Sprachliche Kreativität ist ein zentrales Merkmal menschlicher Sprache und trägt maßgeblich dazu bei, dass sich unsere Sprache mit der Zeit immer wieder verändert. Heine et al. (1991: 31) definieren sprachliche Kreativität nicht nur als einen kognitiven Prozess, der etwas 'Neues'/ nie in dieser Form da Gewesenes hervorbringt, sondern auch als eine Form von Problemlösung: "creativity involves finding a solution that is both unusual and useful". Wenn in einer Sprache für ein bestimmtes Konzept keine formalisierte Ausdruckmöglichkeit zur Verfügung steht, kann diese Lücke durch Neukreationen gefüllt werden. Ein Besipiel dafür ist die 'rheinische Verlaufsform'/'am-Progressiv' ('er ist gerade am essen'), die es ermöglicht, eine Handlung als im Verlauf begriffen darzustellen (vgl. dazu auch Sczcepaniak 2011: 30). Neue Ausdrücke können jedoch auch dazu dienen, die Explizitheit, Informativität einer Aussage zu erhöhen oder durch Expressivität eine subjektive Einstellung zu vermitteln; so ist "ich habe das nicht die Bohne verstanden!" expressiver als ein bloßes "ich habe das nicht verstanden". Aus derartigen 'Verstärkern' können im Laufe der Zeit neue Negationspartikeln enstehen; so ist etwa die französische Negationspartikel 'pas' aus einer Konstruktion wie 'ich habe das nicht ein Schritt(chen) verstanden" entstanden. Auch die deutsche Negationspartikel 'nicht' hat einen ähnlichen Grammatikalisierungsprozess durchlaufen.

Kurs im HIS-LSF

Semester: WT 2026/27