Eddische Dichtung, Skaldendichtung und Sagas sind die drei Gattungen, welche exklusiv für die norröne Literatur sind. Ihre Emergenz ist nicht mehr eindeutig nachvollziehbar, da sie insbesondere bezüglich der Versdichtung in die vorschriftliche Zeit zurückreicht. Manche Stoffe gerade der Heldensage in der Edda gehen auf Traditionen der Völkerwanderungszeit zurück, auch wenn die Lieder weitaus jünger sind; zahlreiche Skaldengedichte beziehen sich auf wikingerzeitliche Könige. Dabei ist die schriftliche Überlieferung keineswegs von derjenigen später verfasster Sagatexte getrennt: Zwar findet sich mit dem Codex regius der Liederedda eine Handschrift, in der eddische Dichtung im 13. Jahrhundert gezielt gesammelt wurde, doch sind zahlreiche weitere Lieder und Einzelstrophen in Prosawerken oder Sammelhandschriften bewahrt. Für die Skaldendichtung ist die Verflechtung mit der Sagaliteratur noch wesentlich enger, sind doch beinahe alle „klassischen” Skaldengedichte auf Herrscher nur als verstreute Zitate in Sagas bewahrt, wo sie die Editoren der Moderne „einsammelten”.

Im Seminar setzen wir uns mit Fragen der Datierung, der Ästhetik, der Überlieferung und Editionsphilologie, der Wechselwirkungen zwischen Vers und Prosa sowie der diachronen Entwicklung insbesondere der Skaldendichtung auseinander.

 

Kurs im HIS-LSF

Semester: WiSe 2026/27