Der Zusammenhang von ‘Künstlicher Intelligenz’ und dem Aufstieg eines ‘neuen Faschismus’, wie ihn Autor*innen wie etwa Dagmar Herzog, Rainer Mühlhoff oder Alberto Toscano attestieren, entsteht nicht zufällig. Ganz im Gegenteil operiert ‘KI’ von vornherein innerhalb autoritärer Strukturen. Ihre Technologien sind, wie Anna Verena-Nosthoff schreibt, “zugleich als Regierungsformen zu lesen”. Mit dem Fokus auf visuellen Phänomenen, wie Slopaganda (Michal Klincewicz), Latent Space Aesthetic, Knuckleporn (Hito Steyerl) oder der Renaissance des Fashwave wollen wir die Durchdringung von ausbeuterischer und oppressiver Politik und ihren technischen Infrastrukturen nachvollziehen. Die Funktion der Kunst soll dabei nicht – wie so oft – im Zuge einer Infragestellung von ihr zugeschriebenen Eigenschaften wie Originalität oder Kreativität erörtert werden. Viel mehr gilt es sie in einem größeren Rahmen zu verorten: Ihre sozialen und gemeinschaftsbildenden Effekte, die in ihr ausgehandelte Vorstellung von Arbeit (Matteo Pasquinelli) oder das in der Auseinandersetzung mit ihr angestoßene, historische Bewusstsein können als Potentiale eines Widerstands gegen die Technokratie nutzbar gemacht werden. Das Seminar versteht sich schließlich als Versuch unter den gegenwärtigen Bedingungen Begriffe und Praktiken der Kunst zu finden, die, wie Walter Benjamin schreibt, “für die Zwecke des Faschismus vollkommen unbrauchbar sind.”

Literatur: Dagmar Herzog, Der neue faschistische Körper, Berlin 2025. // Rainer Mühlhoff, Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus, Ditzingen 2025. // Anna-Verena Nosthoff, Kybernetik und Kritik. Eine Theorie digitaler Regierungskunst, Frankfurt am Main 2026. // Matteo Pasquinelli, Das Auge des Meisters. Eine Sozialgeschichte Künstlicher Intelligenz, Münster 2024. // Hito Steyerl, Medium Hot: Images in the Age of Heat, London 2025. // Simon Strick. Faschisierung. Fluchtlinie des Digitalen, Frankfurt am Main 2026. // Alberto Toscano, They Build to Dominate, or Fascism in the Age of Its Digital Reproducibility, in: Nora O’Murchú, Janez Fakin Janša [Hg.], Are You a Software Update?, Ljubljana 2025, S. 148–164.

Semester: WiSe 2026/27