbereitung auf die Münstersche Vorlesungen 2027 mit Julia Jorati besucht werden, die vom 02. bis 04. Juni 2027 stattfinden.

Kurs im HIS-LSF

Semester: WT 2026/27