Was kennzeichnet einen Ort (Topos), den man als „religiösen“ Ort wahrnimmt, aufsucht und verehrt? Gibt es einen Zusammenhang zwischen bestimmten, als „heilig“ angesehenen Orten und der Ausübung religiöser Praktiken? Werden Gott, Gottheiten oder das Göttliche an bestimmten Orten erfahrbar, oder ist die Festlegung auf einen bestimmten Ort durch eine Vorstellung von Grenzenlosigkeit gar nicht möglich, oder lässt sich Gott in seiner Grenzenlosigkeit gerade nicht auf einen Ort festlegen?Diese Fragen nach dem konstitutiven Zusammenhang zwischen „Ort“ und „Religion“ stehen im Zentrum des Hauptseminars. Um diese (und andere) Fragen zu erkunden, geht das Seminar vor allem auf die Darstellung von Orten in den Schriften des Neuen Testaments und des sinophonen Buddhismus ein. Es wendet sich den Fragen zu, wie bestimmte Orte in diesen Schriften dargestellt werden, ob diese Orte hier bereits nicht (mehr) als reale Orte präsent, sondern (schon) als Symbole greifbar werden und welche Sinndimensionen sich mit bestimmten Orten verbinden.Die Struktur dieser Veranstaltung orientiert sich an den Orten. Dabei werden sowohl Orte in der Natur (Wüste, Wasser, Berg) als auch Orte, die von Menschen errichtet wurden (Lehrort, Gefängnis, Stadt), einbezogen. Neben der Lektüre und der Interpretation der Primärtexte kommen auch literaturwissenschaftliche Konzepte zur Anwendung. Die Arbeit an den historischen Kontexten soll schließlich auch der Erhellung des Gegenwartsbezugs zugute kommen: Welche Bedeutung haben Orte in der heutigen religiösen Praxis, etwa als Gedenkorte, als Pilgerstätten oder in der Liturgie.

Kurs im HIS-LSF

Semester: WT 2026/27