Räume, Grenzen, Übergänge sind in der Geographie- und der Literaturdidaktik gleichermaßen von zentraler Bedeutung, aber sie sind auch Ausdruck eines grundlegend unterschiedlichen fachlichen Erkenntnisinteresses.

Im Fach Deutsch nähern wir uns dem Phänomen des ‚Dazwischen‘ über die Begegnung mit literarischen Texten. Wir setzen uns in der Lehrveranstaltung zum einen auf der Grundlage von Forschungsliteratur damit auseinander, wie sich Prozesse der Rezeption und der Wahrnehmung in einem ‚ästhetischen Raum‘ gestalten, welche Rolle dabei Emotionen und Atmosphäre spielen und wie sich im Deutschunterricht solche Begegnungen initiieren und vermitteln lassen. Zum anderen werden wir eigene Leseerfahrungen mit Passagen aus dem Roman „Pfaueninsel” von Thomas Hettche machen, die wir mit Interviewaussagen von Oberstufenschülerinnen und -schülern abgleichen. Die Erkundung der Pfaueninsel in der Havel wiederum eröffnet die Möglichkeit, Erfahrungen eines konkreten Raums, eines imaginären Vorstellungsraums und eines ‚ästhetischen Raums‘ in ihrer Unterschiedlichkeit zu bestimmen und in ihrem Zusammenwirken zu reflektieren.

Geographie zielt hingegen darauf, die Welt in ihrer räumlichen Dimensionalität zu verstehen. In einer ordnend-beobachtenden und bei Bedarf mit weiteren Geodaten, raumbezogenen Visualisierungen, Befragungen und anderweitigen fachspezifischen Zugriffen unterstützten Annäherung an Räume gilt es zunächst Raumstrukturen respektive mögliche Raummuster zu identifizieren. Die Erfassung, Analyse und Beurteilung der Raumstrukturen (z. B. im Hinblick auf deren Ursachen, mögliche Raumnutzungskonflikte und raumplanerische Interventionen) erfolgt mittels fachspezifischer Betrachtungsweisen wie z. B. einer topographischen, morphogenetischen, systemischen oder mehrperspektivischen). Im Rahmen der fachdidaktischen Berlin-Exkursion soll ein besonderer Fokus auf sogenannte »Zwischenräume« gelegt werden: Orte wie die Pfaueninsel im Flusslauf der Havel, das Tempelhofer Feld oder der Görlitzer Park stellen innerhalb der Metropole Berlin abgrenzbare Räume dar, die nicht nur in ihrer Materialität, sondern auch in ihrer Konstruktion und atmosphärischen Strahlkraft eigenen Logiken unterworfen sind. Diese zu erfassen und darüber nachzudenken, welche geographischen Fragestellungen und Betrachtungsweisen Schülerinnen und Schülern einen Zugang zu diesen Räumen ermöglichen, bildet eine zentrale Fragestellung der geographiedidaktischen Annäherung vor Ort.
Im Rahmen der Lehrveranstaltung wird es für beide Gruppen separate Arbeitsphasen geben, zugleich aber auch gemeinsame Zeiten, in denen der Austausch im Mittelpunkt steht. Indem die geographischen und literarischen Perspektiven miteinander in Bezug gesetzt werden, zielt die Lehrveranstaltung nicht zuletzt auch auf eine Konturierung der eigenen fachlichen Identität.

Zur Organisation:

Pro Fach können an der gemeinsamen Lehrveranstaltung 10 Studierende teilnehmen. Zusätzlich zu der Belegung in HIS LSF ist eine verbindliche Anmeldung per Mail (marion.boennighausen@uni-muenster.de) im Fach Deutsch erforderlich. Es sind noch Plätze frei.

Die ursprünglich für den 28.07.2026 vorgesehene Vorbesprechung wird im August stattfinden. Der Termin wird noch bekannt gegeben. 

Die Kosten für die Unterkunft inkl. Frühstück, Fahrräder und Fähre werden ca. 155 Euro betragen. Die Anreise kann individuell organisiert werden, da erfahrungsgemäß einzelne Studierende gern etwas früher anreisen bzw. länger in Berlin bleiben wollen und Sie in Ihrer Altersgruppe andere Vergünstigungen in Anspruch nehmen können, als dies bei einer Gruppenreise der Fall ist.

Wir freuen uns auf Sie und unsere gemeinsame Fahrt nach Berlin. 

Kurs im HIS-LSF

Semester: WT 2026/27