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Während die Kategorie Tempus beschreibt, wie eine aktionale Situation sich zum Sprechzeitpunkt oder zu anderen Situationen verhält, lässt sich durch den Verbalaspekt die innere Beschaffenheit einer Situation ausdrücken. Im Deutschen gibt es keinen grammatischen Aspekt, aspektuelle Bedeutungen müssen mit lexikalischen Mitteln (z.B. der Konstruktion gerade dabei sein, etwas zu tun, Adverbien, Konjunktionen usw.) ausgedrückt werden. Das Englische, die romanischen und slavischen Sprachen und viele weitere mit den europäischen Sprachen enger und entfernter verwandte Sprachen verfügen dagegen über einen grammatischen Aspekt. Dabei unterscheiden sich die aspektuellen Formen und Funktionen sowie der generelle Charakter der Kategorie deutlich. Im Seminar lernen wir die Kategorie Aspekt zunächst kennen und verschaffen uns einen Überblick über die möglichen Ausprägungen und die Wechselwirkungen mit den anderen verbalen Kategorien, insbesondere Tempus und Modus, sowie der Telizität (also Grenzbezug der Situation). Dann betrachten wir die Aspektsysteme einzelner Sprachen (Englisch, romanische Sprachen, slavische Sprachen, Chinesisch, Deutsch, bei Interesse weitere Sprachen) genauer und vergleichen sie systematisch miteinander. Schließlich analysieren wir die Aspektkategorie in ausgewählten Sprachen aus der Perspektive ihrer Entstehung und Entwicklung und lernen psycholinguistische Studien kennen, die die Interaktion von Aspekt und Ereigniswahrnehmung in der Kognition untersuchen. |
- Lehrende/r: Christina Clasmeier